Umfrage im Rhein-Sieg-Kreis

Meckenheim beim Fahrradklimatest an der Spitze

Fahrradfahrer auf der Straße Vor dem Voigtstor in Rheinbach

Fahrradfahrer auf der Straße Vor dem Voigtstor in Rheinbach

Rhein-Sieg-Kreis. Die Städte und Gemeinden im Rhein-Sieg-Kreis schneiden bei der Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs überwiegend schlecht ab. Nur Meckenheim schneidet vergleichsweise gut ab.

Die beharrlich wärmende Sonne im Frühling lockt jetzt zunehmend Zweiradfreunde raus ins Freie. Wie wohl sich radelnde Berufspendler und Freizeitfahrer im Sattel und auf den ihnen zugewiesenen Wegen (falls vorhanden) fühlen, hat der Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) deutschlandweit in Erfahrung gebracht. Die Ergebnisse fallen in den linksrheinischen Kommunen Meckenheim, Rheinbach und Swisttal höchst unterschiedlich aus.

Als Primus im Vergleich der Städte und Kommunen erweist sich die Stadt Meckenheim. Die Kommune, die seit Jahrzehnten den Radverkehr fördert und über ein nahezu durchgehendes Radverkehrsnetz verfügt, hat mit der Note 2,96 ein im bundesweiten Vergleich gutes Ergebnis erreicht. Sie verfehlt nur knapp das Siegertreppchen und landet auf Rang vier der bundesweit 311 Städte zwischen 20 000 und 50 000 Einwohnern, in der Landeswertung schafft sie Platz zwei (hinter Rees/Niederrhein) von 82 Städten vergleichbarer Größe. Genau am anderen Ende findet sich Rheinbach wieder. Mit einer Note von 4,5 reicht es nur für Rang 300 von 311. Eine 3,9 geben die Radfahrer in Swisttal der Fortbewegung mit dem Rad. In der Rangliste aller NRW-Kommunen unter 20 000 Einwohnern bedeutet dies Rang 104 von 186.

Gutes Sicherheitsgefühl bei den Radfahrern

Einziger Wermutstropfen für Meckenheim ist, dass sich die positive Bewertung von einer 2,7 anno 2016 auf eine 2,96 verschlechtert hat. Positiv sehen die Radfahrer, von denen 137 in der Apfelstadt an der Befragung teilnahmen, dass sie mit einem „hohen Sicherheitsgefühl“ in Meckenheim im Sattel sitzen, es breite Radwege gibt und Werbung fürs Radfahren gemacht wird. Auf der Noch-zu-tun-Liste notieren sie das nicht vorhandene Angebot an Leihfahrrädern, die wenig attraktive Radmitnahme im ÖPNV und die häufigen Diebstähle von Zweirädern. Die beste Benotung, nämlich eine 1,9, gibt es für die Erreichbarkeit des Stadtzentrums und für zügiges Radfahren, dicht gefolgt von der Wegweisung für Radfahrer, die mit einer 2,0 bewertet wird.

In Rheinbach loben die 335 teilnehmenden Radfahrer die gute Wegweisung, geringe Konflikte mit Fußgängern und die Tatsache, dass Jung und Alt aufs Rad steigen. Kritik gibt es am nicht vorhandenen Leihradangebot und an der kaum vorhandenen Radförderung in jüngster Zeit. Der dritte Kritikpunkt beschreibt kurz und eindrücklich, was die Mobilität in Rheinbach kennzeichnet. Er lautet: „Radfahren ist Stress“. Wer in Swisttal Rad fährt, freut sich über die gute Wegweisung und dass es kaum Diebstähle der mitunter teuren Hobbygeräte gibt. Die Kategorie „Radfahren macht Spaß“ erreicht in den Orten an der Swist Topwerte. Kritisch sehen die 60 Testteilnehmer, dass Radwege schlecht gereinigt und im Winter nur nachlässig geräumt werden. Ferner seien sie oft holprig und uneben.

Bürgermeister freut sich über Bestnoten

„Die Unzufriedenheit der Radfahrer mit den Radwegen ist nicht nur in Rheinbach ausgeprägt, liegt aber mit 4,5 in der Tat noch unter dem Bundesdurchschnitt vergleichbarer Städte von 3,9“, erklärte Rheinbachs Stadtsprecher Norbert Sauren. „Obwohl lediglich ein Prozent der Einwohner an der Umfrage teilgenommen hat, werden die Bedürfnisse der Radfahrer ernst genommen“, so Sauren. Es bedürfe „der Kompromissbereitschaft aller Verkehrsteilnehmer, um auf dem mitunter sehr begrenzten Raum Lösungen zu finden“. Für die Planungen zum „Masterplan Innenstadt“ würden „mittelfristig die verkehrlichen Aspekte aller Verkehrsteilnehmer gewürdigt“. Erfreulich sei, dass das monierte mangelnde Angebot öffentlicher Leihfahrräder in Kürze Geschichte sein wird: „Anfang dieses Monats haben die Bauarbeiten begonnen und die Fahrradverleihstation am Rheinbacher Bahnhof wird voraussichtlich im Mai in Betrieb genommen“, sagte Sauren.

In Meckenheim reagierte Bürgermeister Bert Spilles begeistert auf die Bestnoten: „Ich freue mich sehr über dieses Resultat. Es ist für uns als Stadt Meckenheim erneut Bestätigung und Ansporn zugleich, auf dem fahrradfreundlichen Weg auch künftig kräftig in die Pedale zu treten.“

Bestnoten für Swisttal bei der Wegweisung

Hans-Peter Eckart, neuer Vorsitzender des ADFC in Meckenheim, spricht von einem Ergebnis, „das einer fahrradfreundlichen Stadt gut zu Gesicht steht“. Die optimale Infrastruktur nennt er ebenso als wesentlichen Faktor wie die langjährigen und beharrlichen Bemühungen der ADFC-Ortsgruppe – eine der ältesten und größten im Kreis. „Aber nichts ist so gut, dass man es nicht noch weiter verbessern könnte“, so Eckart. „Wir kämpfen heute noch für einen durchgehenden Radweg an der L 261 Richtung Röttgen“, hatte der scheidende ADFC-Chef vor wenigen Tagen dem GA gesagt. Ebenso wichtig sei der Abbau von Engstellen, versetzt gestellten Schranken, die mit dem Rad nur schwierig passierbar sind.

Die besten Bewertungen erhielt Swisttal für die Aspekte „Radfahren macht Spaß“, die gute „Wegweisung für Radfahrer“ und „Erreichbarkeit Stadtzentrum“, erklärte Jeannine Kunz, Sprecherin der Gemeinde Swisttal. Der Rat der Gemeinde habe zudem im September ein Konzept zum Alltagsradverkehr beschlossen, das als künftige Grundlage zum Ausbau und zur Förderung des Alltagsradverkehrs diene. „Die Ergebnisse des Fahrradklimatests bestärken uns darin, weiter an der Umsetzung des Alltagsradverkehrskonzepts zu arbeiten, die Mobilität zu erhöhen und das Klima zu schützen“, sagte Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner. Förderanträge seien bereits gestellt.