Belgisches Viertel in Köln

Kleinkrieg um die kleine Kneipe

Katharina Eilers und Florian Deubel gehört die Kneipe "Frieda".

Katharina Eilers und Florian Deubel gehört die Kneipe "Frieda".

Köln. Im Belgischen Viertel in Köln schwelt eine Auseinandersetzung zwischen Anwohnern und Barbesitzern. Jüngster Höhepunkt: Unbekannte haben das "Frieda" im Internet zum Verkauf angeboten.

Die Nerven liegen blank: An der Antwerpener Straße im Belgischen Viertel gärt ein heftiger Streit zwischen Gastronomen und Anwohnern. Zuletzt wurden sogar Kneipengäste in den Zwist hineingezogen. Anlass für den Ärger ist der Lärm, der sich im Umfeld der Gaststätten entwickelt. Den vorläufigen Höhepunkt der Auseinandersetzung bildete jetzt eine mysteriöse Verkaufsanzeige für eine der Bars, die unvermittelt im Internet auftauchte. Dabei wissen die Betreiber von nichts.

„Ein Gast hat uns auf die Anzeige aufmerksam gemacht“, erzählen Katarina Eilers (34) und Florian Deubel (33). Ihnen gehört die Kneipe „Frieda“, die jetzt scheinbar im Internet zum Preis von 10 000 Euro zum Verkauf angeboten wird. Die beiden Besitzer stellen klar: „Die Bar steht natürlich nicht zum Verkauf!“

Wer der Urheber der Anzeige ist, wissen sie nicht. Ein Kleinkrieg schwele im Veedel aber schon länger: So hätten Nachbarn die Gäste vor der „Frieda“ schon einmal mit Böllern, Buttersäure, Eiern, Tomaten und Wasserbomben beworfen, erzählen Deubel und Eilers. Die Polizei und das Ordnungsamt seien Dauergäste vor der kleinen Kneipe. „Zum Glück wurde hier aber noch niemand verletzt“, sagt Eilers.

Vor einigen Monaten hätten Unbekannte zudem gefälschte Flyer mit dem Logo der Stadt Köln verteilt. Auf diesem würden die Anwohner dazu aufgerufen, selbst bei der kleinsten Lärmbelästigung die Stadt zu informieren. Bei wiederholten Hackerangriffen werde zudem immer wieder versucht, die Internetseite des Betriebes lahmzulegen. Wegen dieser Vorkommnisse ermittelt nun die Staatsanwaltschaft, mehrere Klagen laufen.

Eigenen Angaben zufolge versuchen die beiden Betreiber seit Monaten, die Auflagen des Ordnungsamts peinlichst zu erfüllen: „Wir haben den Schallschutz im Lokal verbessert und eine Lautstärkemessung durchführen lassen“, sagt Florian Deubel. „Außerdem haben wir einen Türsteher eingestellt, der für Ruhe sorgen soll.“ Beide wollen ihre Kneipe nicht schließen, aber den Streit mit den Anwohnern erlebten sie als „enorme psychische Belastung“.

Die machen indes auch Anwohner geltend: „Müll und leere Bierflaschen auf der Straße und den parkenden Autos, überall riecht es nach Urin. Ich habe sogar einmal ein Pärchen beim Geschlechtsverkehr in meinem Hof erwischt“, klagt ein Nachbar, der namentlich nicht genannt werden will. Und ein direkter Anwohner sagt: „Der Lärm ist unerträglich, ich bekomme am Wochenende kein Auge zu.“ Viermal habe er während der Kulturveranstaltung „Le Tour Belgique“ vor einer guten Woche die Polizei und das Ordnungsamt gerufen. Doch erst nach zwei Stunden kamen die Ordnungshüter. „Ich fühle mich von der Stadt einfach nicht ernstgenommen“, sagt der Nachbar. Uwe Kaven (54), Leiter des Gewerbeamts des Ordnungsamts Köln, kennt die Problematik in der Antwerpener Straße. Das Problem sei durch das Raucherschutzgesetz verursacht worden, welches Raucher zwingt, sich für eine Zigarettenlänge vor die Tür zu begeben, so Kaven. Dadurch steige der Geräuschpegel auf der Straße. Für die Einhaltung der Lärmvorschriften durch seine Gäste sei der Wirt zuständig.

Doch vor der „Frieda“ und zwei weiteren Bars in der Straße tummeln sich auch Leute, die ihr Getränk am benachbarten Kiosk kaufen und vor den Bars trinken. „Hier ist das Ordnungsamt in der Pflicht“, gesteht Kaven ein. Aber: „Unsere Einsatzkräfte sind am Wochenende in der ganzen Stadt unterwegs“. „Wir können daher nicht überall präsent sein“, erklärt er. Kürzlich beschloss der Stadtrat eine Personalaufstockung „Wir werden in Zukunft versuchen, öfters im belgischen Viertel unterwegs zu sein.“ Bis dahin scheint die Lage jedoch festgefahren zu sein. Immerhin ein Nachbar hat offenbar die Hoffnung auf eine Beilegung des Streits nicht aufgegeben: „Ein gemeinsames Gespräch unter Leitung der Stadt könnte vielleicht helfen“, meint er.