Ausstellung im Willy-Brandt-Forum

Eine neue Dimension

Maler und Schöpfer der Kunstaktion "Anatomie des Aufrechten Ganges": Klaus Hopf.

Maler und Schöpfer der Kunstaktion "Anatomie des Aufrechten Ganges": Klaus Hopf.

UNKEL. Der Kultursommer Rheinland-Pfalz steht unter dem Motto "Helden und Legenden". Aufgegriffen wird dieses Motto auch vom Willy-Brandt-Forum in Unkel. "Ich habe dieses Motto sofort als Einladung verstanden, unseren Helden, Willy Brandt, neu zu befragen", sagte der Vorsitzende des Forums, Christoph Charlier, bei der Eröffnung des Kunstprojekts "Anatomie des Aufrechten Gangs".

Mit dem Projekt "Willy Brandt - Träumer und Realist" geht das Forum auf Spurensuche, auf die Suche nach den Gründen und Begründungen für das Charisma Willy Brandts, für den fortlebenden Mythos.

Dafür hat der Künstler Klaus Hopf aus Nieder-Olm die geweißten Wände des leer geräumten Multifunktionsraums mit seinen Bildern umgestaltet. Der 1961 in Plauen geborene Maler hat temporäre künstlerische Umgestaltungen vorgenommen und den Multifunktionsraum mit figürlichen Darstellungen in bunte Farbe getaucht. Der für Wechselausstellungen vorgesehene Raum erhält eine neue Dimension dadurch, dass die Bemalung der Leinwände auf Wänden und Boden des Raums fortgesetzt wird.

"Der Begriff Helden ist eigentlich verbraucht. Wuchtige Ehrenmale und kritiklose Heldenverehrung passen nicht zu einer demokratischen Erinnerungskultur", sagte Charlier. Er begrüßte den Maler Klaus Hopf und dessen Freund und Laudator, den Wormser Künstler Norbert Illig.

Hopf, ehemaliger DDR-Bürger aus Plauen, ist der Auffassung: "Zum Helden wird man gemacht und zum Heldentum gehören das Brüchige und das Aufrechte!" Die SED-Diktatur hatte Hopf zu knebeln versucht, nachdem dieser aus Gewissensgründen die Ausbildung zum Kampfpiloten in der NVA abgebrochen hatte. "In dieser Zeit begann ein neues, härteres Training des schmerzhaften und wunderbaren aufrechten Gangs", zitiert Charlier den Schriftsteller Volker Braun.

"Helden fallen aus dem Rahmen, machen etwas außerhalb des Gewohnten, schaffen neue Räume", sagte Illig. Gerahmt sind die Leinwände seines Freundes Klaus Hopf nicht, er zeigt in kräftigen Farben gemalte Akteure. Titel der Darstellungen sind etwa "Heilsbringer", "Moralische Instanz" oder "Verführte".

"Nehmen Sie sich Zeit und lassen Sie sich auf die Helden ein", forderte Illig seine "aufrechtgehenden Mitmenschen" auf. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zur Finissage am Sonntag, 5. Juli. "In einem ausführlichen Gespräch mit Klaus Hopf werden wir am 5. Juli hier ab 11 Uhr Bilanz ziehen", erklärte Charlier, bevor der Künstler die zurückliegenden zwei Wochen Revue passieren ließ. "Es ist ein sehr schönes Projekt, für das ich hier nicht nur ideale Arbeitsbedingungen, sondern auch ein sehr waches Umfeld gefunden habe", sagte Hopf. ga/khd

Willy-Brandt-Forum, Willy-Brandt-Platz 5 in Unkel. Dienstag bis Samstag 10 bis 18 Uhr; Sonn- und Feiertage 11 bis 18 Uhr.