Lichtspielhäuser in der Region

Was im Rhein-Sieg-Kreis zum Kinosterben führte

Die Dollendorfer Lichtspiele waren einst in einem Saal der Bauernschenke untergebracht.

Die Dollendorfer Lichtspiele waren einst in einem Saal der Bauernschenke untergebracht.

Bornheim. Im Kreis gab es früher deutlich mehr Lichtspielhäuser als heute. In Königswinter und Bad Honnef standen sogar gleich mehrere Kinos. Trotz Interessenten wird Bornheim wohl weiterhin ohne eigenen Filmpalast bleiben.

1672 – so viele Kinos gab es laut der Filmförderungsanstalt (FFA) vergangenes Jahr in Deutschland. Allein 269 davon entfielen auf NRW, das damit den zweiten Platz nach Bayern einnahm. Im Rhein-Sieg-Kreis kann sich aber nicht jede Kommune über ein eigenes Kino freuen – zumindest nicht mehr.

In der Königswinterer Altstadt gab es auf der Hauptstraße bis in die 1960er Jahre hinein zwei Kinos. Die meisten Cineasten zog es in die heutige Hauptstraße 405, wo nun eine NKD-Filiale ist. Bereits Ende der 1920er Jahre wurden hier Filme gezeigt. Nach einer Pause übernahm Konrad Lemmerz das Unternehmen und richtete wahrscheinlich 1936 ein „richtiges“ Kino im Saal ein. 1949/50 wurde das Filmtheater komplett neu gebaut: Das Kino hatte nun 400 Plätze. Ende der 1960er Jahre gab Lemmerz das Kino auf und eröffnete an der Hauptstraße die kleineren Drachenfels-Lichtspiele.

Auch im heutigen Königswinterer Hof gab es ab Oktober 1949 ein Lichtspielhaus mit 395 Sitzplätzen. In Oberpleis befand sich bereits im Krieg das Kino im Saal des ehemaligen Post-Mattes-Ecks, das an der Ecke Dollendorfer Straße/Herresbacher Straße gestanden hatte und 1999 abgerissen wurde. Mitte der 1950er Jahre baute Eigentümer Heinrich Bellinghausen, der Post-Mattes-Hein, ein neues Kino mit ansteigendem Boden, gepolsterten Sitzen, gedimmtem Licht und einer Leinwand mit Vorhang. Bis 1987 führte er es selbst. Danach war es noch bis 1992 verpachtet.

In Oberdollendorf waren zur gleichen Zeit Filme in den Dollendorfer Lichtspielen zu sehen. Sie waren in einem Saal der Bauernschenke untergebracht. Im Virtuellen Brückenhofmuseum kann man sich heute Zeitungsanzeigen der Jahre 1957 für Filme wie „Die schöne Müllerin“ anschauen.

Viele ältere Bornheimer erinnern sich

In Bad Honnef gab es zwei Kinos. Das Atrium an der Hauptstraße nahe der Esso-Tankstelle (heute „Herzblut“) wurde 1952 eröffnet und 1978 geschlossen. Es hatte 576 Sitzplätze. Das Capitol an der Ecke Hauptstraße/Bahnhofstraße, wo demnächst eine NKD-Filiale einzieht, gab es bereits ab 1934. Es hatte 280 Sitzplätze. Seine Ära endete 1963.

Viele ältere Bornheimer erinnern sich noch an die verschiedenen Kinos, die es einmal im Vorgebirge gab – etwa an der Königstraße in Bornheim-Ort, in Merten, Roisdorf und Hersel. Das ist aber lange her. Nach Angaben von Bornheims Pressesprecher Christoph Lüttgen hatte es in den vergangenen Jahren tatsächlich zwei Interessenten gegeben, die ein Kino in der Stadt ansiedeln wollten: „Beide Investoren betreiben in Deutschland und in der Region Bonn schon Kinos. Die Konzepte beinhalteten ein Kino mit mehreren Sälen, gastronomische Angebote und regelmäßige Events.“

Allerdings hätten beide Interessenten nach einer detaillierten Wirtschaftlichkeitsberechnung keine hinreichende wirtschaftliche Tragfähigkeit festgestellt, sagt er. „Hauptfaktoren waren das regionale Kundenpotenzial, die schon vorhandenen Kinos in der Region sowie die Erstellungskosten“, führt Lüttgen aus. Die Stadt stehe der Ansiedlung eines Kinos aber grundsätzlich positiv gegenüber.