Martine Seibert-Raken auf der Biennale

Künstlerin aus Unkel stellt in Venedig aus

UNKEL/Venedig. "Unkel goes Venice": Diesen vielsagenden Titel hat die Unkeler Künstlerin Martine Seibert-Raken ihrer Installation gegeben, die seit einigen Tagen in Venedig zu sehen ist. Während der Biennale stellt die Künstlerin ihre Arbeit im Palazzo Mora aus.

„Jetzt bin ich einfach nur überglücklich.“ Die Unkeler Concept-Art-Künstlerin Martine Seibert-Raken strahlte: Viele Freunde und Kunstsinnige umgaben sie in Venedig bei der Eröffnung der 59. Biennale, bei der sie im Palazzo Mora mit einer Installation vertreten ist mit dem beziehungsreichen Titel „Unkel goes to Venice“.

Ein Glücksmoment, in dem vieles vergessen war: die Schinderei, um aus 1400 Metern Kaninchendraht ein filigranes, gut fünf Meter hohes und mehrere Meter breites Geflecht zu formen; die verzweifelte Suche nach einer Firma, die in der Lage war, das Drahtgebilde in Magenta einzufärben; die Anstrengungen, das Kunstwerk nach dem Probeaufbau im Unkeler Palmenhaus zu demontieren, auf einen Pritschenwagen zu laden und zum Parkplatz an der Kamener Straße zu karren, weil der Transport-Lkw zu groß für die engen Altstadtstraßen war.

Die glückliche Geschichte der Unkelerin auf der weltberühmten Biennale in Venedig begann vor gut einem Jahr. Seibert-Raken hatte den Kurator des Palazzo Mora, René Rietmeyer, nach den Aussichten einer Bewerbung gefragt. Ihr Konzept hatte sie kurz zuvor beim internationalen und digital vernetzten Fest für zeitgenössische Skulptur „stArt’18“ im leer stehenden Unkeler Hotel „Zur Löwenburg“ präsentiert.

Rietmeyer war von „Once upon a Time – Unkel goes to Venice“ sofort begeistert. Sie hätte sogar in einem der anderen Biennale-Standorten ausstellen dürfen, berichtet Seibert-Raken. Allerdings passte da die Raumsituation nicht.

Als Leader-Projektvom Land gefördert

Und die Künstlerin kam finanziell an ihre Grenzen. Schon die Installation im Palazzo Mora habe mehrere zehntausend Euro verschlungen. Da sei die Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz für die Kunstaktion als Leader-Projekt gerade recht gekommen.

Es sei „ganz außergewöhnlich“, dass Unkel auf diese Weise auf der Biennale präsent sei, freute sich der Beigeordnete Siegfried Brenke, der den Bürgermeister in Venedig vertrat. In seiner Ansprache erinnerte er an die frühere Insellage Unkels, eine Gemeinsamkeit mit der Lagunenstadt. Und am Beispiel der „Löwenburg“, die inzwischen abgerissen wurde, sah er auch gegenwärtig vergleichbare Probleme.

„Es ist einfach märchenhaft, in dieser traumhaften Atmosphäre und zusammen mit so vielen internationalen Künstlern ausstellen zu dürfen“, schwärmte Seibert-Raken. Venedig, zu Glanzzeiten eine superreiche Handelsmetropole, strahlt heute eher eine morbide Atmosphäre aus. Seine Existenz ist vor allem durch die monströsen Kreuzfahrtschiffe in höchstem Grade gefährdet. Darauf will auch die Künstlerin aufmerksam machen. Ihre Installation spiele auf die Gefahr dieses Verfalls an. das Drahtgeflecht breite sich förmlich aus wie der in alten Gebäuden häufig anzutreffende Schwamm.

Den Druck, den ihre quellenden Drahtwolken erzeugen, stellt sie durch Verformung der Plexiglaswand dar. „Sie wird sogar scheinbar in acht Einzelteile zersprengt, sodass der Schaum durch alle Ritzen und über sie hinweg in den Raum dringen und um sich greifen kann“, so die Künstlerin.