Willy-Brandt-Forum Unkel

Bürgerstiftung zeigt Bilder-Zyklus des jüdischen Künstlers Arie Ogen

Betrachten die Bilder Arie Ogens (v.l.): Rudolf Rupperath, Klaus-Henning Rosen und Gottfried Herkenrat.

UNKEL. Bilder "einer verlorenen Welt" sind zurzeit im Willy-Brandt Forum zu sehen. Dem Stiftungsvorsitzenden Klaus-Henning Rosen ist es gelungen, das Alterswerk des bekannten jüdischen Künstlers Arie Ogen nach Unkel zu holen.

Dieser hatte den Zyklus "Das Stetl", zu seiner frühen Heimat in Polen, dem "Verein für Geschichte und Kultur der Juden der Rheinlande" vermacht, dessen zweiter Vorsitzender, Gottfried Herkenrath, in die Arbeiten einführte. Die Tusche- und Rötelzeichnungen des Künstlers, der mit seiner Frau Judith von 1991 bis zu seinem Tod im März 2012 in Bonn lebte, sind im Ausstellungs- und Seminarraum ausgestellt.

"Arie Ogen, der am 5. Dezember 1917 als Leon Feuerman in Galizien nahe Lemberg geboren wurde, kannte das Stetl ganz genau. Seine Heimatstadt Stanislawow (Ukraine), damals noch im Gebiet der österreichisch-ungarischen Monarchie, war typisch für die in der jiddischen Sprache "Stetl" genannten Orte in Osteuropa mit hohem jüdischen Bevölkerungsanteil", erläuterte Herkenrath. Bis 1935 lebte Ogen in dieser jüdischen Welt, dann studierte er bis 1939 an der Mailänder Kunstakademie Architektur und Kunst. 1941 wurde er in die Rote Armee eingezogen

"Arie Ogen hat das Stetl jenseits aller Romantik gezeichnet", hob Herkenrath hervor. Alle seine Arbeiten hätten eine unverkennbare Ausstrahlung, große Wärme und Empathie. Sein Stil sei realistisch und naturalistisch, aber keineswegs neutral. Stets verspüre man Ogens innige Zuneigung zu den Motiven, vor allem zu den Menschen, an die er mit präzisen Strichen und eindringlichen Licht-Schatten-Effekten erinnere.

So sind etwa der "Thora-Schreiber Sofer Stam" zu sehen oder der "Schammes", der Synagogendiener, der zum Wecken mit seinem Hammer an die Fensterläden schlug. Vorgestellt werden auch "Srulik der Gemeindebote" und "Hendzi der Bettler", der von den guten Taten lebt und deshalb an keiner Tür abgewiesen wird. Auch trifft man auf "Jidl mit dem Fidl und Tewje mit dem Bass", auf eine Klezmer-Band sowie auf "Zisie, den Straßensänger und -geiger", Musikanten, die in dem mühsamen Kleinstadt-Alltag für willkommene Abwechslung sorgen.

"Der Stetl-Zyklus ist die Summe des künstlerischen Schaffens Ogens, Ausdruck seiner Identität als jüdischer Mensch, seiner individuellen Erinnerungs- und Gedenkarbeit", so Herkenrath. Mit der Besetzung der Region um Lemberg durch die Wehrmacht 1941 wurde die Stetl-Kultur vor Ort zerstört, nur wenigen der ursprünglich 35 000 Juden gelang die Flucht nach Ungarn und Rumänien. Die Arbeiten von Ogen tragen dazu bei, dass die Erinnerung an das jiddische Leben im Stetl nicht verloren geht.

Die Ausstellung "Das Stetl - Erinnerungen an eine verlorene Welt" ist im Unkeler Willy-Brandt-Forum, Willy-Brandt-Platz 5, bis Sonntag, 24. November, dienstags bis samstags von 10 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr zu besichtigen. Weitere Informationen unter: www.willy-brandt-forum.com