Frauenforum des Kreises Ahrweiler: Die weibliche Seite der rechten Szene - nicht grundsätzlich friedfertige Wesen | GA-Bonn

Frauenforum des Kreises Ahrweiler

Die weibliche Seite der rechten Szene - nicht grundsätzlich friedfertige Wesen

BAD NEUENAHR.  Mit der Rolle von Frauen in der rechten Szene setzte sich die jüngste Vortragsveranstaltung des Frauenforums Kreis Ahrweiler auseinander. Im Mehrgenerationenhaus in Bad Neuenahr wurden Täterinnen, Förderinnen und Mitläuferinnen damals und heute näher beleuchtet. "Es war ein Thema, das uns stärker beschäftigt hat, als wir uns das vorher gedacht haben", gab die Vorsitzende Gabriele Hermann-Lersch zu.

Frauen fordern ihren Platz in der rechten Szene ein. Foto: Martin Gausmann

Bei der Beschäftigung mit der Rolle von Frauen im Dritten Reich habe man mehr und mehr festgestellt, dass die These von Margarete Mitscherlich, die Frau sei vom Grunde her ein friedfertiges Wesen, durchaus in Zweifel zu ziehen sei. Es habe damals sehr wohl aktive Unterstützerinnen gegeben sowie eine ganze Reihe von Frauen, die persönlich an Gräueltaten beteiligt gewesen seien.

Der erste Kreisbeigeordnete und CDU-Landtagsabgeordnete Horst Gies stellte in seinem Grußwort fest, Intoleranz, Diffamierung und Fremdenhass zeigten viele Gesichter. Von der legalen Meinungsäußerung in einer Demokratie, in der die Meinungsfreiheit großgeschrieben werde, bis hin zu illegalen Aktivitäten wie der Bildung krimineller Vereinigungen reiche dabei die Spannbreite.

Zunächst widmete sich Anne Pförtner der Frage, wie aus dem unbekannten, unscheinbaren, ungebildeten und unsicheren Adolf Hitler der große "Führer" werden konnte. Es seien Frauen von reichen und einflussreichen Männern gewesen, die ihn schon zu Beginn der 1920er Jahren tatkräftig gefördert hätten.

Sie zählte Helene Bechstein, Elsa Bruckmann und vor allem Winifred Wagner dazu. Vor allem die Frau von Siegfried Wagner habe Hitler in der "Villa Wahnfried" einen Zufluchtsort und Treffpunkt zur Verfügung gestellt. Dr. Susanna Smolenski untersuchte das Wirken der Ärztin Herta Oberheuser, die sich freiwillig als Lagerärztin ins Konzentrationslager Ravensbrück gemeldet habe. Astrid Schobries-Wilhelm forschte anschließend im Leben von Hermine Braunsteiner, die als ausgebildete Krankenschwester im KZ Ravensbrück arbeitete.

Die Diplom-Politologin Frauke Büttner aus Berlin wechselte anschließend in die Neuzeit und beschäftigte sich mit der Rolle von Frauen in der rechten Szene von heute. Das Phänomen Rechtsextremismus ziehe sich durch die gesamte Gesellschaft, inzwischen gebe es die verschiedensten Frauenorganisationen. Seit Ende der 1990er Jahre forderten Frauen und Mädchen innerhalb der extremen Rechten offensiv ihren Platz ein, wusste sie. Frauen seien in allen Bereichen des rechtsextremen Spektrums engagiert, unter anderem als Landesvorsitzende der NPD in Rheinland-Pfalz.

Als Betreiberinnen von Gaststätten und Geschäften, als Herausgeberinnen von Publikationen sowie als Autorinnen und Rednerinnen seien sie ebenfalls aktiv. Sie beteiligten sich sogar an rechtsextreme Gewalt- und Straftaten, wenn auch in deutlich geringerem Umfang.

Als Erzieherinnen oder Lehrerinnen sowie in Elternbeiräten, Mütterkreisen und Sportvereinen engagierten sich rechte Frauen oft unerkannt im Hintergrund und übten Einfluss aus. Das Fazit der Diplom-Politologin: "Es gibt kein einheitliches Frauenbild in der rechtsextremen Szene, aber fest steht: Frauen sind in auch dort präsent und erfüllen die verschiedensten Aufgaben."

Abo-Bestellung

Leserfavoriten

Anzeige

Webcams


Webcams in Bonn und der Region auf einer größeren Karte anzeigen
Folgen Sie uns auf Google+