Konrad Rufus Müller

Kanzlerfotograf schenkt dem Willy-Brandt-Forum Unkel 24 Bilder

Unkel. Er hat von Adenauer bis Merkel alle Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland fotografiert: Konrad Rufus Müller, der in Königswinter wohnt, hat 24 Schwarz-Weiß-Bilder von Willy Brandt dem Willy-Brandt-Forum in Unkel geschenkt.

Sein Lieblingsbild zeigt Willy Brandt drei Jahre nach dessen Rücktritt. Der Altbundeskanzler schaut in die Ferne, der Blick ist ernst, etwas verloren. Tiefe Falten liegen um Augen und Mund. Er sieht aus wie jemand, dem das Leben eine enorme Last aufgebürdet hat. Nicht wie ein Mann in Urlaubslaune. Und doch hat der Fotograf Konrad Rufus Müller diesen Augenblick 1977 in Brandts Feriendomizil in Norwegen eingefangen.

Das beeindruckende Porträt ist eines von insgesamt 24 Fotografien, die Müller dem Willy-Brandt-Forum (WBF) in Unkel geschenkt hat. Vom kommenden Samstag an sind seine Arbeiten dort im Rahmen einer Ausstellung zu sehen.

„Viele lustige Erlebnisse mit Brandt gab es eigentlich nicht“, sagt Müller unumwunden. „In der Öffentlichkeit wirkte er häufig fröhlich, machte Witze, und die Menschen himmelten ihn an. Doch wenn er sich unbeobachtet fühlte, wechselte die Stimmung.“ Müller, geboren in Berlin und seit nunmehr 38 Jahren in Königswinter zu Hause, hat viele dieser Momente beobachtet und mit seiner Kamera festgehalten.

Erstmals fotografierte der heute 78-Jährige Brandt im Berliner Sportpalast mit seiner Rolleiflex – eine alte Spiegelreflexkamera, die er von seinem Vater geerbt hatte. Das letzte Porträt des SPD-Politikers entstand ein Jahr vor dessen Tod 1991 im Erich-Ollenhauer-Haus, mit einem Folgemodell der Kamera.

Müller zählt zu den renommiertesten Porträtfotografen der vergangenen Jahrzehnte. Von Adenauer bis Merkel hatte er alle Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland vor seiner Kamera. Dazu internationale Politgrößen wie Putin und Mitterrand, Musiker und Schauspieler. Er veröffentlichte Fotobücher, fotografierte für das Time Magazine und L' Express.

Arbeit ausschließlich in Schwarz-Weiß

Bis heute unverändert ist seine Technik: Müller arbeitet nur mit dem verfügbaren Licht, ausschließlich in Schwarz-Weiß und entwickelt die Aufnahmen in der Dunkelkammer in seinem Haus selbst. Zumeist konzentriert er sich auf Gesicht und Hände seines Gegenübers, die – wie er sagt – das Meiste über einen Menschen verraten. Dazu nimmt er sich Zeit. Viel Zeit, wie in jenem Sommer 1977 in Norwegen, um im richtigen Moment auf den Auflöser zu drücken. „Müller hat uns hier gefehlt“, sagt Christoph Charlier, Vorsitzender des Willy-Brandt-Forums. „Wer seine Brandt-Porträts sieht, braucht keine Zeile zu lesen. Er sieht, was der Mann erlebt hat.“

Ein Zeitungsinterview vor rund zwei Jahren habe den Anstoß gegeben, mit Müller Kontakt aufzunehmen. Der Fotograf hatte es seinerzeit bedauert, dass es weder bei Museen noch Stiftungen Interesse gebe, seine Bilder auszustellen. WBF-Geschäftsführer Rudolf Rupperath ergriff die Gelegenheit beim Schopf und rief Müller an. „Und mit Ausdauer und Akribie hat er die Entwicklung zum Erfolg geführt“, so Charlier. „Wir in Unkel haben spät, aber dann schnell geschaltet.“

Insgesamt 24 Fotografien hat Müller dem WBF geschenkt. „Eine einmalige Angelegenheit“, wie der Fotograf betont, „weil ich die ehrenamtliche Arbeit der Menschen hier sehr schätze.“ Es seien „sehr persönliche Porträts“ von Willy Brandt, den Müller auch als seinen „großen politischen Helden“ bezeichnet. Brandt habe sich durch die Anwesenheit des Fotografen, das Geräusch seiner Kamera nie gestört gefühlt. „Und mir ein Grundvertrauen entgegengebracht“, so Müller. „Sonst wären diese Aufnahmen nicht entstanden.“

Neben den Fotografien hat Müller zudem ein Bild aus seinem Fundus zur Produktion einer Ansichtskarte für das WBF freigegeben. Entstanden ist es 1976 im Teutoburger Wald und zeigt Willy Brandt in ungewohnter Pose: Er lacht, glücklich und unbeschwert.

Eröffnung mit Feierstunde

Mit einer Feierstunde wird die Ausstellung am Samstag, 21. April, um 11 Uhr im Rheinhotel Schulz, Vogtsgasse 4 in Unkel, eröffnet. Um Anmeldung unter 02224/7799303 oder per E-Mail an info@willy-brandt-forum.de wird gebeten.

Im Anschluss sind 13 der insgesamt 24 Fotografien, die Konrad Rufus Müller dem Willy-Brandt-Forum schenkte, im Rahmen der Dauerausstellung des Museums, Willy-Brandt-Platz 5 in Unkel, bis voraussichtlich Mitte Dezember zu sehen. Für Ende des Jahres ist die Eröffnung des zweiten Teils der Ausstellung mit den übrigen Bildern geplant. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.willy-brandt-forum.com.