Sexueller Übergriff? Ermittlungen gegen Reiter aus dem Kreis Neuwied

Ein Springreiter überwindet mit seinem Pferd ein Hindernis.

Kreis Neuwied. Im deutschen Springreiter-Nachwuchs sollen junge Mädchen sexuell bedrängt worden sein. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz gegen einen 20-jährigen Reiter aus dem Kreis Neuwied.

Nach den Vorwürfen über Alkoholexzesse und sexuelle Übergriffe durch deutsche Nachwuchs-Springreiter in Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz gegen einen 20-Jährigen aus dem Kreis Neuwied. Demnach soll gegen den Mann der Verdacht bestehen, auf Reitturnieren im In- und Ausland allein oder mit weiteren Beteiligten gegen junge Frauen sexuell übergriffig geworden zu sein. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Montagmorgen mit.

Der Behörde zufolge beruhen die Angaben auf der Anzeige einer Person, die allerdings keine eigenen Beobachtungen gemacht hat. Deren Erkenntnisse sollen auf den Wahrnehmungen eines anderen Zeugen beruhen. Um den Sachverhalt zu klären, soll der Zeuge nun zunächst von der Polizei vernommen werden.

Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" hatte über Alkoholexzesse und sexuelle Übergriffe von und durch junge Springreiter berichtet. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hatte daraufhin Probleme im Nachwuchsbereich eingeräumt. Von einem generellen Phänomen in der jüngeren Generation der Reiter wollte sie nichts wissen. „Wir haben eine Gruppe von jungen Aktiven, die definitiv hier ein Problem hat“, sagte Generalsekretär Soenke Lauterbach. „Wir wollen und werden es nicht zu einem massiven Problem werden lassen.“

Vorwurf: Mädchen sexuell bedrängt

Dem Bericht zufolge sollen stark alkoholisierte junge Reiter junge Mädchen sexuell bedrängt haben. „Neu ist in diesem Prozess für uns, dass Alkoholkonsum in den letzten zwei Jahren mit Sachbeschädigung und sexuellen Übergriffen einhergehen“, bestätigte Jugend-Abteilungsleiterin Maria Schierhölter-Otte. „Das ist eine neue Dimension.“

Die im „Spiegel“ aufgeführten Fälle kursieren schon länger in der Reiterszene. „Dass wir uns mit dem Thema sexualisierter Gewalt beschäftigen müssen, geht mir persönlich als Vater und auch all meinen Kolleginnen und Kollegen an die Nieren“, sagte Lauterbach. Umso wichtiger sei es, Fälle aufzudecken. Doch das ist schwierig, wie FN-Justiziarin Constanze Winter eingestand: „Ein Gespräch an der Bar reicht uns nicht“, sagte sie. „Ohne Aussagen können wir rechtlich kein Verfahren führen. Es braucht Täter und Opfer.“

Ein junger Reiter wurde nach den Vorwürfen zu einer 18-monatigen Wettkampfsperre durch das FN-Sportgericht verurteilt, wie die Reiterliche Vereinigung bestätigte. Der betroffene Reiter bestreitet die Vorwürfe und legte Widerspruch beim Großen Schiedsgericht des Verbandes ein. Die Entscheidung steht noch aus. Die Sperre ist daher noch nicht rechtskräftig. Die ausgesprochene Kader-Suspendierung hingegen schon.

Problem schon länger bekannt

Dass der junge Reiter während der laufenden Ermittlungen von Bundestrainer Otto Becker für Turniere nominiert wurde, begründete Generalsekretär Lauterbach mit der „Unschuldsvermutung“, die auch im Sportrecht gelte. Seit dem erstinstanzlichen Urteil wird der Betroffene aber nicht mehr eingesetzt.

Dass der Verband mit seinen jungen Reitern Probleme hat, ist ihm schon länger bewusst. „Wir können aus vollem Herzen und mit Überzeugung sagen, dass wir sexuellen Übergriffen den Kampf angesagt haben - ebenso wie übermäßigem Konsum von Alkohol“, meinte Lauterbach.

Er verweist auf die zahlreichen Initiativen, die die FN ergriffen hat und weiter plant. Seit 2011 arbeitet die Reiterliche Vereinigung auch mit dem Verein Zartbitter zusammen, der sich für junge Menschen einsetzt, die Opfer sexueller Gewalt werden.

Präventionsmaßnahmen seit einigen Jahren

„Wir betreiben schon seit einigen Jahren Präventionsmaßnahmen, insgesamt gegenüber sexualisierter Gewalt. Jetzt kommt noch Alkoholprävention in einer neuen Dimension hinzu“, beschrieb Lauterbach die neuen Herausforderungen. „Wir beginnen mit Schulung, Sensibilisierung, Aufklärung unserer jungen Bundeskader-Athleten und ihrer Eltern.“

Gerade die Eltern sieht Jugend-Abteilungsleiterin Schierhölter-Otte in der Pflicht. Ohne sie käme der Verband nicht weiter. Doch von vielen der Erziehungsberechtigten höre sie: „Ihr da vom Verband in Warendorf braucht nicht unsere Kinder zu erziehen. Wir wissen selber, was gut ist und was nicht“, berichtete sie.

Wenn dann diese Eltern den Alkohol in ihren Lkws mitbringen zu den deutschen Jugend-Meisterschaften, „was sollen wir dann machen?“, fragte sie fast resignierend. „Das ist eine neue Generation von Eltern, die das ganz anders sehen als die meisten von uns.“ (mit Material von dpa)

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