Prozess vor Bonner Landgericht: Maibachfarm - Das Geständnis ermöglicht die Absprache | GA-Bonn

Prozess vor Bonner Landgericht

Maibachfarm - Das Geständnis ermöglicht die Absprache

BONN.  "Ich habe einen schweren Fehler gemacht und bitte um Entschuldigung." Nachdem ein 60 Jahre alter Landwirt jahrelang bestritten hatte, seine Arbeitgeberin betrogen und Gelder unterschlagen zu haben, legte der Angeklagte von der Grafschaft am Mittwoch vor dem Bonner Landgericht ein volles Geständnis ab.
Der Angeklagte legte am Mittwoch vor dem Bonner Landgericht ein Geständnis ab. Foto: dpa

Am zweiten Verhandlungstag in Sachen Maibachfarm haben die Prozessbeteiligten die Absprache getroffen, dass der nicht vorbestrafte Angeklagte bei einem uneingeschränkten Geständnis mit einer Verurteilung rechnen kann, die nicht höher als zwei Jahre und zehn Monate ausfallen wird. Zudem sollen weitere Ermittlungsverfahren eingestellt werden, sobald das Urteil rechtskräftig ist.

Im Anschluss an diese Verständigung wurde vom Verteidiger eine Erklärung verlesen. Es sei "zutreffend", dass der 60-Jährige als Verwalter eines Weinguts an der Ahr, hinter dem eine vermögende Bonnerin steht, zwischen 2005 und 2009 mit Firmengeldern Grundstücke im Wert von fast 900.000 Euro gekauft habe. Das bayerische Landeskriminalamt hatte herausgefunden, dass die auf 2002 datierte Vollmacht mit einem Stift geschrieben wurde, der erst ab 2007 hergestellt wurde. Die Grundstücke sind inzwischen weitgehend zurück übertragen worden.

Zudem hat der 2009 gefeuerte und inzwischen berufsunfähige Landwirt eingeräumt, sich jahrelang sein Gehalt eigenmächtig erhöht zu haben. Im Tatzeitraum soll er sich knapp 47.000 Euro zusätzlich überwiesen haben. Zudem sei es zur Abrechnung erfundener Traubenlieferungen für das Weingut gekommen. Laut seinem Geständnis hat der 60-Jährige in diesen Fällen etwa 30.000 Euro auf Privatkonten transferiert.

Der Angeklagte sprach davon, dass das "gemeinschaftliche Projekt zunehmend zu meinem eigenen" wurde. Er habe den Betrieb wie seinen eigenen geführt und dabei "14 Stunden pro Tag und mehr" gearbeitet.

Rechenschaft habe er nicht groß ablegen müssen: "Es war bisweilen leichter, 100.000 Euro auszugeben, als acht Tage Urlaub zu bekommen." Nun wird der Prozess, für den zwölf Verhandlungstage geplant waren, vermutlich bereits in der kommenden Woche zu Ende gehen.

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