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Giant Sand in Köln
Wie in einer schummrigen Bar
Von Ronald Krüger
KÖLN. Grenzerfahrungs-Pop: Giant Giant Sand in der Kölner Kantine. Das neue Werk der umbenannten Band "Tucson" klingt deutlich nach Calexico.
Viel los auf der Bühne: Giant Giant Sand in der Kölner Kantine. Foto: Thomas Brill
Howe Gelbs Band Giant Sand ist zurzeit zu einer Wohngemeinschaft aus elf Musikern, einem Tourmanager, einem Busfahrer und einem Baby angewachsen, die aus Kostengründen auf engsten Raum, den ein Nightliner bietet, durch Europa touren. Eine Grenzerfahrung, die man nur mit viel Gelassenheit und Toleranz meistern kann. Ein Grund mehr, um die Band in Giant Giant Sand umzubenennen.
Howe Gelb ist ein Querkopf, der vor dreißig Jahren begann, den sanft einschläfernden Country-Rock mit dem Zerstörungswillen des Punk zu dekonstruieren. In seiner Karriere schuf er ein sehr eigenwilliges Werk, das manchmal selbst eingefleischte Fans den Kopf schütteln ließ.
Unter anderem verlor er mit Joey Burns und John Convertino ehemalige Weggefährten, die als Calexico eine geschmeidigere und massentaugliche alternative Country-Version schufen und eine Weltkarriere starteten. Sie treten zeitnah im September in Köln auf. Das neue Werk von Giant Giant Sand "Tucson" klingt deutlich nach Calexico.
Wenn Jon Villas Mariachi-Trompete durch die Kölner Kantine weht, dann scheint sie mit aufgekratzter Wehmut das amerikanisch-texanischen Grenzland zu durchmessen. Wenn auch vieles nach Calexico klingt, so ist Giant Giant Sand vorbehalten, dem staubigen Countryrock die Kanten und Schrägheiten zu geben, die dem Wohlklang das Besondere und Einzigartige verleihen.
Immer dann, wenn die Wohligkeit wuchernd zu werden droht, durchbricht Gelb sie durch wunderbar schräge Klänge. Am Ende des Konzerts lässt er das Herz erwärmende "We Don't Play Tonight" in ein lautes "Carinito" gleiten.
Die Mariachi-Trompete und die Geigen jubeln voller Lebensfreude. Im zweiten Zugabenteil verwandelt das berückend schöne "Slag Heap" die Kantine in eine schummrige Wüstenbar, in der eine Band eine berückend schöne Musik spielt.
Artikel vom 27.08.2012
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