Bundessteinobstseminar in Ahrweiler: Wissenschaftler berichten über neue Projekte. | GA-Bonn

Bundessteinobstseminar in Ahrweiler

Wissenschaftler berichten über neue Projekte.

Ahrweiler.  Verbraucher entscheiden sich zunehmend für Produkte aus der Region. Was das Obst betrifft, sind sie im Kreis Ahrweiler gut bedient. Das Dienstleistungszentrum (DLR) Rheinpfalz hilft den Betrieben, beim Know-how auf dem neuesten Stand und damit zukunftsfähig zu sein.

Dem Ziel diente auch das Bundessteinobstseminar, das im Jugendgästehaus in Ahrweiler über die Bühne ging. Zum 38. Mal haben sich Experten und Vertreter von Obstbaubetrieben aus ganz Deutschland und den Nachbarländern zum Austausch getroffen. Nachhaltigkeit und schonender Umgang mit der Natur spielten bei den Themen eine deutliche Rolle.

So berichtete Gunter Mattern vom DLR Rheinhessen über "Biodiversität der Obstanlagen". Durch eine gezielte Zusammensetzung des Grassamens für die Kulturen ist es gelungen, mindestens so viele Gräser und Kräuter einzubringen, wie auf Streuobstwiesen vorhanden sind. Jürgen Lorenz vom DLR Rheinpfalz berichtete über die Pflege von Wildbienen. Da Wildbienen nicht erst bei zwölf oder 15 Grad Celsius wie die Honigbienen fliegen, sondern bereits ab sechs Grad, sind sie gerade bei Schlechtwetterperioden zur Blütezeit wichtige Helfer. Viele Plantagen sind mittlerweile mit entsprechenden "Nistkästen" ausgestattet.

Zur Vorbeugung von Milben- und Pilzbefall sollten diese Einrichtungen regelmäßig gesäubert oder erneuert werden, riet Lorenz. Die Wissenschaftler suchen derzeit Wege, den Einsatz der Wildbienen zu optimieren. Auch Hummeln fliegen, wenn es für Honigbienen zu kalt ist. Folglich können Landwirte bei Züchtern Hummelvölker kaufen, die auf den Plantagen heimisch werden. Die Landwirte zeigten sich sehr interessiert an den Projekten.

Probleme mit der Kirschessigfliege waren Schwerpunktthema. Aus Japan und über den Mittelmeerraum sind die winzigen Plagegeister mittlerweile nach Deutschland vorgedrungen, wo bei einem Monitoring im vergangenen Jahr in der Pfalz 100, an der Ahr drei Exemplare gefunden worden sind. Problem ist, dass die Fliegen nicht an faulendes, sondern nur an gesundes Obst gehen und zwar kurz vor der Reife, wenn Pflanzenschutzmittel nicht mehr eingesetzt werden können.

Die Maden schlüpfen nach einem Tag, beschädigen die reifenden Früchte und machen sie ungenießbar. Innerhalb von zwei bis drei Tagen wächst eine neue Fliegengeneration heran. Große Schäden können bei allen Beerenfrüchten, auch bei Holunder und Wein entstehen. Derzeit laufen Versuche, die Population mit Hilfe von Pheromonfallen in Schach zu halten.

Vorgestellt wurde ein neues Verfahren zur Verbesserung der Böden durch Aufbereitung biologischer Masse mit Hilfe von Mikroorganismen, Pilzen, Bakterien als Humus. Der Einsatz ist vor allem bei Neuanlagen sinnvoll.

Als vorbildlich erkannten die Obstanbauer Ausführungen zur Vermarktung von Süßkirschen, über die Tayfun Agar von der türkischen Universität Cukurova Adana berichtete. Das fragile Obst wird unmittelbar nach der Ernte gekühlt und gekühlt bis zum Verbraucher gebracht. Süßkirchen gewinnen auch in der Region an Bedeutung.

Abo-Bestellung

Leserfavoriten

Anzeige

Meistgelesen