Leck in Köln

Krebserregende Substanz bei Shell in Godorf ausgelaufen

Blick auf Ölraffinerie Shell in Köln-Godorf.

Blick auf Ölraffinerie Shell in Köln-Godorf.

Köln. Im Shell-Werk in Köln-Godorf sind im September 2017 bis zu 270 Liter des krebserregenden Stoffs Solvent Naphta ausgelaufen. Die Bezirksregierung Köln hat eine Sonderprüfung veranlasst.

Vor rund vier Wochen sind auf dem Gelände der Rheinlandraffinerie von Shell in Köln-Godorf bis zu 270 Liter eines gesundheitsgefährdenden Stoffgemischs namens Solvent Naphta ausgelaufen. Das bestätigte Jan Zeese, Sprecher des Unternehmens, auf Anfrage. Die Flüssigkeit lief aus einem Loch in einer Pipeline in der Nähe des Godorfer Hafens. Ein Gesundheitsrisiko soll weder für die Mitarbeiter noch für die Bevölkerung bestehen.

Verunreinigt wurde dabei eine Fläche von circa vier Quadratmetern, die unmittelbar ummantelt und ausgegraben wurde. Am 12. September begann die Sanierung, wie die Bezirksregierung Köln auf Anfrage mitteilte. "Sicher ist, dass der Schaden sich nicht ausgeweitet hat", betonte Zeese, "er ist weitgehend bereinigt". Ob das Risiko einer Verunreinigung des Grundwassers besteht, werde gerade geprüft. Dazu werde der Boden bis zu einer Tiefe von acht Metern untersucht. Vor dem Kontakt mit dem Grundwasser könne die Flüssigkeit durch ein Brunnensystem aufgefangen und gereinigt werden.

Ein Loch, kaum größer als ein Stecknadelkopf

"Wir haben ungefähr 60.000 Rohrleitungen auf dem Gelände. Sie werden ständig routinemäßig überprüft mit dem Ziel, Leckagen frühzeitig zu erkennen ", erklärte Zeese. Bei einer dieser Standardüberprüfungen sei das Loch am 11. September aufgefallen. Das Unternehmen habe danach unverzüglich die normalen Prozeduren zur Reparatur und Sicherung, wie die Absperrung und Ummantelung der Stelle, eingeleitet. Dirk Schneemann, Pressesprecher der Bezirksregierung, teilte auf Anfrage mit, dass der Vorfall seiner Behörde am 20. September gemeldet wurde.

Hier befindet sich das Leck, durch das im September über 200 Liter einer gefährlichen Flüssigkeit ausgelaufen sind.

Hier befindet sich das Leck, durch das im September über 200 Liter einer gefährlichen Flüssigkeit ausgelaufen sind.

Das Loch selbst sei knapp größer als ein Stecknadelkopf und kleiner als eine Münze, sagte Zeese. Zwischen 200 und 270 Litern des Stoffgemischs seien ausgelaufen, der Vorfall wurde deswegen als "geringfügig" engestuft. Bei Solvent Naphta handelt es sich um ein Kohlenwasserstoffgemisch, das im Verdacht steht, Krebs zu erregen. Die gesundheits- und umweltgefährdende Flüssigkeit ist auch als Lösungsbenzol bekannt. Bei Verschlucken oder Einatmen kann sie zum Tode führen, bei Kontakt verursacht sie Hautreizungen.

Ursache wird noch gesucht

Zur Ursache konnte Zeese noch keine Angaben machen. "Da müssten wir spekulieren", sagte er und erklärte weiter: "Die Leitungen sind verschiedenen Herausforderungen ausgesetzt, zum Beispiel hohem Druck und hohen Temperaturschwankungen". Die Pipelines ständig zu überprüfen und, wenn nötig, zu ersetzen habe daher hohe Priorität für das Unternehmen.

"Die Ursachenuntersuchung läuft noch", so Pressesprecher Schneemann. Die Bezirksregierung habe den Schaden und die Maßnahmen vor Ort am 21. September und 2. Oktober überprüft. Darüber hinaus habe sie Sonderprüfungen der benachbarten Rohre veranlasst.

"Die Leitung bleibt außer Betrieb bis die Ursache für die Leckage geklärt ist und ein Sachverständiger die Leitung nach der Reparatur abgenommen hat", erklärte Schneemann. Um den Schaden zu untersuchen, sei das betroffene Rohrteil an ein externes Materialprüflabor übergeben worden.