Datenschutz verhindert Polizeieinsatz

MacBook-Dieb bekommt Termin im Kölner Apple Store

Köln. Einem PR-Berater aus Hamburg wurde sein MacBook Air gestohlen. Als er die Meldung erhält, jemand habe mit seinem Gerät einen Termin zum Entsperren im Apple-Store ausgemacht, informiert er die Polizei. Doch die kann nicht viel tun.

"'Mein iPhone suchen' hilft Ihnen, Ihr Apple-Gerät zu finden und zu schützen, falls es je verloren gehen oder gestohlen werden sollte." So wirbt Apple für die Sicherheit seiner Smartphones und Laptops.

Einem Hamburger PR-Berater passierte im April genau das, was Käufer eines MacBook Air - Neupreis ab 1.099 Euro - fürchten: Nach einer Bahnfahrt von Köln nach Hennef war sein Koffer mitsamt des teuren Gerätes nicht mehr bei ihm. Er rief bei der Polizei und im Fundbüro an, doch niemand hatte Koffer oder Laptop gesehen.

Nun sollte sich zeigen, was die Gerätesuche wohl für Sebastian Schroer tun könnte. Er meldete das verlorene MacBook Air bei Apple als verloren. Der Computer sollte von da an gesperrt sein und seine Position automatisch melden, sobald er eingeschaltet und in einem WLAN-Netz ist. Gut eine Woche später, am 3. Mai, erhält er tatsächlich eine Meldung per E-Mail. Bei Kreuzau in der Eifel hatte das Gerät offenbar WLAN-Kontakt. Der Hamburger ruft die örtliche Polizei. Die fährt zu der angegebenen Adresse, findet jedoch kein MacBook, sondern - laut Schroer - nur eine "erschrockene Familie". Die Polizei legt ein Aktenzeichen an. Das MacBook bleibt verschwunden.

 

Am 5. Juli nimmt die Geschichte eine Wendung. Zum zweiten Mal bekommt der 51-jährige eine Nachricht von seinem gestohlenen Gerät. Diesmal ist es eine Terminbestätigung. Jemand hat sich in einem Kölner Apple-Store zum Entsperren des gestohlenen MacBooks angemeldet. Das wäre ein normaler Vorgang, wenn der Besitzer das Gerät selbst wiedergefunden hätte. Um einen Mac wieder zu entsperren, müssen Nutzer nach Angaben von Apple einen Code eingeben. Wer diesen nicht mehr kennt, muss mit dem Gerät und einem Kaufbeleg beim Händler erscheinen. Außerdem ist für die Reaktivierung noch die sogenannte Apple ID notwendig. Auch diese ist mit einem Passwort geschützt.

Schroer wurde von der E-Mail überrascht und fragt sich, wer sich mit seinem Gerät zum Termin in Köln angemeldet hat.

Apple gibt Namen nicht heraus

Wieder greift der PR-Berater zum Telefon und ruft die Bundespolizei in Köln an. Die war laut Staatsanwaltschaft Bonn dann auch zum angegebenen Zeitpunkt vor Ort im Apple-Store. Einen Dieb machte sie dabei aber nicht dingfest - dank der Datenschutzrichtlinien von Apple. Der Bestohlene schreibt auf Facebook: "Leider hat der Storemanager den Zugriff verhindert, in dem er der Polizei den Zugang verwehrt hat."

Die Beamten - laut Schroer waren es vier - standen also unverrichteter Dinge vor dem Ladengeschäft. Eingreifen konnten sie nicht. Das MacBook bleibt verschwunden und Informationen über die Person, die den Termin vereinbart hat, sind auch nicht bekannt. Denn dazu schweigt Apple bislang.

Offenbar hat der Manager in Köln entsprechend den Datenschutzgrundsätzen des Unternehmens gehandelt. Demnach sollen Kundendaten nur auf richterlichen Beschluss herausgegeben werden. Auf GA-Nachfrage gibt Apple keine Auskunft zu dem Fall aus Köln. Man kommentiere prinzipiell keine individuellen Fälle, heißt es in einer schriftlichen Antwort von Apple.

Das Opfer ist entsetzt - und postet auf Facebook: "Gerade noch einmal von Apple bestätigt bekommen. Sie geben die Daten nicht raus und auch kein Ersatzgerät auf Kulanz." Auf GA-Nachfrage am Mittwoch schreibt Schroer: Es gebe in der Sache "leider nichts Neues. Weder Polizei noch Apple haben sich gemeldet und das Air ist weiterhin verschwunden."

Die Staatsanwaltschaft Bonn bestätigt Ermittlungen wegen des gestohlenen Laptops. Es habe deswegen auch einen Polizeieinsatz an einem Apple Store in Köln gegeben. Eine Durchsuchung hätte dort aber nicht stattgefunden. Für Durchsuchungen sei grundsätzlich ein richterlicher Beschluss notwendig.

So gut das Sicherheitskonzept mit Sperrung des Geräts und automatischer Positionsangabe auch funktioniert: Bei der Suche nach dem Dieb ist das System dank Datenschutz nicht vollends durchdacht. Das Vertrauensverhältnis zwischen Apple und dem Kunden Sebastian Schroer dürfte nachhaltig gestört sein. Dabei war er bislang bekennender Fan der Marke. Er ist Autor zweier Bücher mit Tipps und Tricks zum iPad und zum iPhone.