Vor 25 Jahren starb der Sozialdemokrat

Gedenken an Willy Brandt in Unkel

UNKEL. In Unkel hat sich die Witwe von Willy Brandt, Brigitte Seebacher, auf Einladung des Willy-Brandt-Forums im Gespräch mit dem rheinland-pfälzischen SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer an den großen Sozialdemokraten erinnert.

Auf den Tag genau am Sonntag vor 25 Jahren ist der erste sozialdemokratische Bundeskanzler Deutschlands, Willy Brandt, in seinem Unkeler Haus, Auf dem Rheinbüchel 60, im Alter von 79 Jahren gestorben. Während in Berlin, wo der Friedensnobelpreisträger auf eigenen Wunsch beerdigt worden ist, Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, SPD-Chef Martin Schulz und Spaniens Ex-Ministerpräsident Felipe González im Willy-Brandt-Haus an den großen Sozialdemokraten erinnerten, übernahm dies in Unkel auf Einladung des Willy-Brandt-Forums seine Witwe, Brigitte Seebacher, im Gespräch mit dem rheinland-pfälzischen SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer.

Zu der von der Geigerin Ela Zagori musikalisch gestalteten Gedenkfeier im Rheinhotel Schulz konnte der Vorsitzende des Forums, Christoph Charlier, neben Seebachers Mann, Hilmar Kopper, Stadtbürgermeister Gerhard Hausen, Altbürgermeister Werner Zimmermann, der Seebacher und Brandt in Unkel getraut hatte, den Rheinbreitbacher Bürgermeister Wolfgang Gisevius, Ulrich Scheufelen, der dem Forum eine Bronzefigur von Brandt gestiftet hat, sowie die Kuratoriums-Mitglieder des Forums begrüßen.

„Nicht wenige hier im Saal haben direkt mit Willy Brandt zusammengearbeitet"

„Nicht wenige hier im Saal haben direkt mit Willy Brandt in der Unkeler Zeit zusammengearbeitet – so wie mein Vorgänger Klaus Henning Rosen als sein Büroleiter oder auch die drei Fahrer von Willy Brandt: Peter Langen, Georg Schikowski und Hans Simon“, so Charlier. Wer anderes aber als Seebacher könne authentische Auskünfte geben über den Menschen Willy Brandt – dank ihrer Erinnerungen aus nächster Nähe.

„Vieles, was Willy Brandt in den 90er Jahren gesagt hat, ist heute fast noch aktueller als damals“, stellte Schweitzer zu Beginn als These auf, um dann an Seebacher gewandt zu fragen, was genau der legendäre SPD-Vorsitzende, der seine letzten 13 Lebensjahre mit Seebacher in Unkel verbrachte, uns heute noch zu sagen habe. Die ernüchternde Antwort der Brandt-Witwe: „Er, Jahrgang 1913, kann uns 2017 nichts mehr sagen, schon gar nicht den jungen Wählern, die seine prägenden Einflüsse gar nicht mehr nachvollziehen können“, so Seebacher, bevor sie sich „dem Niedergang der SPD“ widmete, der schon 1989 begonnen habe. Im Gegensatz zu Brandt hätten die führenden Sozialdemokraten beim Fall der Mauer mit der Einheit nichts anfangen können. Lediglich Klaus von Dohnanyi habe ein unbefangenes Verhältnis zu ihr gehabt.

„Es gibt keine Führungskraft mehr in der SPD"

„Es gibt keine Führungskraft mehr in der SPD. Willy Brandt hat immer das gesagt, wovon er überzeugt war“, hob Seebacher hervor. Allerdings habe es zu seiner Zeit auch noch nicht das Diktat der täglichen Umfragen gegeben, von Social Media ganz zu schweigen. Außerdem sei es kaum noch möglich, einen kollektiven Zusammenhalt herbeizuführen. „Die Bedingungen für Politik haben sich enorm verändert, einer der Gründe, warum uns Willy Brandt nichts mehr zu sagen hat“, so die Historikerin. Das Prinzip „Erst denken, dann reden“, gelte schließlich auch ohne ihn, erklärte sie mit einem Seitenhieb auf Schulz. Ganz ohne Einfluss auf die heutige Zeit blieb jedoch auch bei ihr Willy Brandt in seiner Funktion als Vorbild nicht. „Er lädt uns ein, radikal neu zu denken, sich freizumachen von dem, was man an traditionellem Gedankengut mitschleppt“, resümierte Seebacher.