Vorfall in Köln

Polizisten bei Überbringen von Todesnachricht angegriffen

Die JVA in Herford. Hier nahm sich der 17-Jährige das Leben.

Die JVA in Herford. Hier nahm sich der 17-Jährige das Leben.

KÖLN. In handfesten Übergriffen auf Polizeibeamte endete am Dienstagmittag das Überbringen der Todesnachricht eines Familienmitglieds in Köln. Erst mit Unterstützung weiterer Beamten konnte die Situation entschärft werden.

Tätlich angegriffen wurden am Dienstagmittag gegen 14.20 Uhr Polizeibeamte, die in Köln-Hohlweide in Begleitung von Notfallseelsorgern einer Familie die Nachricht vom Tod eines 17-jährigen Familienmitgliedes überbringen mussten. Der Kölner hatte sich am Montagabend in der Justizvollzugsanstalt Herford selbst das Leben genommen. Wie die Polizei mitteilt, folgten unmittelbar auf die traurige Nachricht am Dienstag in der Wohnung der Familie Schläge der 36-jährigen Mutter sowie des 41-jährigen Vaters des Verstorbenen gegen die Beamten. Weitere, hinzugerufene Polizeikräfte konnten die Situation zunächst beruhigen.

Als die Beamten das Haus verließen, eskalierte die Situation allerdings erneut. Erst mit Unterstützung einer Gruppe der Bereitschaftspolizei gelang es den Beamten, die Situation zu beruhigen. Den 19-jährigen Bruder des Verstorbenen nahmen die Polizisten zur Verhinderung weiterer Angriffe in Gewahrsam. Gegen ihn sowie zwei weitere Familienangehörige wurden Anzeigen wegen Widerstands gefertigt.

Nach Angaben der Herforder Anstaltsleitung hatte sich der 17-Jährige am Montag stranguliert, obwohl er unter Beobachtung stand. „Er galt als suizidgefährdet“, sagte der stellvertretende Leiter der JVA, Heinz-Herbert Droste, am Dienstag. Laut Mitteilung hatte ein Anstaltsarzt den jungen Mann noch am Montag untersucht. Demnach verhielt er sich unkooperativ, verweigerte die Einnahme von Medikamenten und es gab Konflikte mit anderen Gefangenen.

Der 17-Jährige sei am 22. Oktober aus der JVA in Iserlohn nach Herford verlegt worden. „Hier hat er eine Jugendfreiheitsstrafe abgesessen“, sagte Droste. Die Jugendstrafe über zwei Jahre wegen verschiedener Delikte wäre im Mai 2019 beendet gewesen. Das Gefängnis in Herford ist eine von vier Anstalten für den geschlossenen Jugendvollzug in NRW. (mit Inhalten von dpa)