Vortrag im Willy-Brandt-Forum Unkel

Das besondere Verhältnis zwischen Brandt und Schmidt

Im Willy-Brandt-Forum stellte der Historiker Meik Woyke (rechts) das Buch „Willy Brandt/Helmut Schmidt – Partner und Rivalen“ vor. Durch das Forum geführt wurde er von Christoph Charlier.

Im Willy-Brandt-Forum stellte der Historiker Meik Woyke (rechts) das Buch „Willy Brandt/Helmut Schmidt – Partner und Rivalen“ vor. Durch das Forum geführt wurde er von Christoph Charlier.

UNKEL. Der Historiker Meik Woyke zeichnete anhand von Briefen das besondere Verhältnis zwischen Willy Brandt und Helmut Schmidt nach. Im Willy-Brandt-Forum in Unkel stellte er seine Erkenntnisse vor.

Über das komplizierte Verhältnis von Willy Brandt und Helmut Schmidt, die als Bundeskanzler von 1969 bis 1982 13 Jahre sozial-liberale Politik maßgeblich geprägt haben, ist viel geschrieben worden.

Ende 2015 erschien das Buch „Willy Brandt/Helmut Schmidt, Partner und Rivalen“, in dem der Historiker Meik Woyke, erstmals 717 Briefe, die sich die beiden großen Sozialdemokraten in der Jahren 1958 bis 1992 geschrieben haben, chronologisch veröffentlicht hat. Jetzt stellte der Referatsleiter „Public History“ im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung (FEB) das 1100 Seiten starke Buch im Willy-Brandt-Forum (WBF) Unkel vor.

„Das Buch gibt ganz neue Einblicke in die Beziehung der Staatsmänner. Zunächst waren sie starke Partner im politischen Raum, später entwickelten sie sich zu Rivalen“, so der WBF-Vorsitzende Christoph Charlier. „Ich habe das Gemeinschaftsprojekt der FES und der Bundeskanzler Willy-Brandt-Stiftung 2009 Helmut Schmidt vorgestellt, der darauf bestanden hat, dass die gesamte auffindbare Korrespondenz veröffentlicht wird“, so Woyke.

Fündig geworden sei er vor allem im FES-Archiv, in Schmidts Privatarchiv, aber auch im Nachlass von Egon Bahr und Horst Ehmke. Die große Anzahl der Briefe, 419 alleine von Schmidt, zeuge von dem engen Verhältnis der beiden, von einer „Partnerschaft, deren Höhen und Tiefen in der wechselseitigen Korrespondenz facettenreich zum Ausdruck kommen“, so Woyke.

Zunächst habe Helmut Schmidt versucht, Partner von Willy Brandt zu werden. „Bei dem SPD-Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 1961 brachte er sich als Verteidigungsminister des SPD-Schattenkabinetts ins Gespräch“, so Woyke. Das Verhältnis änderte sich grundlegend nach Brandts Rücktritt 1974. Als Schmidt im März 1976 dem Parteivorsitzenden Brandt den katastrophalen Zustand der SPD vorwarf, erwiderte dieser „Für die Rolle des Sündenbocks stehe ich nicht zur Verfügung“, und wies auf die Wahl 1972 hin, bei der die SPD stärkste Partei geworden war.

Über die Verschlechterung des Verhältnisses Ende der 70er Jahre – vor allem wegen des Nato-Doppelschlusses – schlug Woyke den Bogen zu einem versöhnlichen Brief Schmidts aus Dezember 1988. „Ich finde, dass wir nicht nur jeder auf seine Weise, sondern auch miteinander manches zu bewirken vermochten, was unserer Partei voranhalf“, zitierte er Brandts Antwort.

„Willy Brandt/Helmut Schmidt, Partner und Rivalen“, 39,90 Euro, ist im Dietz-Verlag erschienen.