Zwischen Wesseling und Niederkassel

Neue Rheinbrücke in Planungen hochgestuft

Blick auf die Wesselinger Industriekulisse: Hier könnte die neue Brücke den Rhein queren.

Blick auf die Wesselinger Industriekulisse: Hier könnte die neue Brücke den Rhein queren.

Bonn. NRW profitiert nach Angaben von Landesverkehrsminister Michael Groschek (SPD) von dem überarbeiteten Entwurf für den Bundesverkehrswegeplan. Höher eingestuft wurde jetzt auch eine neue Rheinbrücke zwischen Wesseling und Niederkassel.

Bonn/Region. Die Chancen auf den zeitnahen Bau einer neuen Rheinbrücke sind erheblich gestiegen. Wie am Freitag aus Berlin bekannt wurde, ist die geplante Rheinquerung zwischen Wesseling beziehungsweise dem Kölner Süden und Niederkassel im überarbeiteten Referentenentwurf des Bundesverkehrswegeplans von der Kategorie „weiterer Bedarf mit Planungsrecht“ in die Klasse „vordringlicher Bedarf“ hochgestuft worden. Die Nachricht löste in der Region zahlreiche Reaktionen aus.

Wie berichtet, war die geplante Rheinbrücke im ersten Entwurf des Bundesverkehrswegeplans relativ schlecht weggekommen. Die Kategorie „weiterer Bedarf mit Planungsrecht“ bedeutet, dass der Bund bis 2030 kein Geld für den Bau einplant, dem Land jedoch gestattet, die Planung voranzubringen. 367 Millionen Euro soll die Brücke mit Anbindung an die A 555 sowie an die A 59 kosten. Möglicherweise könnte es auch eine Schienenverbindung geben.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Hartmann nannte die Priorisierung ein „zentrales Signal für die Region“. Seiner Überzeugung zufolge bedeute die Höherstufung, dass es eine definitive Planungs- und Finanzierungsperspektive innerhalb der Geltung des Bundesverkehrswegeplans in den nächsten 15 Jahren gebe. Nachdem der erste Entwurf des Bundesverkehrswegeplans im März vorgelegt worden war, war die Enttäuschung bei vielen groß gewesen. Von verschiedenen Seiten wurde daraufhin versucht, die Brücke in eine höhere Kategorie zu hieven. Unter anderem hatte Hartmann Mitte Juni zusammen mit Unternehmern aus der Region eine Planungsgesellschaft für das Bauwerk ins Leben gerufen. „Der gemeinsame Krafteinsatz aller Ebenen von Landesverkehrsminister Michael Groschek (SPD) bis hin zu den Kommunen hat Wirkung gezeigt. Wir bringen zum Ausdruck, alles für eine zeitnahe Realisierung der Brücke zu tun. Nun müssen wir in den weiteren Beratungen dafür sorgen, dass die positive Bewertung erhalten bleibt“, erklärte Hartmann am Freitag.

„Die Höherstufung der Rheinbrücke wird von den Bürgermeistern des Rhein-Sieg-Kreises ausdrücklich begrüßt, zumal dies auch dem klaren und gemeinsamen Votum der Verwaltungschefs entspricht“, sagte wiederum Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz (CDU) auf Anfrage des General-Anzeigers. Raetz ist Sprecher der Bürgermeister der 19 Kommunen des Kreises. „Direkt nach dem Bekanntwerden der ersten Inhalte des neuen Bundesverkehrswegeplanes haben wir uns für eine Höherstufung ausgesprochen und dies auch auf Bundesebene kund getan.“ Die Rheinquerung ist laut Stefan Raetz „notwendig, überfällig und muss nun zügigst ohne erneute Rückschläge angegangen werden.“ Die Politik sei das den Staugeplagten Bürgern und insbesondere der im wahrsten Sinne des Wortes „ausgebremsten“ Wirtschaft schuldig, so Raetz.

Erwin Esser, Bürgermeister der Stadt Wesseling (SPD), sagte: „Über die Rheinbrücke wird schon seit Jahrzehnten diskutiert, aber soweit waren wir noch nie. Das ist eine gute Nachricht für die Region und für Wesseling, auch mit Blick auf Gewerbe und Industrie. Wenn signalisiert wird, dass Mittel für die Planung bereitgestellt werden, dann macht es Sinn, die Kräfte zu bündeln und eine Projektgesellschaft zu gründen, wie es der Verband der chemischen Industrie vorgeschlagen hat. Die beteiligten Städte und die Industrieunternehmen werden sich nun sicher zusammensetzen und über solche Fragen beraten.“

Der Bonner SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber bestätigte, dass nicht nur die Rheinquerung höhergestuft wurde. Außerdem solle auch der Neu- und Ausbau des Tausendfüßlers zwischen Bonn-Endenich und der Nordbrücke von „weiteren“ in den „vordringlichen“ Bedarf eingestuft werden. Wie berichtet, muss das Bauwerk nicht nur komplett ersetzt, die A 565 zwischen Lengsdorf und Bonn-Nordost soll auch durchgehend sechsstreifig ausgebaut werden. Dies entspricht genau den Forderungen, die Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis in einer gemeinsamen Resolution gefordert hatten. „Die Bundesstadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis unterstützen einvernehmlich das Projekt Rheinquerung und zwar als kombinierte Brücke für den Schienen- und Autoverkehr. Sie bitten das Projekt mit bundesdeutscher Bedeutung neu zu bewerten“, hieß es in dem Beschluss der gemeinsamen Planungsgremien. „Das ist ein Riesenerfolg für die Region“, sagte Kelber telefonisch von seinem Feriendomizil aus. „Das zeigt, dass wir etwas bewegen können, wenn wir in der Region den Schulterschluss üben.“

Bewusst hatten die beiden Planungsgremien im April das Thema Südtangente ausgespart . Die Straßenspange zwischen A 565 und A 3 soll dem Vernehmen nach auch herabgestuft worden sein. Die jetzigen Höher- beziehungsweise Herabstufungen haben allerdings noch keinen endgültigen Charakter. Schließlich wird der Bundesverkehrswegeplan noch einige Schleifen drehen. So wird der aktuelle Entwurf aus dem Bundesverkehrsministerium mit dem Bauministerium abgestimmt. Im Anschluss wird es einen Beschluss des Bundeskabinetts geben. In der zweiten Jahreshälfte wird sich der Verkehrsausschuss des Bundestags, dem Sebastian Hartmann angehört, damit befassen. Hartmann rechnet mit dem endgültigen Beschluss durch den Bundestag zum Ende des Jahres.