Jugend- und Kulturbahnhof Bad Breisig: Vier Künstler spielten lustvoll "Rotwein Weinrot" | GA-Bonn

Jugend- und Kulturbahnhof Bad Breisig

Vier Künstler spielten lustvoll "Rotwein Weinrot"

BAD BREISIG.  Weil der Titel "Rotwein Weinrot" zweier Ausstellungen an der Ahr so herrlich berauchend klingt, nutzten ihn wohl Wolfgang Kutzner, Rainer Hess, Tim Hippmann und Anne Stilper nun erneut als Marke für ihre rund 120 neuen Arbeiten im Jugend- und Kulturbahnhof am Rhein. Jedenfalls steckt in der Bad Breisiger Schau drin, was draufsteht: eine Feier des Lebens schlechthin.
Bei der Vernissage im Jugend- und Kulturbahnhof Bad Breisig erheben die vier Künstler Anne Stilper (von links), Tim Hippmann, Rainer Hess und Wolfgang Kutzner die Gläser auf eine gelungene Ausstellung 'Rotwein Weinrot'.
								Foto: Martin Gausmann
Bei der Vernissage im Jugend- und Kulturbahnhof Bad Breisig erheben die vier Künstler Anne Stilper (von links), Tim Hippmann, Rainer Hess und Wolfgang Kutzner die Gläser auf eine gelungene Ausstellung 'Rotwein Weinrot'. Foto: Martin Gausmann

Rot sehen fällt dem Mayschosser Künstler und Weinbauer Hess leicht. Impressionen am Rebhang einsaugend, den Stimmungen in der Natur und dem Widerhall im Seelengrund nachspürend, verwandelt er alles in Farbe und Strukturen und vermalt sogar echten Wein. Wichtiger aber ist bei seinen von Rot dominierten Arbeiten die Bewegung.

Sie bringt zwischen fest und flüssig, konzentriert und raumgreifend, innere und äußere Welten zusammen. Da stocken imaginäre Topografien zu rot-weiß-schwarzen "Weinlandschaften", benebelt ungarischer "Cimbora" einen rosa Dunstraum und löst "Seoul II" auf großer Leinwand ein unaufhörliches Rinnen aus.

Kutzner aus Staffel befeuert die Ausstellung mit glutvoller Farbfeldmalerei, etwa dem spannenden Hochformat "Barrique" oder kühlt die Temperatur durch das von hellen Tönen durchsetzte "Rioja" ab. Daneben befruchten erstmals zwei getrennte Werkgruppen einander: Figuren dringen ins geometrische Gefüge der Farbflächenbilder ein.

In der "Bacchantischen Szene", einer wie mit flüssig Blut gemalten Papierarbeit, geben sich die Protagonisten lustvoll dem Trunke und der Lebensgier hin. Rot-schwarz getuschte Zeichnungen komprimieren dagegen den Überschwang auf wenige gleichwohl poetisch grundierte Linien. Anne Stilper und Tim Hippmann bedienen nostalgische Sehnsucht.

Die Werke entstehen in einem selbstentwickelten Druckverfahren auf beschichteten Holzblöcken. Für die Bild- und Schriftmontagen greift das Design- und Künstlerduo mit seiner Agentur DAC (Design am Chiemsee) ins große Motivreservoir alter Postkarten und gemeinfreien Bildmaterials.

Nicht allein gekonnte Farbregie und geschickt komponierte Text- und Bildelemente überzeugen. Es sind vor allem jene der Versatzstücke-Kombination entspringenden Botschaften, die frappieren und erheitern. Etwa, wenn zum lateinischen Spruch "Aquam foras, vinum intro!" (Wasser raus, Wein rein) des Renaissancemalers Guido Renis moppeliger Bacchusknabe gleichzeitig selbstvergessen trinkt und pieselt.

Die Ausstellung ist bis zur Finissage am 21. Dezember, 20 Uhr, täglich von 14 bis 22 Uhr geöffnet.

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