Zuschauerin enterte Bühne

Stelter äußert sich zum Doppelnamen-Eklat in Köln

„Gehen Sie doch raus ein Kölsch trinken", hatte Bernd Stelter der Dame anfangs zugerufen.

„Gehen Sie doch raus ein Kölsch trinken", hatte Bernd Stelter der Dame anfangs zugerufen.

Köln. Eine Zuschauerin sorgte am Freitag für einen Eklat im Kölner Gürzenich, als sie nach einem Doppelnamen-Witz den Auftritt von Comedian Bernd Stelter störte. Nun äußerte sich Stelter gegenüber dem GA.

Der Gürzenich hat viele große Momente erlebt. Dass aber eine jecke Zuschauerin vom Sicherheitsdienst aus dem Saal gebracht wird, gab es noch nicht. Bei der Aufzeichnung der großen TV-Sitzung am Freitagabend sahen dies Prominente wie Ministerpräsident Armin Laschet, Innenminister Herbert Reul, FC-Vize Toni Schumacher und die Oberbürgermeister von Köln, Bonn und Düsseldorf. Comedian Bernd Stelter hatte mit seiner Rede die Wut einer 57-jährigen Besucherin im rot-weißen Ringelhemd auf sich gezogen. Sie beschwerte sich auf der Bühne über die Auslassungen zum Doppelnamen von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Stelter sagte am Wochenende: „So etwas habe ich in 30 Jahren Karneval noch nicht erlebt.“

Am Montagabend tritt Bernd Stelter bei der Awo-Karnevalsfeier in Bonn-Duisdorf auf. Am Rande der Veranstaltung berichtete er einem GA-Reporter, dass er nach dem Eklat vom Freitag "Hundert E-Mails" bekommen habe, "fast alle von Leuten mit Doppelnamen“. Stelter, der der Zuschauerin ermpfohlen hatte, doch in Weimar zu bleiben, wenn sie den Kölner Karneval nicht verstehe, sagte nun: "Mir ist egal, ob die Leute aus Weimar oder woanders herkommen, aber ein bisschen Humor mitbringen wäre schön." Schließlich beleidige er niemanden: "Ich mache nichts Ehrabschneidendes oder unter der Gürtellinie.“

Es ging schon auf Mitternacht zu in Kölns „guter Stube“, dem Gürzenich. Brings und die Fööss hatten für Stimmung gesorgt, „Sitzungspräsident“ Volker Weininger, Guido Cantz und „Hausmann“ Jürgen Beckers waren als Redner mehr oder weniger gefeiert worden. Dann kam Stelter und holte weit aus, er erinnerte an seine eigene Hochzeit im Kölner Rathaus und wie leidenschaftlich der Standesbeamte vor einem Doppelnamen (Rumpen-Stelter) gewarnt habe. Dann folgte eine längere Abhandlung darüber, wie wohl ausländische Medien den Namen der CDU-Chefin über die Sender bringen würden.

Das muss nicht jedermanns Geschmack sein und auch nicht allen Frauen gefallen. Einer gefiel es überhaupt nicht. Nach den ersten Pfiffen der Besucherin bat Stelter um Ruhe und setzte das Programm fort. Doch die Frau ließ sich nicht beirren, kam plötzlich auf die Bühne, trat ans Mikrofon, um darzulegen, warum sie den Witz als verletzend empfand. Von der Bühne gezerrt werden, musste sie nicht, sie ging zurück ins Publikum und äußerte weiter ihren Unmut. Schließlich verließ Sitzungspräsident Joachim Wüst die Bühne und brachte die Frau mit Sicherheitskräften nach draußen. Wie ihr Mann bekam die Besucherin Hausverbot erteilt. Auch zwei Journalisten, die mit ihr vor der Tür sprechen wollten, durften anfangs nicht in den Gürzenich zurück.

„Es ist sicherlich nicht in unserem Sinne, die Presse bei ihrer Arbeit zu behindern“, sagte Festkomitee-Sprecherin Tanja Holthaus. Der Sicherheitsdienst sei etwas übermotiviert gewesen. Wie Bernd Stelter betonte sie aber, dass es kurzzeitig eine gewisse Unsicherheit gegeben habe, ob eine Gefährdung vorliegt.

Seit Jahren besucht das Paar aus Weimar die Sitzung

Die Frau heißt Gabriele Möller-Hasenbeck und war mit ihrem Mann Michael aus Weimar angereist. „Wir kommen seit Jahren in den Gürzenich. Da fahren wir von so weit her und müssen so etwas hören, dieser Witz hat mich verletzt“, sagte sie dieser Zeitung. „Ich habe selbst einen Doppelnamen und muss das nicht über mich ergehen lassen.“ Sie habe impulsiv reagiert, die Zwischenrufe seien in keiner Weise geplant gewesen.

Bernd Stelter hatte der Dame anfangs zugerufen: „Gehen Sie doch raus ein Kölsch trinken.“ Nachdem das Programm letztlich fortgesetzt werden konnte, sagte Sitzungspräsident Wüst unter Applaus: „Der ganze Saal steht auf für Bernd Stelter.“ Nach der Veranstaltung verteidigte er das Vorgehen gegen die Störerin: „Wenn es ihr nicht gefällt, kann sie ja rausgehen, aber sie kann nicht ihren Geschmack gegenüber 1300 Gästen durchsetzen.“ OB Henriette Reker, sagte zu dem Rauswurf: „Ich hätte erst einmal versucht, mit der Frau zu reden. Man muss auch mit Kritik umgehen.“

Den Zwischenfall konnte auch WDR-Intendant Tom Buhrow aus der Nähe verfolgen. Der WDR schneidet aus der Sitzung vom Mittwoch ein abendfüllendes Programm zusammen, das Rosenmontag ab 20.15 Uhr in der ARD zu sehen sein wird. „Wir werden Anfang der Woche entscheiden, wie wir mit dem Material umgehen“, erklärte eine WDR-Sprecherin.