Unkeler Bahnhof mit Graffiti

Sprayer-Kunst begrüßt Besucher

Fröhliche Farben gegen Tristesse: Mit leuchtend-buntem Sprühlack gehen die Realschüler ans Werk.

UNKEL. Es riecht nach Lack und Verdünner in der Unterführung zwischen Gleis 1 und den anderen Gleisen auf dem Unkeler Bahnhof: 25 Schüler der Stefan-Andres-Realschule dürfen sich dort legal als Graffiti-Sprayer austoben.

Sie nehmen an einem Projekt teil, das der Unkeler Helmut Born der Unkeler Entwicklungsagentur (EA) angeregt hat und für das sich die Konrektorin der Realschule, Birgit Braun, sofort begeisterte.

"Seit ich pensioniert bin, fahre ich öfter mit dem Zug und habe mich immer wieder über den Bahnhof, speziell über die verdreckte Unterführung und die beschmierten Wände geärgert", so Born. Über eine Verschönerung sprach er mit Rex Stephenson von der EA, der wiederum sprach mit der Realschulrektorin, die mit der Idee bei Kunstlehrerin Renata Westhoven offene Türen einrannte.

Stephenson holte zudem die Graffiti-Experten Thomas Klukas und Eugen Schramm ins Boot, die in Bad Honnef die Trafo-Häuschen der Bad Honnef AG künstlerisch gestaltet hatten. Neunt- und Zehntklässler sind nun also - mit Atemschutz ausgerüstet - mit der Spraydose unterwegs. Jeder Schüler habe im Vorfeld ein Motiv entworfen und mit den beiden Fachleuten überarbeitet, so Westhoven.

Künstler und Schüler überlegten dann, welche Einzelbilder sich an den beiden Längswänden der Unterführung und an den Stirnseiten der Treppenaufgänge harmonisch zusammenfügen ließen. "Hans-Peter Kohlbecker vom Bahnhofsmanagement war auch von der Idee so angetan, dass wir nicht nur umgehend die Genehmigung erhielten.

Die Bahn AG hat auch die Kosten für die Grundierung der Wände übernommen, nachdem diese von den Schmierereien befreit worden waren", berichtete Born. Nun entstehen so langsam eine Meerjungfrau, das Entchen-Emblem des Freibad-Fördervereins, ein Willy-Brandt-Porträt oder eine Schatztruhe voller Gold an den Wänden. "Gut 1500 Euro hat Helmut Born in die Spraydosen investiert", berichtete Stephenson.

Die Internationale Kinder-Gruppe, die zurzeit nicht im Einsatz ist, spendet das Geld für das Mittagessen der jungen Graffiti-Künstler. "So muss das gehen: Nicht die EA stößt Projekte an, sondern die Bürger. Wir helfen dann nur bei der Organisation", schwärmte Stephenson. Die Stadt bekommt durch die Aktion ein ansprechenderes Entree, die Schüler können sich kreativ im öffentlichen Raum betätigen.