Genaue Streckenerfassung über das Smartphone

VRS startet Pilotversuch für neues Tarifsystem

Kurze Fahrten vom Siegburger Bahnhof können teuer werden, wenn sie durch viele Tarifzonen führen. Das soll sich mit dem "eTarif" ändern.

Kurze Fahrten vom Siegburger Bahnhof können teuer werden, wenn sie durch viele Tarifzonen führen. Das soll sich mit dem "eTarif" ändern.

Köln/Bonn. Der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) testet eine Alternative zum Tarifzonensystem. Die Idee: Wer den "eTarif" nutzt, zahlt für die tatsächlich gefahrene Strecke.

5,10 Euro kostet das Einzelticket für die Straßenbahnfahrt vom Siegburger Bahnhof bis nach Bonn-Vilich-Müldorf. Grund für den happigen Preis für die nur sechs Kilometer lange Strecke ist das Tarifzonensystem. Künftig könnte die Beispielfahrt durch eine kilometergenaue Erfassung mit 2,40 Euro deutlich günstiger werden.

Der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) testet in einem Pilotversuch die technische Machbarkeit und Kundenakzeptanz eines sogenannten eTarifs, der über das Smartphone abgerechnet wird. Details zu der im Frühjahr beginnenden Testphase teilte VRS-Geschäftsführer Michael Vogel bei der Vorstellung der Jahresbilanz mit.

Das Vorbild für den "eTarif" kommt aus der Schweiz und heißt "Fairtiq". Beim Einsteigen checkt der Fahrgast über die App ein und am Ziel wieder aus. Fairtiq erkennt die gefahrene Strecke. Am Monatsende wird dann abgerechnet. Das System gewährleistet, dass die Summe der Einzelfahrten eines Tages nicht den Preis eines Tagestickets übersteigt. Ob der "eTarif" im Rheinland kommt, wird aber von der Praxistauglichkeit, vor allem von der Netzabdeckung in U-Bahnen und im ländlichen Raum abhängen.

Fünf Monate sind laut Vogel für die technische Probephase eingeplant. Ab 1. Januar 2019 soll der "eTarif" dann mit 1000 Kunden über einen Zeitraum von acht Monaten in einem Feldversuch ausprobiert werden. Grundzüge sind ein Basispreis von 1,50 Euro plus 0,15 Euro je angefangenen Luftlinienkilometer, eine zeitliche Begrenzung je nach Streckenlänge und ein Tagespreislimit von 15 Euro.

Nicht in allen Fällen dürfte das "eTicket" das günstigste sein, vor allem bei langen Fahrten innerhalb einer Tarifzone, „es bietet aber mehr Fairness“ wie in dem eingangs beschriebenen Beispiel, sagte Vogel. Wann es den "eTarif" für alle geben könnte, ist noch offen. „Das werden wir erst nach der Auswertung des Feldversuchs sagen können“, so Vogel.

2017 so viele Fahrten wie noch nie – neun Millionen Euro Plus

Sehen lassen kann sich die Bilanz des VRS auch so. Knapp 552 Millionen Fahrten mit Bus und Bahn wurden 2017 registriert. So viele wie noch nie. Die 28 Verkehrsunternehmen im VRS erwirtschafteten 672,37 Millionen Euro, ein Plus von knapp neun Millionen (1,35 Prozent). Die meisten Fahrten werden mit Zeitfahrausweisen wie Job-, Schüler-, Semester- oder Monatstickets unternommen. 828.000 solcher Abofahrkarten sind im Umlauf, davon allein 215.000 Jobtickets.

Froh ist die Geschäftsleitung des Verkehrsverbundes aber vor allem über den Erfolg des Azubi-Tickets. Dessen Einführung habe den zuvor kontinuierlichen Rückgang beim Verkauf von Tickets im Ausbildungsverkehr ins Gegenteil verkehrt. Während das alte Starterticket wenig flexibel und teuer war, bietet das Azubi-Ticket das gesamte VRS-Netz für 58,40 Euro monatlich – preisstabil bis zum 1. August 2019.

Bei den Einzeltickets hat das Handyticket wohl endgültig den Durchbruch vom Nischen- zum Massenprodukt geschafft, davon ist Vogel jedenfalls überzeugt. Rund 3,1 Millionen Stück wurden 2017 mit dem Smartphone bezahlt, allein 370.000 im Dezember. Die Nutzer scheinen jedenfalls überzeugt davon zu sein. 94 Prozent, so ergab eine Umfrage unter 14.000 Kunden, würden es weiterempfehlen, rund 75 Prozent kaufen ihr Ticket ausschließlich mit dem Handy.