Autobahnausbau

Politiker bestehen auf den Ausbau der A61

Lastwagen an Lastwagen – ein tägliches Bild auf der A 61, hier am Meckenheimer Kreuz.

Lastwagen an Lastwagen – ein tägliches Bild auf der A 61, hier am Meckenheimer Kreuz.

Rhein-Sieg-Kreis. 50.000 Fahrzeuge, davon 10.000 Lkw rollen täglich über die A61 zwischen Bliesheim und Meckenheim. Zur Entlastung soll sie auf sechs Spuren erweitert werden. Doch das Projekt fehlt im Masterplan der Landesregierung.

Die A 61 ist eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen des deutschen Autobahnnetzes. Sie wird von Pendlern, Urlaubern und Fernfahrern genutzt. Den Abschnitt zwischen den Kreuzen Bliesheim und Meckenheim befahren täglich rund 50 000 Fahrzeuge, wie die jüngste Zählung des Landesbetriebs Straßen NRW ausweist. Etwa 10 000 davon sind Lastwagen. Häufig passieren auf dieser Strecke Unfälle, zuweilen mit schlimmen Folgen. Auch wegen dieser starken Auslastung soll der Abschnitt von Bliesheim bis Meckenheim von zwei auf drei Fahrspuren je Richtung ausgebaut werden.

Nur wann, das ist die Frage. Im jetzt vorgestellten Masterplan der Landesregierung (der GA berichtete) sucht man das Ausbauprojekt vergeblich. Politiker im Rhein-Sieg-Kreis drängen hingegen auf einen baldigen Planungs- beziehungsweise Baubeginn.

Der Masterplan des Landes soll Orientierung im dichten Gestrüpp der geplanten Straßenbauprojekte bieten. Das Land ist für die Umsetzung des Bundesfernstraßenplans zuständig. In NRW stehen mehr als 200 Projekte mit einem Volumen von gut 20 Milliarden Euro an.

Vorrangig will das Land Engpässe beseitigen, etwa die Ausbauten im bestehenden Autobahnnetz – auch im Köln/Bonner Raum. Aber auch da ziehen sich selbst dringende Projekte bis weit in die 2030er Jahre.

Laut Masterplan will das Land auch einige Planungen für Neubauten in Angriff nehmen: Aus dem Rhein-Sieg-Kreis nennt es konkret die Rheinbrücke bei Niederkassel und die Umgehung für Swisttal-Miel (B 56). Die Uckerather Umgehung B 8 wie auch der Ausbau der A 61 bei Meckenheim werden dagegen trotz der positiven Bewertung des Bundes nicht aufgeführt.

Verkehrsministerium versichert, die Planung fortzusetzen

Fallen beide Projekte aus dem Kreis hintenüber? Nein, sagt das Verkehrsministerium. Im Masterplan seien etliche Projekte nicht genannt, auch solche mit dem Vermerk „Vordringlicher Bedarf“, so Sprecher Bernhard Meier auf Anfrage. „Die Planung wird aufgenommen beziehungsweise fortgeführt, wenn Kapazitäten zur Verfügung stehen.“

Damit will sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Hartmann nicht zufriedengeben. Es zeichne sich ab, dass die schwarz-gelbe Landesregierung sowohl die B 8 als auch die A 61 „in Richtung Sankt-Nimmerleins-Tag“ verschiebe. „Das ist für viele Pendler eine schlechte Nachricht“, erklärte Hartmann. Der CDU-Landtagsabgeordnete Oliver Krauß verteidigte den neuen Masterplan des Landes: „Zu einer ehrlichen Betrachtung gehört, dass nicht alle Projekte gleichzeitig umgesetzt werden können.“ Die rot-grüne Landesregierung habe es versäumt, eine Strategie zur Umsetzung des Bundesfernstraßenplans zu entwickeln. „Die marode nordrhein-westfälische Infrastruktur ist das Ergebnis fehlender Planung und falscher Prioritätensetzung trotz der guten Mittelausstattung des Bundes“, so Krauß.

Die Swisttaler Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner sagt: „Für die Gemeinde Swisttal und die Bürger von Miel ist zunächst wichtig, dass im Masterplan zur Umsetzung des Fernstraßenbedarfsplans des Verkehrsministeriums des Landes NRW die Ortsumgehung Miel enthalten und als ein Projekt des vordringliches Bedarfs eingestuft ist. Ebenso bedeutsam ist es, dass hierdurch keine Verzögerung für die Ortsumgehung eintritt.“ Vor einer Realisierung des sechsspurigen Ausbaus der A 61 sei es für die Bevölkerung entlang der Trasse und insbesondere in Heimerzheim und Miel unerlässlich, gesicherte Informationen zu einem adäquaten Lärmschutz zu erhalten.

Baubeginn der Ortsumgehung Miel ist für 2021 geplant

Für den Bau der Ortsumgehung Miel mit dem Vollanschluss an die A 61 soll 2019 das Planfeststellungsverfahren beginnen. Dafür veranschlagt Straßen NRW etwa zwei Jahre, sodass 2021 mit dem Bau begonnen werden könnte. Diese Planung ist unabhängig vom geplanten Ausbau der Autobahn.

„Der sechsspurige Ausbau muss zügig kommen“, fordert der Rheinbacher Bürgermeister Stefan Raetz. „Wir können nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten.“ In den nächsten Jahren werde sich auch der Anteil des Schwerlastverkehrs erhöhen. „Man hat ja fast gar keine Chance mehr, auf die rechte Spur zu kommen.“ Es gebe bereits jetzt zu viele Staus und zu viele Unfälle. Auch die Umleitungsstrecken durch die Dörfer würden dann stark belastet. Und es werde schwierig, jetzt noch Lärmschutz zu planen, wenn der Beginn des Ausbaus nicht feststehe.

Heinz-Peter Witt, Technischer Beigeordneter der Stadt Meckenheim: „Wenn sich das Mobilitätsverhalten nicht grundlegend verändert und dadurch das Verkehrsaufkommen nicht rapide abnimmt, ist der Ausbau der A 61 unabdingbar. Wir benötigen eine intakte und gut funktionierende In-frastruktur, sowohl für die Pendler als auch für die Gewerbetreibenden. Sie müssen in der Lage sein, ihre Kunden mit unseren regionalen Produkten pünktlich und zuverlässig zu beliefern. Ich denke hinsichtlich des Flächenverbrauchs aber auch an unsere Obstbauern, die Ernteflächen für ihren Obstanbau verlieren werden.“