Entlastung im Nahverkehr

So wird die Taktausweitung der Linie 16 finanziert

Zwei Bahnen der Linie 16 stehen an der Haltestelle in Bornheim-Hersel.

Zwei Bahnen der Linie 16 stehen an der Haltestelle in Bornheim-Hersel.

Rhein-Sieg-Kreis. Die geplante Taktausweitung auf der Linie 16 zwischen Wesseling, Bornheim und Bonn ist auch eine Frage der Finanzierung. Und die ist im ÖPNV kompliziert.

Die Idee, dass die Bahnen der Stadtbahnlinie 16 zwischen Wesseling, Bornheim und Bonn häufiger fahren sollen, ist schon lange in der Welt. Nun steht die Taktverdichtung quasi vor der Tür. Die politischen Gremien des Rhein-Sieg-Kreises, der Stadt Bonn sowie der Stadt Bornheim haben dafür bereits wie berichtet ihr Okay gegeben – und auch in Wesseling könnte nach der politischen Sommerpause ein entsprechender Beschluss getroffen werden. Nicht mehr zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember, wohl aber im kommenden Jahr soll die Linie 16 in den Hauptverkehrszeiten alle zehn Minuten fahren, in den Abendstunden wiederum alle 30 Minuten.

„Die Ausweitung ist erwünscht“, sagt Christoph Groneck, Verkehrsplaner beim Rhein-Sieg-Kreis. Es habe intensive Fahrgasterhebungen und Prognosen zu künftigen Entwicklungen gegeben, erläutert er. „Die Linie 16 ist aber schon heute überlastet.“ Bald soll ein dichterer Takt für Entlastung sorgen. Bis Veränderungen auf einer Nahverkehrslinie allerdings erfolgen, sind neben der eigentlichen Planung auch Berechnungen und Gespräche wegen des Geldes nötig. Denn die Finanzierung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist kompliziert. Das zeigt das Beispiel Linie 16.

Für die Finanzierung eines ÖPNV-Angebots sind grundsätzlich alle zuständig, deren Gebiet es betrifft. Im Fall der Linie 16 sind das die Stadt Köln, die Stadt Bonn, der Rhein-Sieg-Kreis mit der Stadt Bornheim und der Rhein-Erft-Kreis mit der Stadt Wesseling. Der Rhein-Erft-Kreis hat Groneck zufolge die ÖPNV-Finanzierung auf dem Gebiet der Stadt Wesseling komplett an diese delegiert. „Die muss es alleine machen“, sagt er.

Ab 2019 soll die Stadtbahn in den Hauptverkehrszeitenalle zehn Minuten fahren

Im Rhein-Sieg-Kreis wird geteilt. 50 Prozent der Kosten werden laut Groneck über die allgemeine Kreisumlage finanziert, die anderen 50 Prozent über die sogenannte ÖPNV-Umlage, die eine Kommune – im Fall der Linie 16 ist das eben Bornheim – nach Siegburg überweisen muss. Andere an der Linie 16 Beteiligte sind die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) und die Stadtwerke Bonn (SWB), die die Linie mit ihren Fahrzeugen betreiben, sowie die Häfen und Güterverkehr Köln (HGK), die das Streckennetz vom Kölner Süden bis zur Bonner Stadtgrenze unterhält. Mit der KVB waren laut Groneck im Vorfeld intensive Gespräche erforderlich, da das Unternehmen für den Zehn-Minuten-Takt ein zusätzliches Fahrzeug einsetzen muss. Daher habe es mit dem Verkehrsunternehmen längere Debatte wegen der Finanzierung gegeben.

Allerdings sei man an die Satzung des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS) gebunden. Diese besagt, dass die Abrechnung nach einem festen Satz pro gefahrenem Kilometer erfolgt. Bei dem Satz handelt es sich nach Gronecks Angaben um die Durchschnittskosten pro Kilometer aller Stadtbahnlinien. So finanzieren gut funktionierende Linien schlechtlaufende mit.

Die Stadt Bornheim muss für die Taktausweitung auf der Linie 16 rund 96.500 Euro im Jahr mehr an ÖPNV-Umlage an den Kreis bezahlen. Für Wesseling beziffert Groneck die jährlichen Kosten auf rund 158.000 Euro. „Wir brauchen von allen, die anteilig Kilometer bezahlen, die Zustimmung“, sagt er – fügt aber hinzu, dass der Rhein-Sieg-Kreis als ein sogenannter Aufgabenträger für den ÖPNV die kreisangehörige Stadt Bornheim bei einer Entscheidung auch übergehen könnte. „Wir wollen das aber einvernehmlich regeln“, versichert Groneck. Die Linie 16 ist wohl ein Extrembeispiel in Sachen Finanzierung, da viele Städte, Kreise und Verkehrsunternehmen daran beteiligt sind.

Bornheim muss pro Jahr rund 96.500 Euro mehr zahlen

Etwas einfacher sieht es etwa bei Buslinien aus, die nur durch eine Kommune fahren – wie etwa der Bornheimer Berghüpfer. Die neue Kleinbuslinie 745 soll ab 2019 Waldorf, Kardorf, Merten und Walberberg miteinander ver- sowie an die bisher vorhandenen Nahverkehrslinien anbinden. Mit dem Betrieb der Linie hat der Kreis das Verkehrsunternehmen Regionalverkehr Köln (RVK) beauftragt.

Wie Groneck erläutert, werde auch hier kilometergenau abgerechnet, in diesem Fall nach einem Durchschnittssatz aller Buslinien im Kreis. Dieser liegt aktuell bei 1,35 Euro pro Kilometer. Dieser Satz falle immer an. Groneck: „Egal, ob der Bus voll oder leer fährt, ob es sich um einen Gelenk- oder Kleinbus handelt.“ Die Kosten teilen sich der Kreis und die jeweilige Kommune. 45 Prozent werden über die Kreisumlage abgerechnet, 55 Prozent muss Bornheim über die ÖPNV-Umlage entrichten. Letzteres sind rund 54.000 Euro im Jahr.

Wie berichtet, hatten sich verschiedene Bornheimer Politiker bereits vor dem Start der Linie eine Ausweitung der Strecke auf andere Bereiche in Bornheim gewünscht. Laut Groneck ist eine längere Strecke mit mehr als einem Fahrzeug nicht zu machen. „Wir haben so viel reingepackt, wie möglich war.“

Gleich kompliziert ist bei der Stadtbahnlinie 16 und beim Berghüpfer die Abrechnung der Ticketeinnahmen. Das hat damit zu tun, dass man mit einem Ticket im VRS jedes Nahverkehrsangebot nutzen kann – ganz gleich, welches Unternehmen es anbietet. Daher werden die Einnahmen aus sämtlichen Ticketverkäufen zusammengenommen und auf die Unternehmen nach erbrachter Leistung verteilt. „Von der Aufteilung profitierten in der Regel die großen Unternehmen“, sagt André Berbuir, Fachbereichsleiter Verkehr und Mobilität im Referat für Wirtschaftsförderung und Strategische Kreisentwicklung beim Kreis.

Dazu kommt, dass die von den Unternehmen erbrachten Leistungen nur alle paar Jahre erhoben werden. „Wir arbeiten noch mit den Zahlen aus 2009“, sagt Groneck. Gerade findet allerdings eine neue Verkehrserhebung im VRS statt. Da die Ausweitung der Linie 16 und der Berghüpfer allerdings erst im nächsten Jahr kommen, werden sie nicht berücksichtigt.