NSU-Prozess und die Keupstraße

Solidarität mit den Opfern des Anschlags

Mitglieder der Initiative "Keupstraße ist überall" demonstrieren vor dem Oberlandesgericht in München.

Mitglieder der Initiative "Keupstraße ist überall" demonstrieren vor dem Oberlandesgericht in München.

BONN. Für manche der Betroffenen des Nagelbombenattentats sind die Fahrt nach München und der Gang in den Gerichtssaal in diesen Tagen sehr schwere Wege, werden sie doch wieder mit dem schrecklichen Ereignis vom 9. Juni 2004 in der Keupstraße konfrontiert. Doch allein sollen sie sich auf diesen Wegen nicht fühlen, findet die Kölner Initiative "Keupstraße ist überall".

Deshalb haben die Bürger drei Busse gechartert und sind darüber hinaus mit mehreren Privatwagen - mit insgesamt rund 180 Menschen - zum gestrigen Verhandlungstag nach München gereist. In der Initiative versammelt sind neben Betroffenen des Anschlags unter anderem Mitglieder der Geschichtswerkstatt aus dem Kölner Stadtteil Mülheim sowie Geschäftsleute und Nachbarn aus der Keupstraße, aber auch weitere Personen aus der Domstadt und Umgebung.

"Wir wollen die Betroffenen unterstützen und ihnen zeigen: Wir sind da, und wir stärken euch", sagt Timo Glatz, einer der Sprecher der Initiative. Auch heute, morgen und an den beiden Verhandlungstagen in der nächsten Woche wollen mehrere Kölner aus Solidarität in München sein. Am Aktionstag gestern veranstaltete die Initiative eine Kundgebung vor dem Oberlandesgericht, später folgte eine Pressekonferenz und am Abend ein Demonstrationszug durch die Innenstadt, der unter dem Motto "Für eine Gesellschaft ohne Rassismus - Keupstraße ist überall" stand. Rund 1400 Menschen nahmen nach Angaben von Glatz daran teil.

Gemeinsam mit ähnlichen Initiativen, die sich an anderen Tatorten des NSU-Terrors gebildet haben - in Dortmund, Kassel, Rostock und Nürnberg - prangern die Kölner an, dass bei Ermittlungen zu Gewalttaten immer wieder rassistische Gewalt ausgeschlossen worden sei, sagt Glatz. Zusammen bilden die Initiativen aus den verschiedenen Städten inzwischen auch das bundesweite "Aktionsbündnis NSU-Komplex auflösen", um die Aufklärung der Verbrechen des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds voranzutreiben. Laut Glatz setzt sich das Aktionsbündnis dafür ein, dass die Polizei "immer auch den Rassismus als möglichen Tathintergrund erfasst".

Über viele Jahre seien die Opfer Verdächtigungen von Polizei und Behörden ausgesetzt gewesen, sie könnten selbst Urheber der Bombe gewesen sein. Das hätte die Betroffenen sehr belastet.