Factory Outlet Center

Stellvertretende Ministerpräsidentin Lemke bleibt reserviert

GRAFSCHAFT.  Wirkliche Begeisterung ist auf Eveline Lemkes Gesicht nicht zu erkennen, wenn sie auf das geplante Factory Outlet Center (FOC) auf der Grafschaft angesprochen wird. "Mir liegt kein Antrag vor. Deshalb gibt es weder etwas zu entscheiden, noch kann ich derzeit etwas dazu sagen", meinte die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin.
Im Bürgergespräch auf der Grafschaft: Wirtschaftsministerin Eveline Lemke. Foto: Martin Gausmann

Im Ringener Rathaus hatte sich die stellvertretende Ministerpräsidentin zum einen mit Bürgermeister Achim Juchem (CDU) getroffen, zum anderen hatte sie zur Bürgersprechstunde eingeladen.

Was Gewerbeansiedlungen auf der grünen Wiese anbetreffe, so gelte nach wie vor der Grundsatz "Innen vor Außen". Soll heißen: Um einer Verödung der Innenstädte zu vermeiden und die Nahversorgung zu gewährleisten, sollten Ansiedlungen in erster Linie im innerstädtischen Gefüge erfolgen.

Allerdings räumte die Grünen-Politikerin ein: "Natürlich weiß ich, dass sich das Einkaufsverhalten der Menschen in den vergangenen Jahren verändert hat, nicht zuletzt auch durch Käufe im Internet."

Dies dürfe aber nicht dazu führen, dass es keine Versorgung mehr im dörflich strukturierten Raum gebe. Auch sei der Demografiefaktor zu beachten. Lemke: "Es muss alles in das Gesamtbild passen." Ein klares "Nein" zu einem Grafschafter FOC sagte sie nicht. Das war vor einem Jahr noch anders.

Auch im von Rot-Grün regierten NRW zeigt man sich in Sachen Outlet Center etwas aufgeschlossener als in der Vergangenheit. Die Düsseldorfer Regierungspräsidentin Anne Lütkes (Grüne) sieht beispielsweise das Neuentwicklungsprojekt eines Outlet Centers in Remscheid "auf einem guten Weg". Im baden-württembergischen Wertheim unterstützen die Grünen inzwischen im Main-Tauber-Kreis eine geplante Erweiterung des "Wertheim Village".

Juchem ist indes zuversichtlich, dass sein Projekt allen Widerständen zum Trotz langsam aber sicher Gestalt annimmt. Nach Informationen des GA verhandelt der FOC-Investor derzeit über Grundstückskäufe an der Grafschafter Autobahn.

Vermutlich im kommenden Jahr werde man in das Zielabweichungsverfahren gehen und die Änderung des für den Bereich des Innovationspark geltenden Flächennutzungsplanes in Angriff nehmen.

Mit Lemke hat er auch über den Landesentwicklungsplan gesprochen, um beim Thema "Windkraft" ein gutes Stück voran zu kommen. Ein Kompromiss zeichne sich ab, um doch noch die Genehmigung zum Aufstellen der Windräder zu erhalten, berichteten Lemke und Juchem übereinstimmend. Dies jedoch an Stellen, die keine Sichtbeeinträchtigungen und damit keinen Schaden für den Tourismus darstellen würden.

Sie habe insgesamt einen sehr positiven Eindruck von der Gemeinde gewonnen, so die Ministerin abschließend: "Grafschaft hat mit seiner lebendigen Bürgerschaft viel Entwicklungspotenzial." Es handele sich um eine gut aufgestellte Gemeinde mit Zukunft.

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