Viele dicke Zuckerrüben

Zuckerrüben-Ernte im Rhein-Sieg-Kreis

RHEIN-SIEG-KREIS. Die Rübenernte hat begonnen. Die Bauern in der Region haben ihre Anbauflächen angesichts wegfallender Quoten ausgedehnt. Der Landwirtschafts-Verband rechnet mit 80 Tonnen pro Hektar.

Auf einen goldenen Herbst hoffen die Rübenanbauer in der Region. Denn reichlich Sonnenschein könnte jetzt die Photosynthese der Pflanzen ankurbeln, den Zuckergehalt der Rüben steigen lassen – und den Bauern eine Rekordernte bescheren.

Aufgrund guter Wachstumsbedingungen mit ausreichend Niederschlag und Sonne zur rechten Zeit erwarten die Bauern im Rheinland laut dem Rheinischen Landwirtschafts-Verband einen Ertrag von im Schnitt rund 80 Tonnen pro Hektar bei rund 16 Prozent Zuckergehalt. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr, in dem harte Böden aufgrund langer Trockenheit die Ernte erschwerten, fuhren die Bauern teils nur um die 65 Tonnen pro Hektar ein. Allerdings lag der Zuckergehalt da mit 18 Prozent vergleichsweise hoch.

Seit zwei Wochen läuft nun die Kampagne in der Zuckerfabrik Euskirchen: Nach einem genauen Zeitplan werden die Rüben dort angeliefert, damit der Betrieb bis Januar nicht stillsteht. Dabei gelten ab dieser Saison neue Bedingungen. Denn wie berichtet, fällt die bisherige strenge Reglementierung für Produktion und Verkauf von Zucker in der EU zum 1. Oktober weg: So gibt es keine Quoten mehr, die den Anbau begrenzen.

Mehr heimische Rüben sollen verarbeitet werden

„An sich ist das ein guter Umstand, weil wir unternehmerischer entscheiden können“, sagt Johannes Brünker, Landwirt aus Swisttal-Hohn und Mitglied im Beirat des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes. „Sorge bereitet allerdings, dass wir nun den Preisschwankungen des freien Markts ausgesetzt sind.“ Vorher habe ein Richtpreis das abgefedert. „Aber es ist uns gut gelungen, mit den Zuckerunternehmen vernünftige Vereinbarungen zu treffen“, meint Brünker. So könnten die Bauern, die jeweils einen Vertrag mit der Zuckerfabrik schließen, zwischen zwei Modellen wählen: Einem Festpreis oder einem flexiblen Modell, bei dem sie an Chancen, aber auch Risiken beteiligt würden, erklärt Brünker.

Ziel der Industrie sei es nun, ein Mehr an Zucker zu produzieren: Die früheren Importe von Rohzucker sollen zurückgefahren und stattdessen mehr heimische Rüben verarbeitet werden. Entsprechend ist die Anbaufläche in der EU in diesem Jahr nach Angaben des Rheinischen Rübenbauer-Verbands im Vergleich zu 2016 um 17 Prozent gewachsen – in NRW sogar um mehr als 20 Prozent.

Rund 20 Prozent mehr Flächen mit Zuckerrüben seien es auch in seinem Bezirk, sagt Brünker, der Beiratsmitglied für Bonn, den linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis, Brühl, und Wesseling ist. 110 Landwirte seien es, die hier auf rund 1900 Hektar Zuckerrüben anbauen. Auch er selbst habe auf seinem Betrieb in Hohn, den er gemeinsam mit seinem Sohn führt, die Rübenflächen um etwa 20 Prozent auf knapp 30 Hektar ausgedehnt, sagt Brünker.

Risiko beginnt in der Landwirtschaft mit der Aussaat

Auch Kollege Johannes Köhl aus Bornheim-Rösberg hat um 20 Prozent erweitert und baut jetzt auf 30 Hektar Zuckerrüben an. 15 Hektar sind bei ihm bereits gerodet. Einen starken Ertrag von rund 90 Tonnen pro Hektar bei einem Zuckergehalt von 16,5 bis 17 Prozent hat Köhl eingefahren. Die Witterung sei in den vergangenen Wochen gut gewesen, sagt der Landwirt.

Im Sommer habe er seine Felder einmal bewässert, um der Trockenheit gegenzusteuern. Der trockene Frühsommer sei aber insofern gut gewesen, als die Pflanzen tiefe Wurzeln gebildet hätten und so gut an Nährstoffe und Wasser in der Erde herangekommen seien.

Den Wegfall der Quoten will Köhl noch nicht bewerten: „Mal sehen, wie sich das einspielt in den nächsten Jahren“, sagt er. Er habe sich entschieden, seine Ernte komplett nach dem flexiblen Preismodell an die Zuckerfabrik abzugeben. Der Festpreis sei ihm zu niedrig gewesen. Für drei Jahre habe er nun einen entsprechenden Vertrag mit der Zuckerfabrik geschlossen.

Wie viel Geld er pro Tonne bekommt, weiß der Rösberger jetzt allerdings noch nicht: „Das wird noch festgelegt, zumal die alte Regelung ja zum 30. September wegfällt. Insofern ist das für mich erst mal ins Blaue rein“, erklärt Köhl. „Aber das Risiko beginnt in der Landwirtschaft ja schon bei der Aussaat“, gibt er sich gelassen. Immerhin wisse man als Landwirt ja ohnehin nie, wie einem das Wetter mitspiele.