Willy-Brandt-Forum in Unkel

Schauspieler des Bonner Contra-Kreis-Theaters kamen zu Besuch

Zwei Postkarten, die Willy Brandt 1936 erhielt, zeigt Rudolf Rupperath (2. von links) den Schauspielern (von links) Natascha Petz, Thomas Lotz, Nicolas Weidtmann, Mirko Böttcher und Robert Seiler.

UNKEL. Derzeit läuft im Bonner Contra-Kreis-Theater das von Johann Jakob Wurster geschriebene Stück "Willy100 - Im Zweifel für die Freiheit", dessen historischer Hintergrund Willy Brandts Berlin-Aufenthalt von September bis Dezember 1936 ist.

"Kontakt zu dem Theater-Ensemble hatte ich schon vorher", sagte Rudolf Rupperath, Geschäftsführer des Willy-Brandt- Forums (WBF) in Unkel. "Nachdem ich die Premiere in Bonn gesehen hatte, war ich so begeistert von der Aufführung, dass ich die Schauspieler spontan in das Forum eingeladen habe."

Zudem hat das WBF eine Kooperation mit dem Contra-Kreis-Theater geschlossen. Gegen Vorlage ihrer Theaterkarte erhalten Besucher der Aufführungen in der Unkeler Gedenkstätte einen um zwei Euro ermäßigten Eintritt. Dort können sie zudem einige der wenigen existierenden Exponate bewundern, die den Aufenthalt Willy Brandts in Berlin 1936 belegen.

"Wir finden diese Idee der Kooperation wie auch die Einladung toll und sind froh, uns hier auf die Spuren dieses großen Staatsmannes begeben zu können", sagte Robert Seiler, der den jungen Willy Brandt spielt.

Zusammen mit Mirko Böttcher, Thomas Lotz, Natascha Petz und Nicolas Weidtmann war er mit der "Beethoven" von Bonn nach Unkel gereist. Nur seine Kollegin Juliane Köster hatte krankheitsbedingt nicht mitkommen können.

"Das wird sie bedauern", war sich Weidtmann sicher. "Spätestens, wenn wir ihr von den beiden Original-Postkarten berichten, die Willy Brandt - damals noch Herbert Frahm - in Berlin unter seinem Decknamen Gunnar Gaasland aus Norwegen im November und Dezember erhalten hat", so Weidtmann.

Diese Exponate hatten Sven Haarmann von der Friedrich-Ebert-Stiftung und Referatsleiter Harry Scholz dem Willy-Brandt-Forum ausgeliehen. Der gefälschte Pass, mit dem der 22-jährige Willy Brandt nach den Olympischen Spielen von Oslo aus eingereist war, um in Berlin inkognito den Widerstand gegen Hitler zu koordinieren, gehört dagegen zu den Dauerexponaten des WBF.

"Hier ist Willy Brandt, einer der Politiker, die mit ihrem Leben für eine Idee einstehen, ganz präsent, fast wie zum Anfassen", konstatierte Böttcher begeistert nach einem ersten Rundgang.

In der Dauerausstellung würden dem Besucher die enormen Leistungen des Politikers, aber auch des Menschen Willy Brandt extrem anschaulich nahegebracht. "Das Stück bezieht sich dagegen auf den jungen Herbert Frahm, auf sein Husarenstück, von dem es nur wenige belegbare Fakten gibt", so Seiler.

Viele würden irrtümlich denken, "Im Zweifel für die Freiheit" sei eine Lesung. Dabei würden nur wenige Original-Textpassagen vorgetragen. Ansonsten sorge allein schon die Musik von Thomas Lotz - im von Hitler verpönten Swing-Stil - für Humor und Leichtigkeit, obwohl über Brandt fortwährend das Damoklesschwert der Entdeckung geschwebt sei.

"Das Stück kommt auch bei ganz jungen Zuschauern sehr gut an, obwohl sie nichts mehr direkt mit Willy Brandt verbindet. Ich könnte mir vorstellen, dass wir auch bei ihnen Interesse wecken, das WBF zu besuchen", mutmaßte Petz gegen Ende ihres rund zweistündigen Aufenthalts in Unkel.