Schenkung für Willy-Brandt-Forum Unkel

„Hier gehört er hin“

Kostbare Schenkung (v.l.): Gerhard Hausen, Christoph Charlier, Brigitte Seebacher, Rudolf Rupperath und Ulrich Scheufelen mit dem Brandt-Porträt in Bronze.

Kostbare Schenkung (v.l.): Gerhard Hausen, Christoph Charlier, Brigitte Seebacher, Rudolf Rupperath und Ulrich Scheufelen mit dem Brandt-Porträt in Bronze.

UNKEL. Neuzugang für die Ausstellung des Willy-Brandt-Forums: Der Papierfabrikant und Kunstsammler Ulrich Scheufelen schenkt dem Museum eine Bronzeskulptur des Bildhauers Gerhard Marcks.

Ein Handschlag – und der Rechtsakt der Zustiftung war besiegelt. Sammler Ulrich Scheufelen überließ dem Willy-Brandt-Museum in Unkel ein von Bildhauer Gerhard Marcks geschaffenes Bronzeporträt des einstigen Bundeskanzlers. Scheufelen und Christoph Charlier, der Vorstandsvorsitzende des Willy-Brandt-Forums (WBF), reichten sich bei einer Matinée, bei der die neue Attraktion der Ausstellung im Mittelpunkt stand, die Hände.

Dem Papierfabrikanten aus Lenningen bei Stuttgart und dessen Frau Gisela galt der herzliche Dank „für das wunderbare Geschenk“. Anwesend bei dem offiziellen Akt waren auch Gründungsstifterin Professorin Brigitte Seebacher, der das WBF die meisten Exponate der ständigen Ausstellung verdankt, Geschäftsführer Rudolf Rupperath, Unkels Bürgermeister Gerhard Hausen als Vorsitzender des Kuratoriums und Peter Marcks, ein Verwandter des Künstlers aus Königswinter.

Charlier: „Sie können sich vorstellen, wie groß die Freude war, als wir die Nachricht erhielten, dass das Bronzeporträt 'Willy Brandt 1971' von Gerhard Marcks nach Unkel kommen soll.“ Noch größer aber sei die Überraschung gewesen, als Ulrich Scheufelen dem WBF mitteilte, dass er das Kunstwerk aus seiner Sammlung nicht als Leihgabe, sondern als Geschenk zur Verfügung stelle. "Er ist einer der rar gewordenen Sammler, die ihre Werke Museen überlassen. Eine schönere Belobigung seiner ehrenamtlichen Arbeit kann sich das Willy-Brandt-Forum Unkel nicht vorstellen. Das ist Mäzenatentum reinsten Wassers!“

Scheufelen kaufte das Bronzeporträt in Düsseldorf

In Unkel sind bereits Marcks' Skizzen und eine Vorstudie des Bronzekopfes zu sehen. Neben das Meistermann-Porträt trete jetzt der originale Kopf aus der Hand eines der bedeutendsten deutschen Bildhauer des 20. Jahrhunderts, so der WBF-Vorsitzende. Von der Skulptur gibt es nur zwei Güsse. Ulrich Scheufelen betonte: „Wir freuen uns sehr, dass der Brandt-Kopf nun in Unkel seine endgültige Bleibe gefunden hat.“

In einer Düsseldorfer Galerie habe er diesen einzigen im Handel befindlichen Guss dieses Kopfes gesehen und sofort gekauft. „Ich habe ihn sehr gern nach Unkel gegeben und ihn sehr gern geschenkt. Hier gehört er auch hin.“ Die Persönlichkeit Willy Brandts und seine große internationale Reputation nannte er als Gründe, warum er „Willy Brandt sammelt“.

Scheufelen: „Zum ersten Mal erlebte ich Willy Brandt als Student im Juni 1963 in Berlin mit Kennedy und Adenauer und zum letzten Mal bei der Vereinigungsfeier vor dem Reichstag. So schloss sich auch für mich ein Kreis.“ Brigitte Seebacher zeichnete den verschlungenen Weg des Kopfes nach. Der Unternehmer hatte ihn vor Jahren der permanenten Willy-Brandt-Ausstellung der Bundes-SPD zur Verfügung gestellt. Allerdings: Nach einem Umzug verschwand das Kunstwerk im Personalbereich.

Brigitte Seebacher vermittelte die Zustiftung

Ulrich Scheufelen hatte über ihren Ehemann, Bankmanager Hilmar Kopper, Kontakt zu Brigitte Seebacher. Er bat sie um eine Idee, wo der Brandt-Kopf einen würdigen Platz finden könne. Ihr Vorschlag: das Willy-Brandt-Forum in Unkel. „Wir freuen uns sehr über diesen Zuwachs“, sagte sie nun dankbar. Zu einem Hochgenuss wurde der Vortrag des Kunsthistorikers Reimund Stecker bei der Feierstunde. Er ging der Frage nach, was heute und morgen ein Porträt eines Menschen bewirken kann, dessen Geist und Wirken für seine Gegenwart und für die Zukunft bedeutend waren und sind.

Sein Fazit: „Gerhard Marcks sah die überzeitliche Geistigkeit Willy Brandts in dessen Physiognomie und vermochte, sie Form werden zu lassen.“ Musikalisch begleitet wurde die Feierstunde durch den jungen Solo-Cellisten Julian Bachmann.