Hilfe für Flüchtlinge

So helfen die Malteser Flüchtlingen im Rhein-Sieg-Kreis

Rhein-Sieg-Kreis. Malteserteams in Rheinbach und Bornheim helfen Flüchtlingen bei Behördengängen und vermitteln Ausbildungsplätze. Das besondere ist, dass sie selbst einen Migrationshintergrund haben.

Die mobile Flüchtlingsbetreuung ist ein Pilotprojekt der Malteser in Rheinbach, Bornheim und Wesseling. Die Mitarbeiter haben selbst einen Migrationshintergrund und sind bereits vor Jahren nach Deutschland gekommen.

Vor Basel Fallouh liegen zwar noch etliche Stunden an Unterricht, Praxis und Auswendiglernen, doch ein Ziel hat er schon jetzt erreicht. Mit der Ausbildung zum Rettungssanitäter ist der erste Schritt in ein eigenständiges Leben gemacht. Derzeit absolviert der 27-jährige Syrer im Malteser Bildungszentrum in Bonn die viermonatige Ausbildung.

Ermöglicht hat es ihm Moussa Eid vom „Malteser Mobilteam“ in Rheinbach. Die mobile Flüchtlingsbetreuung ist ein Pilotprojekt der Malteser in Rheinbach, Bornheim und Wesseling. Die Mitarbeiter arbeiten als Vermittler zwischen Geflüchteten und den städtischen Sozialämtern. „Wir helfen den Flüchtlingen, in einem fremden Land Fuß zu fassen“, erklärt Eid, der in den 1990er Jahren als Student aus Jordanien nach Deutschland kam und blieb. Er arbeitete lange im Marketingbereich in Berlin und später im Rheinland.

Als immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland strömten, entschloss er sich stattdessen in der Flüchtlingshilfe aktiv zu werden. Während in Bornheim und Wesseling bereits seit drei Jahren zwei Teams unterwegs sind, gibt es die mobile Flüchtlingsbetreuung in Rheinbach erst seit dem Frühjahr.

Eid muss vermitteln, warum Asylanträge nicht bewilligt werden

Gemeinsam mit seiner Kollegin Salwa Noori ist Eid täglich von 9 bis 17 Uhr im Büro in der Sammelunterkunft am Schornbusch anzutreffen. Sie helfen Flüchtlingen bei Behördengängen, Wohnungsbesichtigungen oder Arztbesuchen. Eid kann in vier Sprachen weiterhelfen, seine Kollegin spricht zwei weitere. In Rheinbach betreut das Team etwa 350 Flüchtlinge – in den unterschiedlichsten Phasen. Einige befinden sich noch im Asylverfahren, andere haben bereits eine Arbeitsstelle gefunden.

Eid ist oftmals derjenige, der vermitteln muss, warum ein Asylantrag nicht bewilligt worden ist – keine leichte Aufgabe. „Mein Tag ist stressig – voll mit Freude, aber auch mit Trauma“, sagt der 43-Jährige. Finanziert wird das Angebot in Rheinbach vom Sozialamt der Stadt. In Bornheim besteht das Team derzeit aus drei Mitarbeitern: Mohammed Amine Lyazrhi, Mohsen Ali und Monasadat Khezri. Sie sind für das gesamte Stadtgebiet zuständig und bieten Sprechstunden in der Unterkunft in Waldorf an. Einmal pro Woche sind sie auch in den Unterkünften in Sechtem, Hersel, Widdig, Kardorf und Hemmerich anzutreffen.

„Der Anklang bei den Betreuten, bei den Behörden der Kommune Bornheim, in deren Auftrag wir arbeiten, und bei den anderen lokalen Dienststellen und Ansprechpartnern, mit denen wir zu tun haben, ist durchweg positiv. Alle sind froh, dass es unser Team gibt. Darüber freuen wir uns. Denn es zeigt, dass wir etwas Sinnvolles tun“, sagt Mohammed Amine Lyazrhi. Dass Fallouh einen Ausbildungsplatz gefunden hat, ist auch für Eid ein Erfolgserlebnis, denn es zeigt, dass die Idee des Pilotprojekts aufgeht. Im Januar wird ein weiterer junger Mann aus Rheinbach die Ausbildung beginnen.

„Es gibt kaum ein Aufgabenfeld, in dem man so schnell arbeiten kann“, sagt Bernd Zimmermann, Mitarbeiter des Malteser Bildungszentrums. Und Rettungssanitäter werden dringend gebraucht. Für einen anderen jungen Mann sucht Eid derzeit noch nach einem Ausbildungsplatz im IT-Bereich.

Fallouh macht eine Ausbildung zum Rettungssanitäter

Bis Fallouh als Sanitäter im Rettungswagen unterwegs sein darf, muss er insgesamt 520 Ausbildungsstunden absolvieren: jeweils 160 Stunden Grundlehrgang, Praktikum im Krankenhaus und auf der Rettungswache sowie 40 Stunden Abschlusslehrgang. Die Station auf der Rettungswache soll Fallouh, der derzeit noch in der Flüchtlingsunterkunft in Rheinbach wohnt, ebenfalls in Rheinbach absolvieren. Auch darum kümmert sich Eid.

Die Ausbildungskosten in Höhe von 1400 Euro trägt das Jobcenter Rheinbach. Zunächst wollte der 27-Jährige nur Rettungsdiensthelfer werden, Eid ermutigte ihn, direkt die höhere Ausbildung zu versuchen – mit Erfolg. „Er ist sehr wissbegierig“, sagt Zimmermann.

Schwierig sind für Fallouh vor allem die medizinischen Fachbegriffe. Aber auch dafür hat er einen Trick: Im Unterricht fotografiert er sich die geschriebenen Worte ab, übersetzt sie später zu Hause und lernt diese. „Es ist ein bisschen schwierig, weil alles neu ist“, sagt er.

Beide wollen sich weiterbilden

Wenn er bei einem Begriff nicht weiterkommt, ruft er auch mal Eid an. In Syrien hatte Fallouh ein Studium im Bank- und Finanzsektor absolviert, aber selbst seinen Führerschein muss er derzeit wiederholen, weil dieser nicht anerkannt wird.

Eid prüft genau, wen er für welche Ausbildung vorschlägt. Fallouh begleitete ihn acht Wochen lang als Praktikant auf seinen Fahrten – damit er einen Eindruck von den Sprachkenntnissen und Interessen des 27-Jährigen erhielt. „Ich habe ihn überallhin mitgenommen, damit er die Bürokratie kennenlernt“, erklärt Eid.

Basel Fallouh will sich nach dem Ende seiner Ausbildung noch weiterbilden. Auch Eid hat sich weitere Ziele gesetzt – derzeit mit einem Fernstudium „Interkulturelles Management“.