Salatanbau im Rhein-Sieg-Kreis

Unter der Folie reifen die „Baby Leafs“

Salaternte: Bio-Landwirt Heinz Bursch erntet einen grünen Kraus-Salat in seinem Gewächshaus.

Salaternte: Bio-Landwirt Heinz Bursch erntet einen grünen Kraus-Salat in seinem Gewächshaus.

Rhein-Sieg-Kreis. Bei Salaten liegen Mischungen und neue Sorten im Trend. Die Ernte läuft auf vollen Touren. In den Gewächshäusern sind Tausende Salatköpfe herangereift. In Freien beginnt die Ernte Ende April/Anfang Mai.

Zarte rote und grüne Blättchen hält Landwirt Heinz Bursch in den Händen. Vorsichtig zieht der 52-Jährige die einzelnen Blätter des noch ganz jungen Salates aus der Erde. Beim Pflücksalat werden nicht wie beim Kopfsalat oder beim Lollo Rosso ganze Köpfe abgeschnitten, nur einzelne Blätter der verschiedenen Salatsorten kommen in den Verkauf. „Die unterschiedlichen Farben kommen durch die verschiedenen Salatsorten zustande, und diese werden zusammen ausgesät“, erklärt der Waldorfer Bio-Landwirt, der mit Pflücksalat, Batavia, Kopfsalat, Kraussalat, Lollo Rosso und Lollo Bionda die ersten Salatsorten aus seinem Folienhaus a in seinem Hofladen verkauft.

In einer Mischung aus Kompost, Torf und Erde werden die Pflanzen gesetzt und bewässert. Die Sonne erwärmt die Folie, sodass die Salatpflanzen bis zu drei Wochen früher als im Freiland reifen, wo die Ernte etwa Ende April/Anfang Mai beginnt. Neben denselben Sorten wie im Folienhaus gehören darüber hinaus noch Ramonasalat und Rucola dazu. Noch sind die „Köpfchen“ mit Vlies abgedeckt. „Wegen des Frostes“, so Bursch.

14 Tage noch gibt es den gemischten Pflücksalat

Bei Bursch beginnt die Erntezeit nicht erst mit den ersten Sorten aus dem Folienhaus. Seit zwei Jahren bietet der Landwirt mit dem bunten Winter-Frühjahrssalat eine vitaminreiche Variation an. Noch 14 Tage lang verkauft er in seinem Hofladen den gemischten Pflücksalat, in dem außer Winter-Potulac auch kleine Endivien, Sauerampfer, Hirschhornwegerich, Blattsenf und japanischer Pakchoi enthalten sind. Die neue Mischung verkauft sich gut. „Vielleicht könnte man sagen, dass bei jungen Leuten der Mischsalat ein wenig trendy ist.“

Frisch vom Feld verkauft der Hofladen seit einigen Tagen auch jede Menge Rhabarber. Auf rund 1,5 Hektar hat Bursch rund 8500 Pflanzen gesetzt. Zweimal im Jahr trägt eine Staude zwischen zwölf und 15 Stangen. Im Januar und Februar wurden die Pflanzen noch mit Folie abgedeckt. Die ersten Sonnenstrahlen ließen die Blätter austreiben. Vier Wochen später können nun die Stauden abgeschnitten werden. „Rhabarber ist eine sehr robuste Pflanze, gut geeignet für den humushaltigen Boden der Region“, so Bursch.

Beim Gemüsehof Steiger (Waldorf) wurden die ersten 2000 Köpfe an Kraussalat, Kopfsalat und Raisa Salat schon Anfang April im Gewächshaus geerntet. Ganz neu im Sortiment ist die Sorte „Baby Leaf“. „Man erntet die ganz jungen Blätter. Der Salat ist sehr geschmackvoll“, so Karl-Heinz Steiger. Beim „Baby Leaf“ werden sechs bis sieben verschiedene Salatsorten zusammengepflanzt, zur selben Zeit geerntet und gemischt. „Diese Art Mixsalat ist sehr beliebt bei den Kunden. Ab in die Schüssel und fertig. Der Verbraucher, der immer weniger Zeit hat, hat trotzdem etwas Frisches“, erklärt Steiger die wachsende Nachfrage.

Wegen niedrigen Temperaturen begann dieses Jahr die Ernte später

Bunte Salate wie Lollo Rosso, Lollo Bionda sowie grüner und roter Eichblattsalat kommen beim Gielsdorfer Landwirt Herbert Klein seit Samstag aus den 4000 Quadratmeter großen Folienhäusern. „Diesmal haben wir mit der Ernte später angefangen, da die Temperaturen so kühl waren. Es gab zu wenig Sonne“, erklärt der 49-Jährige. Dieselben Sorten wie in den Folienhäusern wachsen auch auf dem Feld und werden dort mit dem Kopfsalat ab Mai auf der 25 Hektar großen Freilandfläche geschnitten. „Der Absatz beim Kopfsalat bricht immer mehr ein, auch wenn ältere Kunden ihn noch immer gerne kaufen“, schätzt Klein.

Die Verbraucher haben beim Salat ein Ranking. So ist des Kunden Liebling der Eichblattsalat, und zwar erst der grüne und dann der rote, gefolgt vom Kopfsalat, grünen und roten Batavia Salat, verrät Alf Neumann, Betriebsleiter bei Bois Naturkost aus Meckenheim. Mit der Ernte aus dem 500 Quadratmeter großen Folienhaus rechnet Juniorchef Kazim Bois für Ende April, mit der Freilandernte sogar erst für Mitte Mai. Sechs von insgesamt 60 Hektar Ackerfläche sind für Salatpflanzen reserviert.

Das Wetter spielt für den Swisttaler Landwirt Joachim Heinen zurzeit keine große Rolle. Seit 22 Jahren sät der Buschhovener Gerste, Weizen, Raps und Rüben, seit fünf Jahren baut er zudem Johannisbeeren und Kürbisse an. In diesem Jahr erntet er erstmals als zusätzliche Gemüsesorte Rhabarber, „ein Produkt, das in unseren Erntezyklus passt“, erläutert Heinen. Auf drei Hektar hat der 53-Jährige im vergangenen Frühjahr 36 000 Stauden gepflanzt. Heinen: „Die Qualität ist gut, da die Sonneneinstrahlung die Stangen hat reifen lassen. Aber durch die kühlen Temperaturen ist der Absatz geringer. Die Preise sind runtergegangen. Denn die Kunden kaufen bei dem Wetter weniger Rhabarber.“