Lachende Kölnarena

Riesenkarnevalsparty für Selbstversorger

KÖLN. "Mach doch mal in Köln Karneval!" Als Otto Hofner diesen Satz Anfang der 1960er-Jahre hört, antwortet er spontan: "Das ist doch Blödsinn!" Dem Mann, der zehn Jahre zuvor von München ins Rheinland gezogen ist, wo er Konzerte und Tourneen mit Stars wie Marika Rökk, Zarah Leander und Johannes Heesters veranstaltet, kommt das vor, als hätte man ihm vorgeschlagen, Eulen nach Athen zu tragen. Hängen bleibt die Idee trotzdem.

1963/64 testet Hofner in der Dortmunder Westfalenhalle ein Konzept aus, das sich von allem bisher Dagewesenen unterscheidet. Eine Sitzung mit zwei Orchestern, damit zwischen den Beiträgen keine musikalischen Pausen entstehen, und ohne das ganze Gehabe der etablierten Gesellschaften, das mit seinen Gala-Uniformen, genau festgelegten Ritualen und Ordensverleihungen an eine militärische Übung erinnert. Damals schlug die Geburtsstunde der "Lachenden". Die 1965 erstmals in der Kölner Sporthalle als "Die große Kölner und Dortmunder Prunksitzung" stattfand. Was ab da die "Lachende Sporthalle" hieß und später die "Lachende Kölnarena" geht in diesem Jahr in die 50. Session.

Bis heute ist das, was Hofner einst als "Sitzung für Arbeiter und Akademiker" im Sinn hatte, erfrischend volksnah geblieben. Besucher wie Marita Simonis (58), die seit über 20 Jahren auf keiner "Lachenden" gefehlt hat, schätzen die Riesenkarnevalsparty für Selbstversorger: "Das ist wie eine große Familie!" Session für Session schart Simonis Jecke aus Zülpich, Euskirchen und Düren um sich - mitunter über 100 -, die dafür einen Bus chartern und mitsamt dem Nachwuchs, belegten Brötchen, Frikadellen, "Salätchen", Bier, Sekt und selbstgekochtem Eierlikör in die Domstadt reisen. Denn auch, dass man Essen und Getränke mitbringen darf, anstatt vor Ort dafür viel Geld bezahlen zu müssen, unterscheidet die "Lachende" von allen anderen Karnevalsveranstaltungen.

"Am Anfang sind die etablierten Gesellschaften Sturm gelaufen", sagt Eberhard Bauer-Hofner (71), der Adoptivsohn von Otto Hofner, der dessen Lebenswerk, die "Theater-, Konzert- und Gastspieldirektion Otto Hofner GmbH" fortsetzt, "das war ein großer Kampf. Otto Hofner macht den Sitzungskarneval kaputt, hieß es, der schnappt uns die Spitzenkräfte weg, das, was der macht, ist total kommerziell!" Tatsächlich fanden Hofners "Volkssitzungen" noch bis in die 1970er-Jahre hinein parallel in Köln, Dortmund, Essen, Bochum und Duisburg statt: "Und die Tanzgruppen der Karnevalsgesellschaften durften hier auf Geheiß der Präsidenten nicht auftreten." Inzwischen hat man sich auf eine friedliche Koexistenz geeinigt, wofür die Gastspieldirektion allerdings einen regelmäßigen Obolus ans Festkommitee des Kölner Karnevals entrichtet.

Einer der Künstler der ersten Stunde ist Ludwig Sebus (89), heute ein Urgestein des kölschen Karnevals: "Die ganze Breite des Karnevals unter einem Dach, wo sich jeder so entfalten konnte, wie er wollte, das war damals etwas ganz Neues". "Und es war unglaublich spannend, da in der großen Sporthalle aufzutreten", erinnert sich Jutta Gersten (83), die 1965 zu den Premierenkünstlern zählte. Ursprünglich aus Wuppertal stammend, war die kesse Brünette, die ihre flotten, humoristischen Chansons auf dem Akkordeon begleitete, im Kölner Karneval eine Exotin: "Ich konnte ja noch nicht mal richtig kölsch!" Aber ihre Art, Männer durch den Kakao zu ziehen, sehr charmant, sehr liebenswürdig, aber nie ehrverletzend, kam an. Nicht nur in Köln. Auch bei den "Bonner Stadtsoldaten" in der Beethovenhalle war die Künstlerin, die mit elf Jahren das Akkordeonspiel auf dem Konservatorium erlernte, ein gern gesehener Gast.

In 50 Jahren hat sich viel verändert. Die Gage wird längst nicht mehr "cash en de täsch" hinter den zugezogenen Gardinen des "Beichtstuhl" genannten Kontors ausgezahlt, am Bühneneingang stehen keine Büttenredner mehr und spitzen die Ohren, um zu erfahren, ob ihr Vorgänger ihnen einen Witz geklaut hat, und die Tontechnik - "Früher gab es ja noch keine Verstärker, wir hatten nur unser Mikrofon" (Gersten) - ist auf der Höhe der digitalen Zeit. Anderes hingegen wird immer gleich bleiben. "Wenn du da vor 10 000 Menschen stehst, da merkst du schon, wie dir der Puls geht", sagt Micky Nauber (44), der Sänger der 2006 gegründeten Band "Die Domstürmer" und einer der Vertreter der neuen Generation. "Bei der Lachenden dabei zu sein, das ist die Königsklasse."

Nach wie vor dauert "Die Lachende" satte sechs Stunden, sie garantiert mit Künstlern wie Brings, Bernd Stelter und den Bläck Fööss ein "Best of" der guten Laune, und Marita Simonis kocht noch immer ihren berühmten Eierlikör. Eberhard Bauer-Hofner sieht der ersten Jubiläums-"Lachenden" am 23. Januar mit Freude entgegen. Aber auch mit ein bisschen Herzklopfen. Denn erstmals wird der Chef als Sänger auf der Bühne stehen. Sein Geburtstagslied "50 Johr för Kölle do" haben Micky Nauber (Musik) und Christa Drmota (Text) von der Gastspieldirektion geschrieben. Hier schließt sich, einmal mehr, der Kreis der Generationen.

Lachende Kölnarena 2015

Die "Lachende" feiert in diesem Jahr 50-Jähriges. Termine in der  Jubiläums-Session 2015 sind die folgenden: Freitag, 23. Januar, Samstag, 24. Januar, Freitag, 30. Januar, Samstag, 31. Januar. Donnerstag, 5. Februar, Freitag, 6. Februar, Samstag, 7. Februar, Sonntag, 8. Februar, Mittwoch, 11. Februar, Donnerstag, 12. Februar, Freitag, 13. Februar, Samstag, 14. Februar, Sonntag, 15. Februar.