Kommentar zur Abfallentsorgung im Kreis

System passt nicht mehr

Überteuert: Bei gleichen Abfuhrleistungen zahlt ein Vier-Personen-Haushalt im Rhein-Sieg-Kreis trotz deutlich größerem Müllaufkommen lediglich 21,48 Euro mehr an Müllgebühren pro Jahr als ein Single.

Überteuert: Bei gleichen Abfuhrleistungen zahlt ein Vier-Personen-Haushalt im Rhein-Sieg-Kreis trotz deutlich größerem Müllaufkommen lediglich 21,48 Euro mehr an Müllgebühren pro Jahr als ein Single.

Rhein-Sieg-Kreis. Im Vergleich zu Familien verlangt die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG) überproportional viele Müllgebühren von Singles. Das gilt für die allein stehende Mutter genauso wie für Rentner.

Alleinstehende – gleich ob jung oder alt – schauen oft in die Röhre, wenn es um Kosten geht. Bei Hotelbuchungen oder Pauschalreisen zahlen sie grundsätzlich drauf. Einzelzimmerzuschlag ist da das Zauberwort, das bei Hoteliers und Reiseveranstaltern die Kasse klingeln lässt. Und: Von Gruppen- oder Partnertarifen können Singles nur träumen.

Aber auch das profane Alltagsleben ist für Alleinstehende oft teurer als für Paare und Familien. Das System der Müllgebühren im Rhein-Sieg-Kreis ist ein Beispiel dafür. Wenn beispielsweise eine vierköpfige Familie bei nahezu identischen Leistungen nur unwesentlich mehr zahlt als etwa eine alleinstehende Rentnerin, dann kann am System etwas nicht stimmen.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass das von der Politik vor fast einem Vierteljahrhundert eingeführte Gebührensystem der RSAG, bei dem der Begriff Haushalt die zentrale Größe ist, heute nicht mehr richtig zur gesellschaftlichen Realität passt. Eine dieser Realitäten ist, dass inzwischen fast 40 Prozent aller Haushalte Ein-Personen-Haushalte sind.

Und darunter sind immer mehr alleinstehende Rentner, die im Durchschnitt über ein deutlich geringeres Einkommen verfügen als Paare und Familien. Auch das ist ein Aspekt des demografischen Wandels. Darüber sollten die Politiker im Kreis einmal nachdenken – und handeln.