Willy-Brandt-Forum Unkel

Malu Dreyer kam, sah und staunte

Vor der Willy-Brandt-Skulptur von Rainer Fetting: Malu Dreyer bewundert die Arbeit.

UNKEL. Ein schwarzer BMW bahnt sich den Weg durch 40 Demonstranten und hält unmittelbar vor dem Willy-Brandt-Forum. Eine lächelnde Ministerpräsidentin steigt aus. Und staunt. Das wird sie an diesem Donnerstagabend noch häufiger tun, doch dieses erste Mal ist nicht geplant.

Die Windpark-Gegner haben sich positioniert. Sie wollen Aufmerksamkeit, die große Bühne nutzen. Auf den Plakaten stehen Sprüche wie "Wenn der Messmast einmal steht, Willy sich im Grab umdreht." Willy, also Willy Brandt, wäre einen Tag zuvor 100 Jahre alt geworden. Nur deshalb ist Malu Dreyer hier, eigentlich.

Doch nun erhält sie eine von allen Bürgerinitiativen mitgetragene Resolution. Karlheinz Merten verliest zudem einen Brief, in dem sie ihrem Ärger Luft machen. Dreyer hört geduldig zu, antwortet schließlich ausführlich, erlaubt Widerspruch und antwortet erneut. Sie zitiert - wie passend - Willy Brandt: "Die Zukunft vorauszusehen, heißt, sie zu gestalten." Man wolle die Energiewende.

Zehn Minuten später steht sie im Forum, reiht sich zum obligatorischen Gruppenfoto mit Innenminister Roger Lewentz, Brandts letzter Ehefrau Brigitte Seebacher, dem Vorsitzenden der Stiftung, Klaus-Henning Rosen, sowie dessem Stellvertreter Rudolf Barth und dem Geschäftsführer Rudolf Rupperath. Letzterer führte die Landeschefin von Rheinland-Pfalz durch das kleine Museum. Zwei Stunden vor ihrem Besuch ist eine Briefmarken-Ausstellung zu Ehren des Staatsmannes Brandt eröffnet worden.

Dreyer staunt erneut. Einer "zugewandten, aufmerksamen und patenten Frau" habe er alles zeigen dürfen, bilanzierte Rupperath. Sie sei zum ersten Mal hier, gestand Dreyer. Im Rathaus wird sie später in ihrer Rede sagen, dass sie beeindruckt gewesen sei "von der Professionalität der Präsentation, der Liebe zum Detail, aber auch den humorvollen Einblicken". Als sich die Windpark-Gegner längst vor dem Rathaus postiert hatten, trug sich die Ministerpräsidentin ins Goldene Buch der Stadt ein.

Bei dem Empfang, den Stadtbürgermeister Gerhard Hausen eröffnete, hielt Dreyer eine Rede. Darin hieß es: "Willy Brandt gehört zu den großen und herausragenden Politikern unserer Geschichte. Er war ein Glücksfall für Deutschland und ist für mich ein politisches Vorbild." Das Willy-Brandt-Museum trage dazu bei, die Erinnerung an diese große Persönlichkeit und ihr politisches Wirken wachzuhalten, unterstrich Dreyer.

"Um die Originale - sei es das Meistermann-Porträt, sein Stuhl aus dem Bonner Plenarsaal oder das private Arbeitszimmer - werden uns viele Häuser beneiden", sagte Malu Dreyer. Das Museum trage darüber hinaus auch zur Erhöhung der Attraktivität der Stadt Unkel bei.

Die finanziellen Sorgen des Forums sprachen Rosen und Co. nicht an. Es sei nicht der richtige Anlass für "politisch demokratische Wunschzettel", sagte Klaus-Henning Rosen vor dem Rundgang durchs Forum. Allerdings habe man sich für das neue Jahr in Mainz verabredet, um über den Engpass zu sprechen, hieß es. Dreyer lobte indes das außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement. Sie sprach von mehr als 20 "Helden der Arbeit" - und staunte über so viel Einsatz.

Info

Die Briefmarken-Ausstellung kann bis Ende Januar 2014 besichtigt werden. Geöffnet ist das Museum in Unkel dienstags bis samstags (10 bis 17 Uhr) und sonn- und feiertags (11 bis 17 Uhr). Vom 24. bis 26. Dezember sowie Silvester und Neujahr bleibt das Forum geschlossen.