Rückkehr eines Wildtiers

So erobert der Wolf das Rheinland

Der Wolf kehr allmählich ins Rheinland zurück.

Der Wolf kehr allmählich ins Rheinland zurück.

Bonn. Experten rechnen mit der dauerhaften Rückkehr des Wolfes nach Nordrhein-Westfalen, vier Wolfsnachweise gab es dieses Jahr bereits. Auch durch den Kottenforst dürften die Tiere streifen.

Der Wolf ist zurück. Diese Nachricht ploppte in den Medien erstmals im Jahr 2000 auf und sorgte für Aufsehen. Jetzt gilt auch Nordrhein-Westfalen als Wolf-Erwartungsland. Es wird nicht mehr lange dauern, bis der erste Wolf durch den Kottenforst streift. Davon gehen jedenfalls nahezu alle Wolfsexperten aus.

Bislang waren es nur Stippvisiten. Alleine in diesem Jahr gab es bereits vier Wolfsnachweise in NRW. Aus biologischer Sicht ein großer Erfolg. Die Rückkehr des großen Beutegreifers führt aber auch zu Verunsicherung in Teilen der Bevölkerung und zu Konflikten insbesondere mit Weidetierhaltern.

Bislang handelte es sich in NRW immer um einzelne Tiere, die einmal oder mehrfach nachgewiesen wurden, deren Spur sich dann aber verlor. Territoriale Einzeltiere oder Rudel gibt es nicht. Bis in den Frühsommer 2018 rechnet der Nabu (Naturschutzbund) noch mit weiteren Nachweisen durchziehender Wölfe in NRW. Dann klingen die Wanderungen der Jungwölfe bis zum nächsten Spätherbst/Winter erst einmal wieder ab.

Ist NRW geeignetes Wolfsland?

Zum angemessenen Umgang mit dem Wildtier Wolf in NRW diskutierten jetzt Vertreter aus Politik, Landwirtschaft, Jagd und Schäferei gemeinsam mit dem Nabu NRW und der Nationalparkverwaltung Eifel im Nationalpark-Zentrum Eifel am Internationalen Platz Vogelsang. In der dortigen Dauer-Erlebnisausstellung „Wildnis(t)räume“ wird derzeit die von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW geförderte Wanderausstellung zur Rückkehr des Wolfes nach NRW gezeigt.

Die rund 130 interessierten Besucher folgten aufmerksam den Ausführungen der Podiumsteilnehmer, in denen es unter anderem um die jeweilige Position zur Rückkehr der Wölfe und Handlungsmaßnahmen zur Konfliktvermeidung ging.

In der Fragerunde nahmen viele Bürger unterschiedlicher Interessensgruppen rege Anteil und diskutierten vor allem, ob NRW überhaupt ein geeignetes Wolfsland sei, inwiefern Herdenschutzmaßnahmen auf bestimmte Gebiete und alle Weidetiere anwendbar sind und ob vom Wolf für den Menschen Gefahr ausgeht.

Lernen mit dem Wolf zu leben

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die unterschiedlichen Vertreter in vielen Punkten an einem Strang ziehen und dass es gilt, im Wolfserwartungsland NRW mit dem Wolf leben zu lernen. Kehrt der Wolf zurück, wird unter anderem die extensive Weidetierhaltung als besonders naturverträgliche Form der Landnutzung vor Herausforderungen gestellt. Auch unabhängig von der Wolfsdebatte benötigen Weidetierhalter dringend zukunftsfähige Perspektiven. Eine zusätzliche Belastung, wie sie die Rückkehr des Wolfes darstellen kann, muss nach Ansicht der Experten aufgefangen werden.

„Der Wolf ist eine faszinierende Tierart und wird eine Bereicherung für das Ökosystem im Nationalpark Eifel sein“, sagte Sönke Twietmeyer, Tierforscher und Wolfsberater in der Nationalparkverwaltung Eifel. Man müsse Vorurteile abbauen, gleichzeitig aber auch bestehende Ängste und Unsicherheiten in der Bevölkerung, zum Beispiel bei Nutztierhaltern, ernst nehmen und dürfe diese nicht ausblenden, appellierte er.

Wolf und Schäfer vom Aussterben bedroht

„Die Wölfe werden über das Monitoring des Landes eng beobachtet. Seit Rückkehr der Wölfe nach Deutschland hat es hier keinen einzigen Fall gegeben, in dem sich ein Wolf einem Menschen aggressiv genähert hat. Es ist also weiter kein Problem, sonntags im Wald spazieren zu gehen“, sagte Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW. Dennoch gälte es, die allgemeinen Verhaltensregeln im Umgang mit Wildtieren einzuhalten und Wölfe beispielsweise niemals zu füttern.

„Nicht nur der Wolf, sondern auch der Schäfer ist vom Aussterben bedroht. Die Rückkehr des Wolfes verschärft die Existenzkrise der ökologisch unverzichtbaren Weidetierhaltung. Das Überleben beider hängt vom Willen der Gesellschaft ab, den Erhalt unserer Arten und Landschaften nicht nur zu fordern, sondern auch zu finanzieren“, erklärte Andreas Schenk vom Bundesverband Berufsschäfer.

Keine sesshaften Wolfsrudel in NRW

Auch Franz Weyermann vom Rheinischen Landwirtschaftsverband stimmte dem zu und betonte: „Ohne den schonenden Einsatz von Schafen und Rindern in der Landschaftspflege oder im Vertragsnaturschutz ist erfolgreicher Artenschutz kaum mehr denkbar. Beim Thema Wolf geht es daher um mehr als eine bestimmte Haltungsform von Nutztieren. Akzeptanz für die Zuwanderung des Wolfes wird nur gelingen, wenn wirtschaftliche Nachteile nicht bei den Tierhaltern abgeladen werden.“ Bei der Entschädigung von Nutztierrissen ebenso wie beim Herdenschutz bedürfe es einer Regelung, die die finanzielle Belastung der Tierhalter ohne Einschränkungen ausgleiche.

„Zurzeit gibt es keine sesshaften Wölfe oder Wolfsrudel in NRW. Dennoch bereiten wir uns auf einen solchen Fall vor. Dabei wollen wir die Bewahrung der Weidewirtschaft mit all ihrer kulturhistorisch gewachsenen Artenvielfalt in den Vordergrund stellen“, betonte Peter Schütz vom NRW-Umweltministerium. Deswegen stehe das Ministerium in einem engen Austausch mit den Bundesländern, in denen es bereits jetzt dauerhaft Wölfe gibt, wie zum Beispiel Niedersachsen, Sachsen oder Brandenburg. NRW begrüße daher die Beschlüsse der kürzlich in Potsdam stattgefundenen 89. Umweltministerkonferenz zum Thema Wolf, denn für den Umgang mit dem Wolf benötige man ein bundeseinheitlich abgestimmtes Vorgehen, so Schütz.

„Die Ausbreitung des Wolfes nach Nordwesten wird über kurz oder lang auch eine Besiedlung in NRW einleiten. Damit der Wolf eine Chance in Nordrhein-Westfalen hat, muss seine Akzeptanz bei der Bevölkerung erreicht werden. Dies setzt Akzeptanz, Ehrlichkeit und Offenheit zwischen allen Beteiligten voraus. Die Argumente der ländlichen Bevölkerung müssen ernst genommen werden“, sagte Gregor Klar vom Landesjagdverband NRW. Dies gelte auch für die berechtigten Anliegen der Jägerschaft, natürliche Ressourcen nutzen zu wollen. Der Landesjagdverband wolle dazu seinen Beitrag leisten, so Klar weiter.