Willy-Brandt-Forum Unkel

Kunst-Projekt greift Kultursommer-Motto "Helden und Legenden" auf

Seine Skizzen für die Wandmalerei im Willy-Brandt-Forum zeigt Künstler Klaus Hopf (Mitte) Geschäftsführer Rudolf Rupperath (links) und Christoph Charlier.

UNKEL. "Helden und Legenden" ist das Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz 2015. Aufgegriffen wird es auch vom Willy-Brandt-Forum in Unkel mit dem Projekt "Willy Brandt - Träumer und Realist", bei dem es um die Suche nach den Gründen für den fortlebenden Mythos um den Friedensnobelpreisträger geht. Auftakt ist eine Kunstaktion mit dem Titel "Anatomie des aufrechten Gangs" des Künstlers Klaus Hopf.

Die Vernissage am Freitag, 29. Mai, um 19.30 Uhr im Multifunktionsraum markiert den Beginn des Projektes, das Stiftungs-Vorsitzender Christoph Charlier bei einer Pressekonferenz vorstellte. Allerdings kann man dem Künstler bereits ab Freitag, 15. Mai, bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. Dann gestaltet Hopf den leer geräumten Multifunktionsraum für die Zeit des Projektes um. Im Skizzenbuch des Künstlers finden sich die Entwürfe für die Wandbemalung, unter anderem mit der Figur eines kleinen Königs und drei Soldaten, die symbolisch für die Diktatur stehen: Der erste sieht noch alles, der zweite hat nur noch ein Auge, der dritte reißt blind den Arm hoch zum Hitlergruß.

"Meine Bilder fordern die fantasievolle Interpretation, aber auch den Widerspruch durch den Betrachter", so der gebürtige Plauener, der im Willy-Brandt-Forum auch den berühmten Warschauer Kniefall künstlerisch zitieren wird. "Der ist Voraussetzung für den aufrechten Gang. Aber Zeitgenossen sind keine Helden, sie werden erst dazu gemacht und auf einen Sockel gestellt, sodass sie weit entfernt sind von der Realität", so das Credo des Künstlers.

Zur Vernissage wird Norbert Illig eine Einführung in die Arbeit Hopfs geben, kündigt Charlier an. Wie sein Freund Hopf interessiere sich auch dieser Künstler dafür, was jenseits der Wirklichkeit liege, was die Realität transzendiere.

Zweiter Teil des Projekts zum Kultursommer ist eine Lesung von Udo Scheer aus seinem Buch "Wir kommen wieder" am Freitag, 5. Juni. "Mit diesem Versprechen löste sich am 7. Oktober 1989 in Plauen erstmals in der DDR eine Massendemonstration friedlich auf", erklärte Charlier den Hintergrund. Der damalige Kirchenhausmeister Klaus Hopf war Mitbegründer der Plauener Opposition, während der gebürtige Münchner Udo Scheer, der in Jena Technologie für wissenschaftlichen Gerätebau studierte, Gründungsmitglied des oppositionellen Arbeitskreises Literatur und Lyrik war.

Unter der Überschrift "Vergänglichkeit der Kunst" laden Charlier und Hopf dann für Sonntag, 5. Juli, ab 11 Uhr zur Finissage ins Willy-Brandt-Forum ein. "Klaus Hopf malt nicht für die Ewigkeit. Entsprechend werden seine Bilder im Multifunktionsraum auch wieder weiß übermalt. Zuvor gehen wir aber der Frage nach, was die Kunstaktion bewirkt hat und ob uns Willy Brandt noch etwas zu sagen hat", so Christoph Charlier.

Weitere Informationen unter www.willy-brandt-forum.com

Museumstag im Forum

Am internationalen Museumstag, Sonntag, 17. Mai, ist das Atelier von Klaus Hopf im Willy-Brandt-Forum in Unkel, Will-Brandt-Platz 2, von 11 bis 18 Uhr zu besichtigen.

Wer dem Künstler bei der Arbeit im Forum über die Schulter schauen möchte, muss sich zuvor anmelden unter Tel. 02224/7799303 oder per E-Mail an buchungsanfrage@willy-brandt-forum.com.