Ehemaliger Eisenbahntunnel in Erpel

Kölner Theaterensemble gibt den Jedermann

Die moderne Inszenierung des Jedermann begeisterte die Besucher im ehemaligen Eisenbahntunnel in Erpel. FOTO: FRANK HOMANN

Die moderne Inszenierung des Jedermann begeisterte die Besucher im ehemaligen Eisenbahntunnel in Erpel.

ERPEL. Für ihn gibt es nichts, was man für Geld nicht haben kann. Und der reiche Jedermann will auch den Tunnel von Erpel kaufen.

Eine Prise Lokalkolorit streute das Kölner Theaterensemble um Regisseur Stefan Krause zur großen Überraschung des Publikums bei seiner Aufführung im "Theater im Tunnel" eben auch ein. Köstlich: Der Jedermann-Schauspieler Hanno Dünger legte dabei die Betonung voller Pathos auf die zweite Silbe - der "Tun-nel von Er-pel".

Vor mehr als 100 Jahren wurde das Stück "Jedermann - das Spiel vom Sterben des reichen Mannes" von Hugo von Hofmannsthal in Berlin uraufgeführt; seit 1920 steht es alljährlich auf dem Spielplan der Salzburger Festspiele. Erstmals nun war es auch im Theaterraum des ehemaligen Eisenbahntunnels, der durch die Brücke von Remagen berühmt wurde, zu erleben.

Der "Kölner Jedermann" läuft jetzt in der vierten Saison als Sommerspecial. Und den Schauspielern war die Begeisterung anzumerken, dieses geniale Stück in adäquater Atmosphäre drei Mal vor ausverkauftem Haus zelebrieren zu dürfen. Edgar Neustein, Vorsitzender des Kunst- und Kulturkreises "ad Erpelle", begrüßte dabei auch Verbandsbürgermeister Karsten Fehr, Ortsbürgermeisterin Cilly Adenauer und Christoph Beck, den Geschäftsführer der Landesbühne Rheinland-Pfalz, die ab August an diesem Originalschauplatz erneut das Stück "Die Brücke" auf die Bühne bringen wird.

Aber auch für den "Jedermann" bildete dieser von dramatischen Ereignissen am Ende des Zweiten Weltkriegs geprägte Ort mit der geheimnisvollen Aura und der speziellen Akustik die ideale Kulisse. Der Einzug der Künstler auf die Bühne erfolgte jeweils am Publikum vorbei durch das Parkett - zuerst die Kombo (Stephan Wipf, Nadine Pungs, Mirka Ritter und Petra Schepeler), die die Handlung mit aktuellen Musiktiteln untermalte.

Stefan Krause hat das Stück in die heutige Zeit adaptiert. Der Regisseur verabschiedete sich im "Drehbuch" von den früher üblichen charakterlichen Personifikationen eines Mysterienspiels. Krause versetzte die Figuren, die dadurch nicht mehr nur Metapher sind, in die Realität der modernen Welt. So tippen Jedermanns Freunde und Verwandte zum Beispiel beim Partymachen wie wild auf ihren Handys herum.

Jedermann umgibt sich mit Schönheit und Jugend, will so sein Leben genießen - und verlängern. Bildschön seine Buhlschaft: Die Schauspielerin Ann-Cathrin Schaible gefiel mit einer tollen Ausstrahlung. Eindrucksvoll aber auch die anderen Akteure - wie etwa Gott (Jörg Kernbach), der Tod (Ursula Wüsthof), die Armut (Anja Jazeschann), der Jedermann verächtlich eine Münze hinwirft, oder der Mammon, verkörpert und mit viel Gold ausstaffiert von Elena Boecken.

Sie reißt Jedermann, als sich für ihn das Schicksal dreht, das Bündel Scheine weg, uralte Rentenmarkscheine, und schmeißt ihm wiederum zwei Münzen hin.

Der Glaube (Jürgen Clemens) bringt dann die Wende. Jedermann legt ein Glaubensbekenntnis ab. Und der Teufel (Claus Thull-Emden) wird von allen von der Bühne gedrängt. Am Ende halten alle zu Jedermann - auch die Werke (Celina Engelbracht), der dünne Vetter (Frank Baumstark), der dicke Vetter (Patrick Bartsch) und Mutter (Gabriele Schulze).

Die Mutter klagt übrigens über die Luft im Tunnel - ein weiteres hübsches, auf den Spielort gemünztes Bonmot des Regisseurs. Bei aller Modernität war die Aufführung aber in vielen Passagen sehr textgetreu - ein reizvoller Kontrast. Das begeisterte Publikum erhob sich und feierte das Ensemble mit ausdauerndem Applaus.

Erpel wird aber nicht Salzburg. Das Ensemble wendet sich nach vier Jahren "Jedermann" einem neuen Sommerspecial zu. Nicht der, sondern "Die Geizige" nach Molière steht für 2016 an. Und nach diesem gelungenen Einstand überlegt der "ad Erpelle"-Vorstand, die Kölner Truppe auch mit dieser Komödie zu engagieren. In ihren "Tun-nel von Er-pel". Gekauft hat der Jedermann schließlich nur im Stück.

Info

Vom 15. August bis zum 6. September spielt die Landesbühne Rheinland-Pfalz erneut das Stück "Die Brücke", immer mittwochs, donnerstags, freitags und samstags ab 19.30 Uhr sowie sonntags ab 15.30 Uhr. Weitere Informationen unter www.ad-erpelle.de