Ausstellung im Studio Royen in Vettelschoß

Alexander Schmid zeigt seine "Kommunikationsmodelle"

Kinetische Skulpturen aus Kunststoff und Draht zeigt Alexander Schmid (l.), hier mit Michael Royen vor der Arbeit „Homo Politicus“.

Kinetische Skulpturen aus Kunststoff und Draht zeigt Alexander Schmid (l.), hier mit Michael Royen vor der Arbeit „Homo Politicus“.

VETTELSCHOSS. Kinetische Skulpturen aus Kunststoff und Draht formt der Künstler Alexander Schmid. Seine Werke zeigt er jetzt bis Juni in der Alten Schule Vettelschoß.

„Für Geld tun wir alles“, erklären die vier auf Hände und Köpfe reduzierten Herren: ein Arzt mit Spritze, ein zackig grüßender General, ein Zigarre rauchender Wirtschaftsboss und ein Politiker. Sie begrüßen die Besucher am Eingang des großen Ausstellungsraums der Alten Schule von Vettelschoß.

Sie gehören zu den „Kommunikationsmodellen“, die der Künstler Alexander Schmid bei seinem Freund aus Kölner Tagen, dem Galeristen und Künstler Michael Royen, seit dem Wochenende mit Unterstützung der Bürgerstiftung des Ortes präsentiert.

„Ursprünglich komme ich von der Performance. Nachdem aber meine Partnerin abgesprungen war, konnte ich die Arbeit mit meinen Ganzkörpermasken alleine nicht mehr stemmen und baue so seit fast 30 Jahren diese kleinen Maschinen, kinetische Skulpturen aus Kunststoff und Draht“, berichtete der gelernte Schriftsetzer und Grafikdesigner.

In einer kombinierten Collage-Schweiß-Technik formt der gebürtige Stuttgarter durch übereinandergelegte Polypropylen-Filzstücke Köpfe, die über hohen Sockeln auf dünnen Stahlstäben ruhen – solange der Ausstellungsbesucher nicht an den Kurbeln dreht oder auf Knöpfe drückt. Tut er dies, dann wirbelt der „Maître de Cuisine“ aus der Reihe „Wichtige Berufe“ plötzlich seine Crêpes aus der Pfanne in die Luft, während die beiden Herren von „Prosit“ aus der Reihe „Zwischenmenschliches“ mit ihren Sektgläser anstoßen.

Spiegelbild einer selbstgefälligen Gesellschaft

„Alexander Schmids minimalistische Arbeiten sind komisch und attraktiv. Weil er verwundert protokolliert, was ihm auffällig ist, bereitet er uns mit seinen Kommunikationsmodellen Freude“, so Royen. Und das, obwohl diese ein Spiegelbild der selbstgefälligen Gesellschaft seien. In Gang gesetzt werden die „Dialogprofile“ vom Betrachter, der seine passiven Rolle aufgibt und zum Dirigenten des sich stets wiederholenden Dialogs wird, einer inszenierten Kausalität.

Wie bei den beiden Köpfen von „Sein und Schein“. Bei dem Intellektuellen mit Brille öffnet sich die Schädeldecke und gibt so den Blick auf ein nur nussgroßes Gehirn frei, während sein Gegenüber die freundlich lächelnde Maske vom Gesicht nimmt und sich als menschliches Ungeheuer zu erkennen gibt. „So zerbrechlich die Arbeiten auch wirken, an Deutlichkeit lassen es die Modelle nun wirklich nicht fehlen.

Schmids Statements sind geradezu gnadenlos“, urteilte der Galerist mit Verweis etwa auf die „Freunde“, die sich, erst einmal in Aktion gebracht, einen Kinnhaken und einen Faustschlag gegen die Schläfe versetzen. „Kommunizieren Sie mit ihrem Nachbarn über das Verhängnis unseres Daseins, setzen Sie fort, was Sie selber mit der Kurbelbewegung in Gang gesetzt haben“, forderte Royen die Vernissagebesucher auf.

Die „Kommuniktionsmodelle“ im Studio Royen in Vettelschoß, Willscheider Weg 2, sind bis 1. Juni samstags, sonntags und donnerstags von 14 bis 17 Uhr zu sehen oder nach Vereinbarung, E-Mail: m.royen@michael-royen.de, Rufnummer 0170/9029454.