Rheinenergie-Stadion

Metallica rockt in Köln mit "Viva Colonia"

Die US-Band Metallica während ihres Auftritts in Köln.

Die US-Band Metallica während ihres Auftritts in Köln.

Köln. Das ausverkaufte Rheinenergie-Stadion kochte, als die lebenden Legenden mit dem Publikum den kölschen Klassiker singen. Zehntausende überglückliche Fans schickte die Band nach zweieinhalb Stunden mit dem Sandmännchen ins Bett.

Was der Käfer für die Autoindustrie war, sind Metallica für Fans harter Gitarrenriffs: Die „Four Horsemen“, wie das Quartett von Fans genannt wird, reiten und reiten und reiten –  seit mehr als zwei Jahren ist die Band auf Welttournee, um das 2016 erschienene Album „Hardwired...To Self-Destruct“ zu promoten. Jetzt kehrten die US-Thrasher mit hochkarätigen Vorbands zurück nach Köln, denn wie heißt es so schön: „Aller guten Dinge sind drei.“

Nachdem Metallica im Sommer 2017 an gleich zwei Abenden infolge die Lanxess-Arena unter Strom gesetzt hatten, kam die wohl größte Metalband des Planeten am Donnerstag für ein drittes Gastspiel in das Müngersdorfer Stadion. Im ausverkauften Wohnzimmer des 1. FC Köln spielte die Truppe Songs ihres aktuellen Albums, hatte aber auch Klassiker und eine Überraschung mit Gänsehaut-Garantie auf dem Zettel stehen.

Metallica jagte den Fans mit  "The Good, the Bad and the Ugly" Schauer über den Rücken

Doch bevor die Musiker aus dem Backstage-Bereich im Galopp auf die Bühne vor der Südtribüne hopsten, hatten die Zuschauer noch das Vergnügen mit zwei bemerkenswerten Auftritten von Bokassa und Ghost. Nach einer kurzen Umbaupause aber war es schließlich soweit: Aus den Boxen schossen gegen halb neun die Klänge von Ennio Morricones „The Ecstasy of Gold“. Bekannt ist der Song vor allem aus Sergio Leones Spaghetti-Western „The Good, the Bad and the Ugly“ – echten Metallica-Fans jagt die Melodie jedoch wohlige Schauer über den Rücken, weil sie wissen, dass es jeden Moment losgeht. Seit Beginn ihrer Karriere starten Metallica mit diesem Song ihr Set.

Dann endlich stürmte Schlagzeuger Lars Ulrich gefolgt vom Rest der Truppe auf die weiß lackierte und minimalistische Bühne, die ein bisschen an den Flair einer Zahnarztpraxis erinnerte. Als Stelldichein brachten sie den Titeltrack ihres aktuellen Albums, gefolgt von „The Memory Remains“ ihres eher weniger beliebten 1997er Albums „Reload“.

Verfechter der alten Schule konnten sich danach über „Ride The Lightning“, „The Thing That Sould Not Be“ und „The Unforgiven“ freuen, bevor es in einen Block neueren Materials ging. Mit dabei war zum Beispiel „Moth Into Flame“, das von einer beeindruckenden Pyro-Show unterstützt wurde – eine Reihe Feuerfontänen schoss meterhoch durch das Gebälk.

Ein kurzer Blick auf die lebenden Legenden genügte, um festzustellen, dass die Vier zwar mehr als fit, aber seit ihrem Gastspiel vor zwei Jahren in der Lanxess-Arena zumindest optisch rasant gealtert sind. Wohl auch wegen der weit sichtbaren grauen Matten von Gitarrist Kirk Hammett und Sänger James Hetfield, der überdies mit silbernerem Hulkamania-Gedächtnisbart auflief.

Stimmlich und spielerisch waren Metallica jedoch voll dabei: Hetfield bellte seine Texte ins Mikrofon, prügelte dabei präzise die Riffs aus seiner Gitarre, Hammett ließ sein Wah-Wah kreischen, Bassist Robert Trujillo krebste wie gewohnt mit Duckface über die Bühne und Lars Ulrich übt scheinbar immer noch am liebsten live, wie man Schlagzeug spielt – aber das gehört auch irgendwie dazu.

Hammett und Trujillo stimmten "Viva Colonia" an

Der Sound war am Anfang gewöhnungsbedürftig, weil sehr höhen- und gleichzeitig basslastig, die Techniker bekamen den Matsch aber schnell in den Griff, sodass die Zuschauer das Set spätestens ab dem dritten Song wirklich genießen konnten. Und das taten sie auch dank einer für Kölner besonderen Überraschung: Zwischen zwei Liedern stimmten Hammett und Trujillo zusammen mit dem Publikum „Viva Colonia“ an. Mehr Applaus ist hierzulande nicht zu holen.

Nach rund zweieinhalb Stunden Programm, in denen Kracher wie „Master of Puppets“ oder „Nothing Else Matters“ natürlich nicht fehlen durften, ging es ans Finale. Und das konnte opulenter nicht sein. Mit Feuerwerk und Fan-Chören schickten Metallica das Sandmännchen ins Rennen und entließen mit „Enter Sandman“ Zehntausende überglückliche Fans ins Bett.

Doch auch die beiden Vorgruppen hatten es in sich. Zunächst durfte man Bekanntschaft mit den Nachwuchsrockern von Bokassa machen. Die vier Jungs aus Trondheim in Norwegen mischten Hardcore Punk mit Stoner Rock und gaben sich dabei erfrischend uneitel sowie energiegeladen.

Im Anschluss gehörte die Bühne Ghost – wer bis dato geglaubt hat, im Tageslicht könne man sich nicht vor Geistern gruseln, wurde spätestens beim Anblick der schwedischen Band eines besseren belehrt. Der in der Szene gehypte Fünfer aus Linköping setzt auf Masken und Kostüme im Stile der mittelalterlichen Kirche und wirkt live wie ein dunkler Kult, der ein Ritual vollzieht.

Frontmann Tobias Forge präsentierte dem proppenvollen Stadion an diesem Abend die volle Bandbreite seiner Gruppe und begeisterte bei Liedern wie „Rats“, „Dance Macabre“ und „Square Hammer“ sowohl stimmlich als auch durch seine selbstironische Bühnenfigur namens Cardinal Copia mit skurriler Gummimaske und hautengem, roten Dress.