Aggressivität, Betrug und Diebstahl

Tinker zeigt in Iserlohn einen Hitlergruß

Düsseldorf/Bonn. Rund 120 irische Wohnwagen-Gespanne und 40 Pkw hielten sich seit Mittwochabend in Hürth auf. Nachdem sie sich freiwillig zurückgezogen hatten, fuhren sie weiter nach Iserlohn und fielen dort negativ auf.

Laut Mitteilung der Polizei bildeten sich im Verlauf des Donnerstagabends - ausgehend vom Abstellort am Seilersee - mehrere Gruppen, die sich teils mit Fahrzeugen, teils zu Fuß in Richtung Iserlohner Innenstadt und dort vor allem in noch geöffnete Kneipen begaben. Die größtenteils alkoholisierten Personen traten dabei teilweise aggressiv auf.

An einer Tankstelle an der Mendener Straße in Iserlohn kam es zu Tankbetrügen und Diebstählen. In der Innenstadt Iserlohns kam es zu einer Sachbeschädigung. Ein 20-jähriger irischer Täter zeigte in Gegenwart von Polizeibeamten einen Hitlergruß. Der 20-Jährige wurde in Gewahrsam genommen und eine Strafanzeige wegen des "Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" vorgelegt.

Bei dem Versuch gegen 0.45 Uhr eines der Fahrzeuge der Landfahrer zu kontrollieren, versuchte sich der Fahrer durch Flucht der Kontrolle zu entziehen. Die Verfolgungsfahrt erstreckte sich über etwa zwei Kilometer. Der irische 22-jährige Fahrer stand unter dem Einfluss von Alkohol. Eine Ordnungswidrigkeitenanzeige und ein Alkoholtest auf der Wache waren die Folge.

Weitergehende Maßnahmen durch Stadt Iserlohn und Polizei werden zur Stunde geprüft. Aber nicht nur in Iserlohn fielen die Landfahrer negativ auf.

Platz in Hürth geräumt

Wie die Polizei dem GA am Donnerstagmorgen bestätigte, hatten sich am Mittwochabend um die 120 Wohnwagen-Gespanne und 40 Pkw der irischen Landfahrer, genannt Tinker, in Hürth-Kalscheuren auf einem Sportplatz aufgehalten. Der Verkehr wurde rund um das Gebiet von der Polizei gesperrt.

Eine Anwohnerin berichtete am Donnerstagmorgen, dass die Tinker am Mittwochabend gegen 21.30 Uhr angekommen seien und bis in die frühen Morgenstunden lautstark feierten.

Stadt, Polizei und Ordnungsamt hatten am Morgen noch das weitere Vorgehen geplant. Das Gelände des ehemaligen Sportplatzes sei von den Tinkern unrechtmäßig annektiert worden, hieß es von der Stadt Hürth. Die rechtlichen Schritte für eine mögliche Räumung durch die Polizei seien zu dem Zeitpunkt bereits eingeleitet worden.

Gegen 12.40 Uhr am Donnerstagmittag hatte die Polizei den campierenden Tinkern über ein Megaphon verkündet, dass der Platz „in 20 Minuten“ geräumt sein muss. Ansonsten wolle die Polizei durchgreifen.

Nach GA-Informationen traten die Tinker dann freiwillig die Weiterreise an. „Now we go to Kevelaer,“ soll es bei den irischen Landreisenden geheißen haben. Auch von Oberhausen sei die Rede gewesen. Kurz vor 13.30 Uhr war der Platz dann tatsächlich geräumt, die Polizei notierte sich die Kennzeichen der Fahrzeuge.

Zurück blieb eine Menge Müll, den die Tinker auf dem Gelände hinterließen. Zur Reinigung des ehemaligen Fußballplatzes kam es am Donnerstag nicht mehr. Der Stadt fehlten die Arbeitskräfte dafür. Am Freitagvormittag solle der Platz dann gesäubert werden, hieß es.

Tinker in Bonn schon mehrmals aufgefallen

In Bonn und der Umgebung sind die Tinker ebenfalls nicht unbekannt. Auch in der Bundesstadt waren sie schon öfter zu Gast. So ließen sie sich im August 2013 für eine mehrtägige Hochzeitsfeier auf dem Landfahrerplatz in Beuel-Vilich nieder. Während ihres Aufenthalts fielen sie im Stadtgebiet Bonn und Beuel wiederholt negativ auf, weil sie Geschwindigkeitsbegrenzungen missachteten und für Ruhestörung sorgten.

Auch im Februar 2016 sorgten die Tinker für Aufsehen, weil sie sich unerlaubt Zutritt zu dem zu dieser Zeit gesperrten Landfahrerplatz verschafften. Sie hinterließen zudem große Mengen Müll auf dem Platz. Im August 2016 gab es eine Prügelei unter Tinkern in einer Gaststätte an der Beueler Straße.

Auf Anfrage teilten die Stadt Bonn und die Bonner Polizei mit, dass ihnen bislang keine Hinweise auf eine Anreise der Tinker nach Bonn vorliegen. Sie stünden in engem Kontakt zueinander und ebenfalls mit den Behörden in Düsseldorf. Die Landfahrer hatten zudem angekündigt, dass sie am 15. August nach Kevelaer zurückkehren wollen. Dann ist Mariä Himmelfahrt, ein wichtiger Feiertag für die Iren.

Hürth ist nicht die erste Station

Zuvor waren bereits Hunderte Tinker in Kevelaer und Düsseldorf unterwegs und teilweise mit einem Großaufgebot der Polizei des Platzes verwiesen worden.

Die Stadt Düsseldorf hatte mit Unterstützung der Polizei Bedingungen gegenüber den Tinkern ausgesprochen, was ihren Aufenthalt betrifft. Demnach durften sie ihre Wohnwagen nur auf festem Boden abstellen. Dadurch waren die Landfahrer gezwungen, ihre Siedlung aufzulösen. Über Nacht durften sie dann aber doch noch bleiben. Wie die Polizei mitteilte, sollten sie sich laut einer städtischen Verordnung bis Dienstagmittag entfernen. Das taten die Tinker auch – als eine Hundertschaft der Polizei eintraf.

Zuvor hatten die Tinker in Kevelaer für Aufruhr gesorgt. Einem Bericht der "Rheinischen Post" zufolge besiedelten sie dort illegal einen Parkplatz an einem Hallenbad. Mehrere irische Paare wollten sich demzufolge in dem berühmten Wallfahrtsort das Ja-Wort geben. Anwohner fühlten sich allerdings durch gefährliche Fahrmanöver und Hunde bedroht. Die Stadt bot den Landfahrern einen Stellplatz an, sie bevorzugten es aber, ihre Reise fortzusetzen.