Willy-Brandt-Forum in Unkel

Künstler sehen Demokratie in Gefahr

Künstler mischen sich ein (v.l.): Ute Giesen, Britta Bellin-Schewe, Christian
Rosenzweig und Gabriela Mrozik machen sich stark für mehr
Bürgerbeteiligung und Demokratie. FOTO: KÜSTERS

Künstler mischen sich ein (v.l.): Ute Giesen, Britta Bellin-Schewe, Christian Rosenzweig und Gabriela Mrozik machen sich stark für mehr Bürgerbeteiligung und Demokratie.

UNKEL. "Kunst trifft Politik" heißt es von Freitag an im Willy-Brandt-Forum in Unkel, wenn die Kreativen Britta Bellin-Schewe, Ute Giesen, Gabriela Mrozik und Christian Rosenzweig ihre Veranstaltungsreihe eröffnen. Der warnende Titel: "Demokratie in Gefahr".

"Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass die Demokratie in vielen Bereichen gefährdet ist. Dem Volk als Souverän wird keine Entscheidungsmöglichkeit eingeräumt etwa bei der Griechenland-Krise oder bei der Wirtschaftskrise, bei der Hilfe für Banken wichtiger war als die Menschen", sagte Ute Giesen bei der Vorstellung der Reihe.

Am Freitag, 8. Mai, eröffnen die Kunstschaffenden in Kooperation mit Rainer Bohnet vom Bonner Politik-Forum das Projekt um 19 Uhr im Willy-Brandt-Forum. Gast der Auftaktveranstaltung ist Frank Überall, Professor für Medien, Kommunikation und Wirtschaft an der Kölner Hochschule. Er referiert über "Demokratiegefährdung durch Extremismus. Die Rolle der Medien in der Berichterstattung und Analyse extremistischer Entwicklungen". Anschließend diskutiert er mit den Teilnehmern.

Der Gefängnisturm ist von Sonntag, 10. Mai, an Kulisse einer Ausstellung der vier veranstaltenden Künstler. Giesen zeigt die Installation "Demokratie im Verlies", mit der die Künstlerin nicht nur auf die Zustände in jenen Ländern hinweisen will, in denen Demokratie noch erkämpft werden muss. "Meine Arbeit ist vielmehr ein Sinnbild dafür, dass auch in Deutschland der Demokratie mehr und mehr die Hände gebunden sind."

Auf die Gefährdung der Demokratie durch nicht demokratisch legitimierte Institutionen und Prozesse weist Rosenzweig mit einem Objekt hin, während Mrozik die unter Spannung stehende Demokratie thematisiert, die auseinanderzufallen droht. Die Glaskünstlerin Mrozik will zudem mögliche Folge der Datensammlung und der zunehmenden elektronischen Vernetzung in der demokratischen Gesellschaft zeigen.

Die Keramikerin Bellin-Schewe zeigt unter dem Motto "Masse aus Masse" einen Vorhang aus Tonfiguren. "Als gebrannte Figuren sind sie im Wortsinn durchs Feuer gegangen und setzen sich aus der anonymen Masse in Bewegung, um demokratische Rechte einzufordern", so die Künstlerin.

Mit ihren drei Mitstreitern will Bellin-Schewe die Besucher zur Diskussion anregen und sie auffordern, sich mit bestimmten Themen zu befassen. "Demokratie ist eine vom Volk ausgehende, freiheitlich-politische Ordnung, die sich jeden Tag selbst erneuern muss", erklärte Bohnet. Die Bürger müssten sich informieren und einmischen, so das Credo der vier Künstler.

Vorträge und Filmabende

Der Eintritt zur Ausstellung im Gefängnisturm in Unkel ist frei. Zu sehen ist die Präsentation von Sonntag, 10. Mai, bis Sonntag, 6. September, an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr. Auch der Eintritt zur Auftaktveranstaltung am Freitag, 8. Mai, ab 19 Uhr im Willy-Brandt-Forum ist frei. Weitere Termine der Reihe:

  • Dienstag, 12. Mai: Vorführung des Films "Wer rettet wen? Die Krise als Geschäftsmodell auf Kosten von Demokratie und sozialer Sicherheit" von Leslie Franke und Herdolor Lorenz. Beginn um 19 Uhr. Der Eintritt kostet fümf Euro.
  • Donnerstag, 3. September: Ralf Melzer (Berlin) spricht zum Thema: "Ist die Demokratie stabil genug? Gefährdung durch Rechtsextremismus!". Beginn ist um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
  • Samstag, 3. Oktober: Filmemacher Kai von Westermann zeigt "Wie Erich seine Arbeit verlor". Beginn 17 Uhr. Anschließend Gespräch mit von Westermann. Eintritt: Fünf Euro.

Bei allen Veranstaltungen im Willy-Brandt-Forum ist wegen des begrenzten Platzangebots eine Anmeldung erforderlich unter Tel. 01 62/8 88 05 14 oder per E-Mail an info@kunst-trifft-politik.eu.