Evangelische Kirche Oberwinter

Bachs Weihnachtsoratorium stand auf dem Programm

OBERWINTER.  Für manchen gehört es einfach zur Weihnacht dazu. Deshalb blieb nicht ein Platz frei in der Evangelischen Kirche Oberwinter, als zum zweiten Advent Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium auf dem Programm stand.
Ausdrucksstark erklang das Weihnachtsoratorium in der Oberwinterer Kirche. Foto: Martin Gausmann

Seine Wirkung verfehlte es auch in der Interpretation des Evangelischen Kirchenchors Oberwinter zusammen mit dem Ensemble Camerata instrumentale aus Köln und vier Gesangssolisten nicht: Allein die strahlende Grundtonart D-Dur und dazu der vielfache Einsatz von Pauken- und Trompeten brachten den rund 150 Zuhörern auch diesmal den Glanz der göttlichen Welt näher.

Das Weihnachtsoratorium behandelt das Weihnachtsgeschehen in einer fortlaufenden Folge von Schilderung, Betrachtung und Gebet mit feierlichen Eröffnungs- und Schlusschören sowie erzählenden Rezitativen und innigen Arien der Solisten.

Mit großer Geste geleitete Christian von Essen "ihre" Sänger und die Instrumentalisten wohl durch das berühmteste aller geistlichen Vokalwerke Bachs: von der unmittelbaren Aufforderung an die Gemeinde "Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage" bis zum frommen Lobpreis "Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen".

Mag dem Chor mit seinen knapp 35 Akteuren auch manchmal allein zahlenmäßig ein wenig die gesangliche Fülle gefehlt haben, so machte er Vieles doch wett durch Einsatzfreude und Ausdruckskraft. Besondere Dynamik und Zuversicht verliehen die Sänger etwa den Choral "Ich will dich mit Fleiß bewahren" und besondere Feierlichkeit dem Schlusschoral des zweiten Teils des Oratoriums ("Wir singen dir in deinem Heer").

Energie und Emotion lag im mehrstimmigen Chorgesang, als Frauen und Männer das Lob der Heerscharen der Engel hörbar machten: "Ehre sei Gott in der Höhe, und den Menschen ein Wohlgefallen."

Gerade der zweite Oratoriumsteil mit der Verkündigung der Engel, der Schilderung der Lieblichkeit der Landschaft und der friedvollen Stimmung gefiel. Dabei hatte der Chor in den vergangenen 30 Jahren zwar mehrfach den ersten und dritten Teil aber nie den zweiten Teil aufgeführt, erklärte Christiane von Essen.

Der Grund: "Uns fehlten immer die Oboen." Diesmal waren gleich vier Oboen dabei und sorgten speziell für anheimelnde Momente etwa in der Sinfonia zum Auftakt des zweiten Teils, bei der das Können der Camerata Instrumentale besonders zur Geltung kam.

Die Oboen übernahmen den volkstümlichen, an die Hirten erinnernden Parte, die Flöten und Streicher verliehen himmlische Anklänge. Das Spiel zweier Oboen verlieh aber auch dem Duett von Bassstimme (Frederik Schauhoff) und Sopran (Annika Boos) Qualität.

Von Anfang an hatte sich Tenor Nikolaus Borchert als einfühlsamer Erzähler präsentiert, und für die innigen Momente des leisen Lauschens und zarten Mitfühlens sorgte Julia Husmann mit ihrer warmen Altstimme. Die Solisten trugen vor allem dem lyrischen Charakter des Werks Rechnung, doch am Ende hatten expressive Freude und glaubensstarkes Frohlocken die Oberhand: Es ertönte der wiederholte Chor "Herrscher des Himmels".

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