Anlagen auf dem Asberg

Der Verein Hinterheide mobilisiert Windhagener Bürger

Hat nichts gegen Windräder. Nur auf dem Asberg (im Hintergrund) möchte er sie nicht sehen: Roland Kohler.

08.03.2013 UNKEL. Eines ist Roland Kohler ganz wichtig: "Wir sind keine Gegner der Energiewende und des Ausbaus von Windkraftanlagen." Aber das ist wohl das einzige, was den Vorsitzenden des Vereins Hinterheide mit den für den geplanten Windpark Asberg Verantwortlichen der Verbandsgemeinde Unkel eint.

Denn eben diese geplanten Windräder, acht bis 18 Stück an der Zahl, lehnt der Diplom-Holzwirt und Grünen-Politiker kategorisch ab. Sein Urteil: "Die Planung ist viel zu löchrig, weil der Verbandsgemeinde Unkel die Zeit davonläuft." 2014 möchte diese fertig sein, da für den von den Anlagen gelieferten Strom ab dem Jahr 2015 niedrigere Einspeisevergütungen gezahlt werden, vermutet Kohler.

Um auf das Projekt aufmerksam zu machen und Druck zu erzeugen, hat Kohler den Verein Hinterheide wiederbelebt, der sich 2003 gegründet hatte und zunächst gegen Gewerbegebiete mobil machte. 15 Mitglieder hat Hinterheide derzeit noch, doch auf einer CDU-Veranstaltung, die über den Windpark informierte, waren zuletzt mehr als 100 Interessierte Bürger zu Gast. In Windhagen hat sich ein parteiübergreifender Widerstand gegen das Projekt gebildet, zu deren Sprachrohr sich der Verein entwickelt.

Roland Kohler hat bereits an Karsten Fehr, den Bürgermeister der klammen Verbandsgemeinde Unkel, geschrieben und seine umfassende Kritik vorgetragen. Er sieht in dem Vorhaben "einzig und allein die wirtschaftliche Ausbeutung des Waldgebietes". Zudem müsse ein solches Großprojekt, noch dazu in einer derart konfliktreichen Lage, minutiös geplant werden. Dazu fehle es den Räten, die letztlich entscheiden, aber an der nötigen Kompetenz. Somit sieht Kohler die Verbandsgemeinde samt der Bürgerinitiative "Uwe" am Tropf des Betreibers, der EVM (Energieversorgung Mittelrhein).

Das Hauptproblem sieht Kohler in der Argumentation der Windkraft-Freunde aus der Nachbargemeinde: "Es wird versucht, den Leuten mit euphemistischen Ausdrücken zu suggerieren, dass die Natur im Bereich des geplanten Windparks so gut wie am Ende ist." In einer Art Salamitaktik werde jedes Schutzziel - sei es Pflanzenwelt, Tierwelt, Funktion als Naherholungsgebiet oder ähnliches - teils durch unzulängliche Gutachten, abgeschwächt, bis nicht mehr viel Schützenswertes übrigbleibe.

Der Verein Hinterheide fordert daher, dass nicht zu jedem einzelnen Aspekt Gutachten eingeholt werden dürfen, sondern die Summe aller Vorzüge des Lebensraumes im Planungsgebiet betrachtet werden müsse. "Die hervorragenden Qualitäten dieses Raumes übersteigen zusammengenommen bei Weitem den zu erwartenden Nutzen der Windkraftanlagen."

Für Unverständnis sorgt in diesem Zusammenhang auch das Vorgehen des Landes Rheinland-Pfalz, das den Kommunen Planungsfreiheit bei Projekten wie Windkraft lässt. Die Folgen hatte vor einer Woche auch schon Rhein-Sieg-Kreis-Landrat Frithjof Kühn erläutert.

Durch das Fehlen einer systematischen, regionalen Planung "macht jeder, was er will". Der Verein Hinterheide wirft der Verbandsgemeinde Unkel nun vor, diese Planungsfreiheit "weit überschritten und verantwortungslos in das Lebensumfeld seiner Nachbarn eingegriffen" zu haben. Biotope, Naturschutzflächen und das Landschaftsbild würden großflächig ignoriert und überplant. Dadurch würde der positive Effekt der Windkraft konterkariert, weil ihr die Nachhaltigkeit fehle.

Folgerichtig richtet Kohler eine unmissverständliche Forderung an die Verbandsgemeinde Unkel, nämlich "die Planungsabsichten unverzüglich aufzugeben und sich nicht weiter in die Abhängigkeit von Wirtschaftsunternehmen zu begeben". Einzig: Die Verträge sind bereits unterschrieben. (Moritz Rosenkranz)