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Bad Neuenahr
Linke denken über Nutzung des Bundeswehrareals nach
Von Victor Francke
KREISSTADT. Sie machen sich viele Gedanken, die Linken der Kreisstadt, wenn es um die Folgenutzung des spätestens 2014 freiwerdenden Bundeswehrkomplexes an der Heerstraße geht. "Der Bürger soll mitreden und mitentscheiden können", meinte Kreissprecherin Marion Morassi, die zur Gründung einer Bürgerinitiative in den Bad Neuenahrer Bahnhof eingeladen hatte.
Wenngleich auch nur eine Handvoll Interessierter gekommen war, drosselte dies nicht das Engagement der Linken. "Runder Tisch der Ahrtalkaserne" oder "Initiative Ahrtalkaserne in Bürgerhand" möchte man den Zirkel taufen, der sich dann auch gleich schon einige Arbeitsaufträge gab.
Wohnungen für Menschen mit wenig Geld könnten doch auf dem mit fünf riesigen Gebäuden à je fünf Stockwerken ausstaffierten Areal entstehen. Oder ein Studentenwohnheim, ein Kulturzentrum, ein "Bildungsraum", ein Domizil für die "Tafel" oder ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt.
Einigkeit herrschte schnell darüber, dass das Gelände nicht zum Filetstück für Investoren werden dürfe, die dort dann "Feudales" errichten wollten. "Wir wollen auf die Diskussion Einfluss nehmen", erklärte Wolfgang Huste von den Linken. Er zeigte sich sicher: "Aus dem Grundstück und seiner Bebauung kann man was machen." Und: "Wir wollen dabei soziale, ökonomische und ökologische Komponenten berücksichtigen."
Aber zunächst einmal will die von der Linken initiierte Runde in Erfahrung bringen, was denn der Bürger der Kreisstadt will - und zwar mit Hilfe einer Fragebogenaktion. Denkbar sei auch eine Befragung in der Fußgängerzone oder an Haustüren. Klar war den Linken, dass es nicht ganz einfach sein wird, Einfluss geltend zu machen, weil Grundstück und alle Gebäude dem Bund gehören. Und der will nur unter der Maßgabe verkaufen, einen höchstmöglichen Erlös zu erzielen. Die Planungshoheit indes obliegt der Kreisstadt. Sie kann über einen Bebauungsplan festlegen, wie das Areal genutzt werden darf, und vor allem: wie nicht. So steht schon jetzt fest, dass ein Innenstadt-unverträglicher Einzelhandel unerwünscht ist. 3,7 Hektar ist das zur Vermarktung anstehende Gelände groß, 350 Büroräume werden nach dem Auszug der Bundeswehr leer stehen.
Der Abzug der Soldaten biete auch Chancen für neue Entwicklungen, befand im September die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) bei einem Besuch in der Ahrtalkaserne. Für die derzeitigen Büros und weiteren Räumlichkeiten könnte in Bad Neuenahr-Ahrweiler und Umgebung Interesse von Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor zur Nachnutzung bestehen. Nicht zuletzt auf Fachmessen soll das Ensemble angeboten werden. "Wir wollen im Dialog mit allen Beteiligten die Zeit bis zur Freisetzung nutzen, um rasch in die Konversion und die wertschöpfende Flächenumnutzung für Stadt und Umland einzusteigen", sagte Lemke im Sommer.
Ob da noch Raum für die Überlegungen der Linken sein wird, dürfte fraglich sein. Denn immerhin müsste zunächst die Stadt Grundstück und Gebäude kaufen.
Artikel vom 21.12.2012
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