Durch Video belegt

Rapper Yamin wegen versuchten Mordes in Köln vor Gericht

Das Blaulicht an einem Polizeiauto leuchtet.

Der so genannte Gangsta-Rapper Yamin (27) muss sich seit Donnerstag wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten.

Köln. Der so genannte Gangsta-Rapper Yamin (27) muss sich seit Donnerstag wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Die Tat ist durch ein Video belegt, das eine Überwachungskamera in einem Kiosk im Kölner Stadtteil Zollstock aufgezeichnet hat.

Die Aufnahmen zeigen, wie Yamin mit großer Wucht von hinten mit einem Messer auf Ercan P. (Name geändert) einsticht. Der Rapper stellt sich kurz darauf der Polizei.

Der 37 Jahre alte Mann - mutmaßlich Mitglied der Hells Angels - schwebte nach der Tat im Oktober vergangenen Jahres in Lebensgefahr. Ein Stich in seine Augenbraue traf einen Sehnerv, er kann auf dem linken Auge nichts mehr sehen. Im Prozess tritt der Rocker als Nebenkläger auf.

"Ich konnte keinem Tier etwas zu Leide tun"

Bevor Yamin sich äußert, hat Ercan P. das Gericht verlassen, er habe Kopfschmerzen. Yamin hatte zuvor über seinen Verteidiger mitteilen lassen, dass er bereit sei, ein Schmerzensgeld zu zahlen und er die Tat bereue. Später sagt er: "Ich konnte vorher keinem Tier etwas zu Leide tun, ich habe im Knast geweint und gebetet, dass er nicht stirbt." Später: "Ich wollte ihm eine Abreibung verpassen." Er sei wütend gewesen, gar nicht bei sich, hätte Angst gehabt. Er versucht dem Vorsitzenden Richter zu erklären, wie es ist, "sich Einbildungen zu schieben". Er habe zu viel gekokst damals, gekifft, hätte regelrecht Verfolgungswahn entwickelt - sogar vor seiner eigenen Familie habe er Angst gehabt.

Kein erkennbares Motiv, dafür Wahnvorstellungen

Am Tattag habe er kurz am Kiosk gestoppt. Ercan P. und ein paar andere Bekannte waren dabei, Stühle nach draußen zu räumen, Yamin half, bekam dann wieder Wahnvorstellungen, wie er sagt. "Hinten war eine Baustelle, ich hatte plötzlich das Gefühl, sie reden hinter meinem Rücken über mich und wollen mich dort begraben", sagt er. Dann habe er "zufälligerweise in seinen Rücken gestochen". Nach einem Motiv fragt der Richter am ersten Prozesstag vergeblich.

Das Opfer selbst war vor einiger Zeit in einem Prozess um Drogenhandel im Rockermilieu zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Am kommenden Dienstag wird der Prozess mit seiner Zeugenaussage fortgesetzt. Ein Urteil ist für Ende August geplant.