Marode Brückentürme in Erpel

Erpel gibt das "Geschenk" zurück

Bild aus der Vergangenheit: Staatssekretär Günter Kern (Mitte, mit Cilly Adenauer) sicherte im Herbst eine Landesförderung zur Sanierung der Brückentürme zu. Das Geld ist nun nicht mehr nötig.

Bild aus der Vergangenheit: Staatssekretär Günter Kern (Mitte, mit Cilly Adenauer) sicherte im Herbst eine Landesförderung zur Sanierung der Brückentürme zu. Das Geld ist nun nicht mehr nötig.

ERPEL. Die Gemeinde Erpel ist nicht mehr Eigentümerin der maroden Erpeler Brückentürme. Das hat am Dienstag Ortsbürgermeisterin Cilly Adenauer bekannt gegeben.

Die Erleichterung war ihr deutlich anzumerken, wären doch in den kommenden Jahren hohe Kosten für die Sanierung des Nationalen Denkmals auf Erpel zugekommen. Die Gemeinde trägt nun keine Verantwortung mehr für das Bauwerk und die Verkehrssicherungspflicht. Künftig gehören der Deutschen Bahn AG die Brückentürme - wieder. Denn Erpel hatte den Brückenkopf im Jahr 1988 der damaligen Bundesbahn für eine symbolische Mark abgekauft; mit allen Rechten und Pflichten, die Eigentum mit sich bringt.

Eben dieser notarielle Kaufvertrag, der am 16. März 1988 geschlossen wurde, ist nun rückabgewickelt worden. Die Behörde Bundeseisenbahnvermögen (BEV), Rechtsnachfolgerin der Bundesbahn und unter anderem für die Verwaltung von Liegenschaften zuständig, hat die Rückabwicklung vergangene Woche genehmigt, wie ihr Sprecher Jürgen Rothe dem GA bestätigte. Ein entsprechender Vertrag sei von beiden Seiten unterzeichnet worden, lediglich die Grundbucheintragung sei noch nicht vollzogen. Die BEV werde, so Rothe, die Türme letztlich an die Deutsche Bahn AG übertragen.

Von dieser war gestern keine Stellungnahme zur Frage zu bekommen, wann sie die dringend notwendige Sanierung durchführen möchte. Ursprünglich sollte diese zum Gleis hin im August und September 2016 erfolgen, weil die Bahn in diesem Zeitraum bei Bad Hönningen ohnehin eine Baustelle mit halbseitiger Trassensperrung errichten muss. Ungewiss ist auch, ob der Kulturverein ad Erpelle in den Brückentürmen nach einer etwaigen Sanierung wieder Veranstaltungen durchführen kann.

Mit der Rückabwicklung haben jahrelange Bemühungen des Ortes, der Verbandsgemeinde Unkel und des Kreises Neuwied ein glückliches Ende genommen. Nach Ansicht aller Beteiligten hätte der Vertrag in den 1980er Jahren so nie geschlossen werden dürfen. Ende vergangenen Jahres hatte das Eisenbahnbundesamt erklärt, dass die Türme für den Bahnbetrieb zwingend notwendig sind, um Eisenbahnlasten aufzunehmen. Schlussfolgerung: Was für den Unterhalt einer Trasse notwendig ist, darf man nicht verkaufen. Das Bauwerk befindet sich schließlich nur anderthalb Meter von den Gleisen entfernt. Nun gehe "eine unendliche Geschichte zu Ende, die den Rat viel Kraft gekostet hat", sagte Bürgermeisterin Cilly Adenauer gestern.

Der Putz bröckelte schon von den Wänden des Denkmals. 1,4 Millionen Euro hätte die geplante Sanierung gekostet - mindestens. Zwar hatte das Land Rheinland-Pfalz 830.000 Euro zugesichert, es sollte zudem eine halbe Million Euro aus Denkmalschutztöpfen des Bundes und des Landes fließen. Aber die Gemeinde mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 3200 Euro hätte dennoch einen Kredit von 274.000 aus Eigenmitteln stemmen müssen.

Unkels Verbandsbürgermeister Karsten Fehr und der Neuwieder Landrat Rainer Kaul zeigten sich erfreut über die Entscheidung. Beide hatten die Bemühungen der Gemeinde, das als Last empfundene Denkmal loszuwerden, unterstützt. "Für die kommunale Familie ist das eine gute Nachricht", sagte Fehr. Zumal nicht nur die Gemeinde, sondern auch Land und Bund Gelder einsparten.

Kaul ergänzte, er habe sich im zuständigen Ministerium für Inneres und Struktur dafür stark gemacht, dass die 830.000 Euro nach Möglichkeit dennoch im Kreis Neuwied investiert werden. "Wir müssen uns aber auch klarmachen, dass das Geld ursprünglich für andere Sanierungen und Projekte angedacht war, die zurückstecken mussten", so Kaul.