Rheinischer Dialekt

Wredes Wörterbuch zur "kölschen Sproch" wird neu aufgelegt

Köln. Dialektliebhaber freuen sich über die Neuauflage von Wredes Dialektwörterbuch. Das Vorwort dazu schrieb Sprachwissenschaftler Wolfgang Niedecken.

„Wir waren gerade auf Tour, in der Nähe von Reutlingen, als die Anfrage kam“, erinnert sich Wolfgang Niedecken, „ich hab’ sofort zugesagt – es war für mich eine Ehre! Mit dem Wrede befass’ ich mich eigentlich seit den ersten zwei BAP-Alben, der ist mehr als nur ein Nachschlagewerk, man gerät in einen Sog, das ist wie im Internet surfen, nur analog. Man findet darin kölsche Aussprüche, die zu ganz anderen Geschichten führen. Manchmal sind das Sachen, die einen dazu bringen, einen Song zu schreiben.“

1956, als der erste Band von Adam Wredes „Neuer Kölnischer Sprachschatz“ erschien, war Niedecken fünf Jahre alt. 1958 folgten Band zwei und drei des Wörterbuchs, das als „Kölsch-Bibel“ zum Klassiker avancierte. Seit 1956/58 wurde es zwölf weitere Male wieder aufgelegt und schätzungsweise gut 100.000 Mal verkauft.

Nicht nur in Köln, sondern auch in Düsseldorf und Duisburg. Nun ist die 14. Auflage erschienen, in einem kompletten Band, mit einem Vorwort von Niedecken. Darin schreibt er: „Adam Wrede konserviert das Kölsch, wie es damals und zum Teil schon lange davor gesprochen wurde. Er hat die Sprache gleichsam in Bernstein eingefangen.“

Ganz bewusst hat sich der Greven Verlag, in dem auch die Erstauflage erschien, dagegen entschieden, das Standardwerk zu aktualisieren. „Bei Wrede handelt es sich um die subjektive Zusammenfassung eines ganzen Forscherlebens“, sagt dazu Verleger Damian van Melis, „Wissenschaft ist nicht kalt, sondern sie ist menschlich, da gibt es nichts zu optimieren.

Niedecken spricht auch kein lupenreines Kölsch

Das geheime Erfolgsrezept Wredes ist nicht nur seine Wissenschaftlichkeit, der enorme Fleiß, mit dem er sein Wissen über die Sprache der Stadt Köln gesammelt hat, sondern auch die Nähe zu den Menschen und deren Wertschätzung.“ Und überdies, wie es der BAP-Chef in seinem Vorwort formuliert, ist „der Wrede“ „eine Kölner Kulturgeschichte.

Er erzählt Sagen, Anekdoten und Geschichten. So finden sich in dem Kompendium, das mehr als ein Kilo auf die Waage bringt, auf 1148 Seiten nicht nur Worterklärungen von „A“ (womit im Kölschen diverse Gefühlsregungen zum Ausdruck gebracht werden können) bis „zwor“ (die Wahrheit einer Behauptung bekräftigend), sondern auch Verweise auf mystische Orte wie den „Künebätspötz“, einen Brunnen, dem in früherer Zeit Wunderkräfte zugeschrieben wurden.

Oder ein in der kölschen Sagenwelt der einst so wählerischen Griet in den Mund gelegter Satz – „Jan, wä et hätt jewoß!“ („Jan, wer hätte das schon wissen können!“) – galt tatsächlich nicht der Fehlentscheidung, den nun so erfolgreichen Reitergeneral Johann von Werth einst verschmäht zu haben. Sondern er kommt aus dem Umkreis der Kölner Immobilienhändler, die verpasste Geschäfte bei Stammtischgesprächen mit eben jenen Worten quittierten.

Bei aller Begeisterung, eine Einschränkung macht Niedecken aber doch: „Man muss schon angefixt sein – man kann mit dem Wrede kein Kölsch lernen, das kann man sich abschminken.“ Er selbst, bekennt er kritisch, spräche auch kein lupenreines Kölsch: „Mein Vater ist 50 Kilometer rheinaufwärts aufgewachsen, er kam aus Unkel, aus einer Winzerfamilie. Meine Mutter ist in der Südstadt geboren, das hat sich vermischt. Ich war auch sieben Jahre in Rheinbach, im Internat – da sind dann noch einige Knubbel aus der Eifel dazu gekommen.“

Adam Wrede: Neuer kölnischer Sprachschatz. Greven Verlag Köln, 1148 Seiten, 49,90 Euro.