Kommentar

Kommentar - Fader Beigeschmack

Der Fall liegt lange zurück, und doch ist er sehr aktuell. Wenn eine junge Frau darüber klagt, als Kind und Jugendliche von ihren Eltern misshandelt und ständig gedemütigt worden zu sein, und Kindern, die sich heute in ähnlicher Lage befinden wie Tamara C. damals, zuruft "Wehrt Euch! Kämpft für Euer Recht, habt Mut!", dann gibt es nicht nur wegen des traurigen Falles Anna im Siebengebirge einen aktuellen Bezug.

Tamara lebte seinerzeit im Kreis Ahrweiler. Schlimmes hat sie durchgemacht, Schlimmes ist ihr nach eigener Schilderung widerfahren. Das Jugendamt habe ihr nicht geholfen. Stattdessen habe sie jahrelang Prügel von ihren Eltern bezogen, die sie als Zehnjährige morgens um 3 Uhr zum Zeitungsaustragen schickten, das Haus putzen und die Wäsche machen ließen. Hinweisen von Lehrern und Eltern befreundeter Kinder, das Mädchen sei grün und blau geschlagen, sei nicht nachgegangen worden.

Und heute, nach all der schlimmen Zeit, verweigere man ihr in der Ahrweiler Kreisverwaltung gar Akteneinsicht in ihre sie selbst betreffenden Jugendamtsakten. Es geht Tamara nicht um Schuldzuweisungen im Jahre 2012. Das hat sie glaubhaft versichert. Es geht darum, dass sich ein solcher Fall in keinem Jugendamt der Welt mehr wiederholen darf. Auch nicht im Kreis Ahrweiler.

Die Durchsicht der vielen Unterlagen und Akten, sofern sie der Redaktion vorliegen, hinterlässt jedenfalls einen sehr faden Beigeschmack.

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