Erdbeerernte startet

Tunnel heizt den Erdbeeren ein

Die Erdbeerernte kommt auch bei Landwirt Carsten Dahlhausen aus Meckenheim in Fahrt. FOTO: AXEL VOGEL

Die Erdbeerernte kommt auch bei Landwirt Carsten Dahlhausen aus Meckenheim in Fahrt. FOTO: AXEL VOGEL

Rhein-Sieg-Kreis. Zu kalt, kaum Sonne, zu trocken: Die Qualität der ersten Freilanderdbeeren ist durchwachsen. Etwa zwei Wochen später als im Vorjahr starten die Obstbauer mit der Ernte der süßen Früchtchen.

. Die Ernte der ersten Freiland-Erdbeeren hat in der vergangenen Woche begonnen. Damit kommen die saftigen, aromatischen roten Beeren im Rhein-Sieg-Kreis ein bis zwei Wochen später als im vergangenen Jahr vom Feld zu den jeweiligen Verkaufsständen. Grund für die Verspätung der Freilandfrüchte waren die Temperaturen im April: Es war zu kalt und zu trocken, und es gab kaum Sonne. Die Beeren wurden länger als sonst mit Doppel- oder Einfachfolie abgedeckt, die Bienen konnten die Pflanzen nicht genügend bestäuben, sodass die Qualität der ersten Erdbeeren nicht ganz so gut ist. Zwischen zehn und 20 Prozent der roten Früchte sind „verwachsen“. Noch im Feld werden sie aussortiert.

Auch bei Carsten Dahlhausen vom gleichnamigen Obstbau in Meckenheim kommen von den Sorten „Rumba“, „Sonata“ und „Elsanta“ ungefähr zehn Prozent der Tagesernte nicht in den Verkauf. Der 44-Jährige, der seit 2010 Chef des elterlichen Betriebes ist, deckt seine Beeren auch weiterhin nachts mit Vlies ab, um sie vor Raben zu schützen. Auf einem Feld von rund einem Hektar haben zwei rumänische Erntehelferinnen vergangene Woche mit dem Pflücken der ersten Sorte „Rumba“ begonnen, nächste Woche kommen „Elsanta“ und „Sonata“ an die Reihe. „Sollten die Temperaturen in den nächsten Wochen auf bis zu 22 Grad klettern, dann können wir mit den späteren Sorten in 14 Tagen beginnen“, hofft der Meckenheimer. 40 Kilogramm am Tag holt er zurzeit vom Feld, in der Hauptsaison im Juni verkauft er um die 300 Kilogramm täglich. Zur Zeit kostet die Schale mit 500 Gramm drei Euro, nächste Woche sinkt der Preis auf 2,80 Euro. „Bisher haben wir noch relativ wenig gepflückt, da es noch nicht so warm war“, betont Dahlhausen, der seine Beeren im Hofladen und an die örtlichen Bäckereien verkauft.

Unter einer Doppel- beziehungsweise Einfachplane, je nach Sorte, sind die ersten Freilanderdbeeren auch noch bei Landwirt Heinz Gieraths vom gleichnamigen Obstbaubetrieb geschützt. Auch der Meckenheimer Kollege hat „verkrüppelte“ Früchte unter seinen Beeren. Mit rund 20 Prozent machen diese sogar ein Fünftel seiner Tagesernte aus. Auf 30 Hektar wachsen und reifen auf 20 Feldern an der Wormersdorfer und der Flerzheimer Straße die Erdbeeren heran. 18 Helfer füllen derzeit täglich 2000 bis 2500 500-Gramm-Schälchen pro Hektar. Er hofft, dass er die ersten Beeren der Frühsorte „Flair“ ohne Abdeckung an diesem Sonntag oder kommende Woche ernten kann. „Der Regen der letzten Tage war Gold wert. 15 Milligramm pro Tag haben den Boden langsam gewässert. Durch den Regen hat sich das Klima auch verändert. Luft und Boden sind wärmer geworden“, so der Meckenheimer. Er verkauft den Großteil seiner Ernte über den Lebensmitteleinzelhandel an Supermärkte und Discounter, ein Teil wird in die Niederlande und nach Luxemburg geliefert. „Die Ernte ist in den vergangenen 14 Tagen gut angelaufen“, zeigt sich der Landwirt zufrieden.

Mit dem Pflücken der Frühsorten „Clery“, „Flair“ und „Darselect“ hat auch beim Alfterer Landwirt Karlheinz Mandt die Ernte aus dem Freiland begonnen. Bei dem 52-Jährigen wachsen die Pflanzen seit drei Wochen ohne Schutz, da es „auch während der Eisheiligen keinen Frost gab“. Dank der speziellen Versuchssorte „Charlotte“ verlängert sich bei Mandt die Erdbeerernte sogar bis in den Oktober. Auf eineinhalb Hektar erstrecken sich seine Felder am örtlichen Schloss.Rund 100 Kilogramm holen die sechs Erntehelfer täglich vom Feld. 2,50 bis drei Euro zahlen die Kunden zurzeit im Hofladen. „Die Qualität der Erdbeeren ist gut. Der Geschmack aromatisch, auch wenn die Sonne ein wenig gefehlt hat“, findet Mandt.

Im Unterschied zu seinen Kollegen startet der Bornheimer Biobauer Heinz Bursch seine Freilandernte mit der ersten Sorte („Clery“) frühestens nächste Woche. Bei ihm werden erst seit zehn Tagen die Beeren aus dem Tunnel gepflückt. Auf drei Hochdämmen über eine Länge von 180 Metern reifen in Doppelreihen die Sorten „Clery“ und „Malvina“ heran. „Die Früchte brauchen Wärme. Im Tunnel reicht die Sonne aus, um genügend davon zu erzeugen, im Freiland müssen die Temperaturen stimmen“, erklärt der 52-Jährige den verspäteten Start im Freien. Er ist sehr zufrieden mit der Qualität seiner Beeren. Bei ihm weisen sie keine Verwachsungen auf, da die 30 hofeigenen Bienenvölker die Bestäubung sowohl im Freiland als auch bei dem an den Seiten offenen Tunnel übernehmen. 2,95 Euro kostet ein Pfund Erdbeeren bei Bursch, der die Früchte in seinem Hofladen und bei Wochenmärkten in der Köln/Bonner Region verkauft. „Die Erdbeeren werden billiger, wenn es wärmer wird“, steht für den Landwirt fest. 750 Kilogramm werden täglich auf den Feldern gepflückt. Er erwartet eine durchschnittliche Ernte wie letztes Jahr. „Denn es war während der Blütezeit einfach zu kalt.“