Friedensfest in Remagen: Bürger zeigten, dass für braunes Gedankengut kein Platz ist | GA-Bonn

Friedensfest in Remagen

Bürger zeigten, dass für braunes Gedankengut kein Platz ist

REMAGEN.  Verhindern lassen hat sich der sogenannte "Trauermarsch" von Neonazis zur Friedenskapelle "Schwarze Madonna" nicht. Mit dem "Tag der Demokratie" haben zahlreiche Gruppen und Vereine, die Kirchengemeinden und die Remagener Parteien umso nachhaltiger klar gemacht, dass sie ihre Stadt nicht als Plattform für rechte Wirrköpfe missbraucht wissen wollen.
Schilderwald der Remagener Künstler an der Friedenskapelle. Foto: Martin Gausmann

Unter dem Motto "Wir in Remagen für Vielfalt statt Braun" galt es, dem ungebetenen Besuch am Samstag ein deutliches Zeichen für Demokratie und Toleranz entgegenzusetzen. "No racism" war auf einem Transparent, dass gut sichtbar an der Fassade des Rhein-Ahr-Campus' angebracht war, zu lesen.

Und mit einer Größe von sechs Quadratmetern war auch an der Curanum-Residenz mit Position des Seniorenbeirates nicht zu übersehen. Zwei Beispiele, die den Neonazis vor Augen führten, dass sie in Remagen nicht willkommen waren und sind. Wie im Vorjahr hatte das Bündnis Remagen für Frieden und Demokratie die Kapelle nach einem Gottesdienst verhüllt.

Und gleich daneben hatten engagierte Künstler einen aus etwa 60 Schildern bestehenden Protestwald "gepflanzt". "Ganz Remagen sagt: Verschwindet auf Nimmerwiedersehen", "Ich sehe Rot, wenn ich Braun sehe" oder "Auschwitz nie vergessen" lauteten einige der Botschaften.

Von der Caritas und dem Weißen Ring über antifaschistische Gruppen und Initiativen bis hin zum privaten Kindergarten "Kinderhof" hatten gut ein Dutzend Einrichtungen und Organisationen die Josefstraße zur "Info-Meile" umfunktioniert. Schüler des Gymnasiums Nonnenwerth ließen Bürger etwa zehn Fragen aus dem Einbürgerungstest für Ausländer beantworten.

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Und mit dem Ziel, den interreligiösen Dialog zu fördern hatte die islamische Gemeinde Remagen um Güngör Algan zu einem Tag der offenen Tür in die Mosche an der Fährgasse eingeladen. Vom Trommelworkshop bis zum Vortrag über Dietrich Bonhoeffer reichte die Bandbreite der Aktionen.

Geschlossenheit demonstrierte auch die Politik. So waren zur Kundgebung auf dem Marktplatz die Bürgermeister der Rheinstädte, Wolfgang Kroeger (Sinzig) und Bernd Weidenbach (Bad Breisig), ebenso gekommen wie deren Amtskollege aus Bad Neuenahr-Ahrweiler, Guido Orthen, die Landtagsabgeordneten Guido Ernst (CDU) und Marcel Hürter (SPD) sowie Mitglieder des Kreistages, des Remagener Stadt- und Ortsbeirates.

Remagens Bürgermeister Herbert Georgi betonte, dass er stolz sei auf das, was in Remagen von vielen Gruppen in Vorbereitung auf diesen Tag geleistet worden sei. Außerdem sei es sein großer Wunsch gewesen, dass auf dem Marktplatz mehr Menschen seien als am Bahnhof, wo sich zeitgleich etwa 200 Rechtsradikale zu ihrem Demonstrationszug formiert hatten.

Dieses Ziel sei deutlich erreicht worden. Georgi dankte all denjenigen, "die heute unsere Gäste sind und die Botschaft einer Stadt nach außen tragen, die in überwältigender Mehrheit für Freiheit und Demokratie eintritt". Vize-Ministerpräsidentin Eveline Lemke bedankte sich bei den Besuchern, die mit ihrem Erscheinen "ein deutliches Zeichen für Demokratie gesetzt" hätten. Die Mainzer Wirtschaftsministerin verlas zunächst ein Grußwort von Ministerpräsident Kurt Beck, bevor sie an die Opfer des NSU-Terrors erinnerte.

Der "Tag der Demokratie" sei ein Beispiel dafür, wie sich Rechtsextremismus verhindern lasse. "Wir müssen zeigen, dass Rechtsextreme unerwünscht sind und wir müssen uns ihnen couragiert in den Weg stellen", forderte die in Bad Bodendorf heimische Grünen-Politikerin. Staatssekretärin Beate Reich (SPD) aus dem Landesjustizministerium stellte klar, dass Toleranz und Mitmenschlichkeit die Basis jeder Demokratie sind.

"Unsere Nachricht an die Neonazis lautet: Wo Ihr seid, da sind auch wir Demokraten", stellte Landrat Jürgen Pföhler klar und verwies auf die Resolution, mit der der Kreistag "Null Toleranz" gegenüber jedweden rechtsextremistischen Aktivitäten zum Ausdruck gebracht habe. "Kein Stadtteil, kein Dorf, kein Kreis, keine Region, darf den Rechtsextremisten überlassen werden", forderte Pföhler, der überzeugt ist, dass "wir im Kampf gegen rechtsextreme Gesinnungen einen langen Atem brauchen". Denn Hass, Verblendung, Intoleranz und auch Dummheit lasse sich nicht über Nacht beseitigen.

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